1. Startseite
  2. Deutschland

Fall Ayleen (14): Mutmaßlicher Mörder belästigte im Frühjahr bereits ein Mädchen - und wurde angezeigt

Erstellt:

Von: Martina Lippl

Kommentare

Die Ermittlungsbehörden informieren während einer Pressekonferenz zum Tod einer 14-Jährigen aus Gottenheim bei Freiburg.
Die Ermittlungsbehörden informieren während einer Pressekonferenz zum Tod einer 14-Jährigen aus Gottenheim bei Freiburg. © Philipp von Ditfurth/dpa

Der Tod von Ayleen erschüttert. Der mutmaßliche Mörder ist den Behörden schon lange bekannt. Offenbar klagte er sich von der Überwachung durch die Polizei frei.

Update vom 4. August, 10.55 Uhr: Der im Zusammenhang mit dem Tod einer südbadischen Schülerin festgenommene 29 Jahre alte Mann aus Hessen soll im Frühjahr eine Schülerin belästigt haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen sagte, dass seit Dienstag eine Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der versuchten Nötigung vorliege. Zuvor hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet.

Der Mann soll Ende April versucht haben, ein 17 Jahre altes Mädchen unter anderem durch Textnachrichten zu einer Beziehung zu nötigen. Anfang Mai sei Strafanzeige gegen den 29-Jährigen bei der Polizei in Friedberg erstattet worden. Zu den verschiedenen Maßnahmen nach dieser Anzeige habe auch eine Gefährderansprache gehört.

Zum Zeitpunkt des Vorfalls stand der Mann, ein vorbestrafter Sexualstraftäter, nicht mehr unter Führungsaufsicht. Nach Angaben des Landeskriminalamts war diese Anfang des Jahres gerichtlich beendet worden.

Damit wurde der Mann auch aus dem Programm der Zentralstelle zur Überwachung Rückfallgefährdeter Sexualstraftäter (ZÜRS) ausgestuft. Ziel der Konzeption ist es, die Bevölkerung vor bereits verurteilten, rückfallgefährdeten Sexualstraftätern zu schützen, wenn diese aus der Haft oder dem Maßregelvollzug entlassen werden.

Fall Ayleen (14): Mutmaßlicher Mörder klagte gegen Polizeiüberwachung – und bekam kurz vor Tat Recht

Update vom 3. August, 10.07 Uhr: Der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Ayleen war bereits polizeibekannt. Trotzdem konnte die Tat nicht verhindert werden. Neue Erkenntnisse bringen noch mehr Brisanz den Fall. Der 29 Jahre alte Deutsche war bereits als Jugendlicher im Jahr 2007 wegen eines versuchten Sexualdelikts für zehn Jahre in eine Psychiatrie eingewiesen worden. 2017 endete die Unterbringung.

Wie Focus online nun aus hessischen Justizkreisen erfahren haben will, sei der 29-Jährige nach seiner Entlassung von der Polizei engmaschig überwacht worden. Die Überwachung muss wohl auf drei Jahre angelegt worden sein und hätte laut Focus-Informationen 2020 enden sollen. Allerdings wurde nach Ablauf der drei Jahre vom zuständigen Amtsgericht in Wetzlar entschieden, dass die enge polizeiliche Überwachung unbefristet weiterlaufen soll. Offenbar muss es in der Zeit davor zu Verstößen oder Auffälligkeiten gekommen sein, die für eine Verlängerung der Überwachung sprachen. Die Polizei ging also noch von einer Gefährdung aus.

Doch dagegen klagte der mutmaßliche Mörder im Fall Ayleen und hatte damit Erfolg. Wie Focus online berichtet, sei die Überwachung auf gerichtliche Anordnung Anfang 2022 eingestellt worden. Die Einstellung soll gegen den Willen der Polizei gewesen sein. Im Sommer desselben Jahres kam es dann zum Mord an der 14-Jährigen.

Das wissen wir über den mutmaßlichen Mörder von Ayleen (14)

Erstmeldung vom 2. August 2022:

Freiburg – Im Mordfall Ayleen sind zunächst noch viele Fragen offen, wie Todesursache, möglicher Tatort und Motiv. Doch ein Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft, wegen Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht. Der 29 Jahre alte Deutsche bestritt zunächst die Tat und schweigt. Der mutmaßliche Täter ist kein Unbekannter. Schon als Jugendlicher, im Alter von 14 Jahren, soll er ein elfjähriges Mädchen von hinten angegriffen haben.

