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Studie belegt: Corona erhöht das Herzinfarkt-Risiko - Experte spricht über besorgniserregendes Detail

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Von: Anika Zuschke

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Einer aktuellen US-Studie zufolge erhöht eine Corona-Infektion das Risiko eines Herzinfarktes enorm – auch bei Menschen ohne Vorerkrankung. Ein Experte ist besorgt.

München – Eine Corona-Infektion kann auch nach dem Abklingen der Symptome schwerwiegende Folgen haben. So klagen viele Genesene über Langzeitbeschwerden durch „Long Covid“ – die auch bei einem milden Verlauf auftreten können. Außerdem gilt die Lunge als besonders anfälliges Organ nach einer Corona-Erkrankung. Eine Studie aus den USA hat nun ergeben, dass eine Infektion mit Covid-19 auch das Herz angreifen kann. Demnach erhöht sich das Risiko eines Herzinfarktes im Jahr nach einer Corona-Infektion um satte 50 bis 60 Prozent. Einen Herz-Experten versetzt das in Sorge.

Corona-Studie zeigt: Covid-Infektion steigert Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall

Die US-amerikanische Studie ist im Februar 2022 in dem Journal „Nature Medicine“ erschienen und weist eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nach einer Infektion mit Covid-19 nach. Das erhöhte Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte treffe vor allem Patienten, die wegen ihrer Corona-Erkrankung stationär behandelt werden mussten. Aber auch Personen mit einem milden Verlauf sind gefährdet.

Kardiologe Thomas Nordt, ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten am Klinikum Stuttgart, hält die US-Studie für gut gemacht. Diese beruhe auf einem großen Datenpool und lasse sich „eins zu eins auf Deutschland übertragen“, erklärt er gegenüber Welt.

Kardiologe äußert sich: Menschen mit und ohne Vorerkrankung haben höheres Risiko für Herzinfarkt

Professor Nordt zufolge sind vor allem Menschen von dem erhöhten Risiko eines Herzinfarktes betroffen, die in ihrem Leben bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder langjährige Diabetiker und Bluthochdruckpatienten sind. Doch das Schlimme an Covid-19 sei ihm zufolge, „dass es auch bei bislang unbelasteten Menschen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht“, so der Kardiologe in einem Interview mit Welt. Bei dem einen erhöhe sich also das geringere Risiko auf „mehr“ und bei dem anderen das ohnehin erhöhte Risiko auf „noch mehr“.

Thomas Nordt nach sei durch die Studie noch einmal bestätigt worden, dass auch ursprünglich gesunde Menschen infolge der Infektion an Herz und Kreislauf erkranken können. „Das ist besorgniserregend, und wir wissen nicht, woher es kommt“, äußert der Kardiologe gegenüber Welt. Ebenfalls besorgniserregend erscheinen die Neuigkeiten eines österreichischen Biologen: Er warnt vor dem nächsten Virus-Problem – bevor die Corona-Pandemie auch nur ansatzweise ein Ende gefunden hat.

Die Illustration eines menschlichen Herzinfarktes.
Eine Corona-Infektion erhöht das Risiko eines Herzinfarktes enorm. (Symbolbild) © Science Photo Library/Imago

Aus Angst vor Corona: Menschen mit Herzproblemen kommen seltener ins Krankenhaus

Zu dem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen kommt laut Professor Nordt erschwerend hinzu, dass Menschen in Deutschland mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall weniger ins Krankenhaus kommen als vor Corona – aus Angst vor einer Infektion. Auf diese Weise bleiben mehr Infarkte undiagnostiziert. „Man geht davon aus, dass rund ein Drittel der Infarkte stumm verläuft“, erklärt der Professor Welt.

Oft sei es dann so, dass sich der Patient, wenn man ihn konkret darauf anspreche, an eine Zeit erinnere, in der er einen Druck auf der Brust spürte und kurzatmig war – aber nicht zum Arzt ging, weil die Symptome von alleine weggegangen seien. Das stellt laut Nordt aber ein großes Problem dar, weil auch stumme Herzinfarkte gefährlich seien. Ein spät entdeckter Herzinfarkt ließe sich auch schwer behandeln, so der Herzexperte.

Gefahr eines Herzinfarktes: Patienten sollten nach Corona-Infektion näher beobachtet werden

Das Herzzentrum Leipzig kann ebenfalls bestätigen, dass sich in Kliniken während der Coronawellen nachweisbar starke Rückgänge bei stationären Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen verzeichnen ließen. Das sei eine mögliche, fatale Entwicklung. Denn ein ohnehin geschwächtes Herz kann sich schwerer gegen eine Covid-Infektion stemmen und sich davon erholen.

Auch Professor Doktor Holger Thiele vom Herzzentrum mahnt deswegen gegenüber helios-gesundheit.de: „Durch eine Infektion mit dem Coronavirus erhöht sich besonders bei Herzkranken das Risiko für einen Herzinfarkt und für schwere Verläufe.“ Ihm zufolge sollten Menschen, die über Herzprobleme klagen, unabhängig von der pandemischen Situation stets einen Arzt aufsuchen. Auch die Autoren der US-Studie raten, das Herz-Kreislauf-System von Patienten mit überstandener Covid-19-Infektion engmaschiger zu beobachten als sonst. Im Krankenhaus scheint sich die Corona-Lage aber langsam zu ändern: Neue Daten zeigen, dass sich das Verhältnis von Personen, die mit oder wegen Corona im Krankenhaus sind, dreht.

Grund für erhöhtes Risiko eines Herzinfarktes bleibt unklar

Warum genau ein Atemwegsvirus einen solchen massiven Einfluss auf das Herz und den Kreislauf haben kann, lassen die Autoren der Studie laut Professor Nordt offen. „Das ist bislang nicht abschließend geklärt und wird auch schwierig zu klären sein“, statuiert der Kardiologe gegenüber Welt.

Fakt ist aber, dass die Corona-Inzidenz in Deutschland wieder steigt. Am Dienstag, 29. März 2022, lag die 7-Tage-Inzidenz mit 1703,3 höher als noch am Vortag. Bis Ostern sieht die Corona-Prognose auch weiterhin bitter aus – wobei drei Zahlentrends Hoffnung machen. Trotzdem sollen in Bayern am 2. April alle Regeln auslaufen – Söder verkündete sogar zähneknirschend den „Corona-Freedom-Day“. * Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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