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Täglich höhere Corona-Zahlen: Stehen jetzt die Lockerungen auf der Kippe? Virologe Streeck gibt Entwarnung

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Von: Jennifer Battaglia

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Hendrik Streeck
Virologe Hendrik Streeck erklärt in einem Interview die derzeit steigenden Coronafallzahlen. © Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Aktuell steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder an. Warum höhere Zahlen zu erwarten waren und was diese für die geplanten Lockerungen bedeuten, erklärt Virologe Streeck.

Köln - Bundesweit meldet das Robert-Koch-Institut derzeit wieder steigende Inzidenzen. Während die Corona-Fallzahlen Mitte Februar erst zu sinken begannen, geht es jetzt wieder steil bergauf. Am Donnerstag (10. März) wurde gar ein neuer Rekordwert verzeichnet. Viele Menschen sind verunsichert – enden die meisten „tiefgreifenderen“ Corona-Beschränkungen vielleicht doch nicht am 20. März? Virologe Hendrik Streeck geht davon aus, dass die Zahlen erstmal weiter steigen werden – gibt aber gleichzeitig Entwarnung.

Corona in Deutschland: Hendrik Streeck erwartet weiter steigende Zahlen

Streeck äußert sich im Gegensatz zu Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nicht besorgt über den erneuten Anstieg der Zahlen. Zur Beurteilung der Situation müsse man nicht auf die Inzidenz blicken, sondern die Hospitalisierungsrate sehen. Diese war über Wochen rückläufig und verzeichnet auch im Moment keinen deutlichen Anstieg, erklärt der Virologe im Gespräch mit n-tv. Den geplanten Lockerungen stehe deshalb laut Streeck nichts im Wege.

Die innerhalb kürzester Zeit wieder stark zunehmenden Infektionszahlen überraschen den Virologen nicht. Schon im vergangenen Jahr habe es zwei Wellen hintereinander gegeben. „Das kennen wir auch von anderen heimischen Coronaviren, dass sie häufig im Frühjahr so eine Doppelspitze zeigen“, so Streeck bei n-tv. Der neue Anstieg sei also nicht ungewöhnlich. Sobald es wärmer wird, werden die Zahlen laut Streeck auch wieder fallen. So sei es bereits 2020 und 2021 gewesen.

Corona-Politik: Virologe Streeck fordert mehr Eigenverantwortung

Im Herbst und Winter werde es laut dem Wissenschaftler dann wieder vermehrt Infektionsfälle geben. „Wir werden immer mal wieder Anstiege sehen“, sagt Streeck, der das Institut für Virologie an der Universität Bonn führt. In Zukunft müsse mehr auf die Eigenverantwortung der Bürger gesetzt werden. Denn: „Das Virus wird nicht weg sein“, so der Virologe.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich Streeck für mehr Pragmatik in der Corona-Politik ausgesprochen. Er plädiert dafür, dass Menschen mit Antikörpern Geimpften gleichgestellt werden. Da sich die Übertragbarkeit der Omikron-Variante bei Ungeimpften und Geimpften ähnelt, stellte er außerdem kürzlich die G-Regeln in Frage. „Wir müssen vorsichtig zur Normalität zurück“, sagte er Merkur.de im Februar. „Da darf es aus meiner Sicht keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr geben.“

Streeck selbst ist nach eigenen Angaben dreifach geimpft. Er verglich die Impfung mit einer „kugelsicheren Weste“ gegen das Virus. Der Virologe ist aber kein Verfechter der Impfpflicht. Sowohl die allgemeine als auch die partielle Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen sieht er nach eigenen Worten skeptisch. „Mit unserer Impfung wird es keine Ausrottung des Virus, geschweige denn eine sterile Immunität geben“, sagte er. „Das Virus mutiert weiter und wir können weder die Schutzwirkung noch Schutzdauer der Impfungen vorhersagen.“ (jb)

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