Zehn Tage suchte die Polizei nach der vermissten 14-jährigen Schülerin aus Gottenheim (Baden-Württemberg). Dann wird ihre Leiche an einem See in Hessen entdeckt. Am selben Tag nehmen die Ermittler den 29-Jährigen fest. Der mutmaßliche Täter ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter.

Mordfall Ayleen – Wurde der Tatverdächtige unzureichend überwacht?

„Es handelt sich um einen 29-jährigen deutschen Staatsangehörigen, der als Jugendlicher im Jahr 2007 wegen eines versuchten Sexualdelikts in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurde. Die Unterbringung dauerte 10 Jahre und wurde 2017 beendet“, sagte Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Leiter der Staatsanwaltschaft Freiburg, vor Journalisten am Montag. Weitere Informationen zum Täter, seinem Job und das familiäre Umfeld ließen die Ermittler offen.

Nach Angaben der Behörden wurde der Tatverdächtige nach seiner Entlassung 2017 unter Führungsaufsicht gestellt. Nahm am Integrationsprogramm für Sexualtäter teil, das deren Rückfallrisiko senken soll. Das Programm lief für den Mann im Januar 2022 aus.

Offenbar schaute sich der Mann nach einem neuen Opfer um, wie die Berichte des Freiburger Kriminaldirektors Arno Englen nahelegen. Er und das Mädchen kannten sich aus wochenlangen Chats in den sozialen Netzwerken und über das Online-Spiel Fortnite. Unmengen an Daten und Chatprotokolle müssen noch ausgewertet werden. Doch die Internetdaten der 14-Jährigen führten zum Tatverdächtigen.

Durch Handyortungen haben die Ermittler herausgefunden, dass der Tatverdächtige sich in der Nacht auf Freitag (22. Juli) längere Zeit am Teufelsee im Wetteraukreis (Hessen) aufgehalten habe. Daraufhin wurde das Gebiet des Sees am 29. Juli mit Polizeihubschraubern abgesucht. Auf dem See trieb ein Leichnam.

Der Leichnam der 14-Jährigen trieb wohl tagelang im Wasser. Das erschwert die Arbeit der Rechtsmediziner. Eine erste Obduktion brachte keine Ergebnisse. Die Todesursache ist zunächst noch offen. Bisher fehlt eine Spur zum möglichen Tatort. Die Ermittler stehen noch vor vielen Fragen.

Kripo-Chef: „Ayleen war ein schüchternes Mädchen“

Arno Englen, Leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums Freiburg, spricht während einer Pressekonferenz.
„Ayleen war ein schüchternes Mädchen“, so der Freiburger Kriminaldirektor Arno Englen (links) auf der Pressekonferenz. © Philipp von Ditfurth/dpa

„Ayleen war ein schüchternes Mädchen, das sich sehr um ihren kleinen Bruder kümmerte“, sagte Kriminaldirektor Arno Englen auf der Pressekonferenz am Montag. Er wies darauf hin, dass sich die 14-Jährige ganz normal wie viele Jugendliche auch in den sozialen Netzwerken bewegte.

Der Fall der jungen Ayleen bringt das Thema Cyberkriminalität auf den Tisch. Bayerns Digitalministerin Gerlach erklärt, worauf geachtet werden muss.

Große Trauer um 14-jährige Schülerin aus Gottenheim

Trauer in Gottenheim um die 14-jährige Schülerin: Blumen, Kerzen und Botschaften liegen vor dem Rathaus.
Trauer in Gottenheim um die 14-jährige Schülerin: Blumen, Kerzen und Botschaften liegen vor dem Rathaus. © Philipp von Ditfurth/dpa

Die Trauer in der Weinbaugemeinde Gottenheim (Baden-Württemberg) ist groß. „Es ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt in solch einem Falle eintreten kann. Ganz Gottenheim steht unter Schock“, sagte Bürgermeister Christian Riesterer, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. (ml)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion