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Deutsche fordern Fortsetzung: Twitter-Bitte zu 9-Euro-Ticket geht viral – „Zug ist sonst zu teuer“

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Von: Patrick Mayer

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Das 9-Euro-Ticket sorgt in Deutschland auch für völlig überfüllte Bahnhöfe, wie hier in Hamburg.
Das 9-Euro-Ticket sorgt in Deutschland auch für völlig überfüllte Bahnhöfe, wie hier in Hamburg. © IMAGO / imagebroker

Viele Deutsche befürworten eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets im ÖPNV. Ein kreativer Tweet pro 9-Euro-Ticket wird bei Twitter massenhaft geteilt. 

München/Berlin - Auch wenn manche Bahn-Linien wegen des 9-Euro-Tickets völlig überfüllt sind, zum Beispiel zwischen dem Allgäu und München. Und auch wenn teils regelrechte Menschenmassen zu den Naherholungsgebieten strömten. Also noch mehr als ohnehin üblich. Viele Deutsche würden das 9-Euro-Ticket trotzdem gerne behalten, weil das Reisen so einfach viel günstiger ist.

9-Euro-Ticket im ÖPNV: Mehrheit der Deutschen will eine Verlängerung in Bus und Bahn

Eine Civey-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Spiegel ergab bereits Anfang August, dass 55 Prozent der Befragten das Angebot gerne über den 31. August hinaus nutzen würden. Dann endet die Maßnahme der Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP, um auch damit den steigenden Energie- und Benzinpreisen in Deutschland in Folge von Russland-Ukraine-Krieg und Inflation entgegenzuwirken. 34 Prozent waren in der Umfrage gegen eine Fortsetzung, elf Prozent der Befragten hatten keine Meinung dazu.

Im Video: 9-Euro-Ticket-Nachfolger – Christian Lindner (FDP) sieht keine Finanzmittel

Die Umfrage zeigte auch: Vor allem Anhänger von Grünen (mehr als zwei Drittel), Linken und SPD waren mehrheitlich für eine Fortsetzung der Rabattaktion. Weitere Statistiken beweisen indes, wie gut das 9-Euro-Ticket angenommen wird. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatten im Juni mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland das 9-Euro-Ticket besessen.

9-Euro-Ticket in Deutschland: Großer Zuspruch – aber Christian Lindner (FDP) stellt sich quer

Die „bundesweiten Bewegungen im Schienenverkehr“ lagen im selben Monat laut dem Statistischen Bundesamt zudem durchschnittlich 42 Prozent höher als im Juni 2019. Aber: Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) erteilte einer Fortsetzung oder einem möglichen Nachfolgemodell wiederholt eine Absage.

„Es stehen in der Finanzplanung für eine Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets keinerlei Mittel zur Verfügung“, sagte Lindner der Augsburger Allgemeinen: „Jeder Euro müsste durch Kürzung anderswo mobilisiert werden.“ Er sei von einer „Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen“ ohnehin nicht überzeugt. „Die Menschen auf dem Land, die keinen Bahnhof in der Nähe haben und auf das Auto angewiesen sind, würden den günstigen Nahverkehr subventionieren“, meinte der 43-jährige FDP-Politiker: „Das halte ich für nicht fair.“

Es stehen in der Finanzplanung für eine Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets keinerlei Mittel zur Verfügung.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) über das 9-Euro-Ticket

9-Euro-Ticket in Deutschland: 2,5 Milliarden Euro kostet die ÖPNV-Maßnahme

Laut Handelsblatt belaufen sich die Kosten für die Maßnahme bis Ende August auf rund 2,5 Milliarden Euro. Dennoch wird kräftig Werbung für ein Anschlussmodell gemacht. Das ARD-Hauptstadtstudio hatte von einem Vorschlag der Grünen berichtet. Die Partei von Außenministerin Annalena Baerbock und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck schlug demnach ein regionales Ticket für 29 Euro und ein bundesweites Ticket für 49 Euro vor – ausschließlich in Regionalbahnen nutzbar. Auch einzelne Bundesländer wie Bayern forderten ein Anschlussmodell, unter anderem, um das Ticket-Wirrwarr über die Landesgrenzen hinweg zu entzerren.

Und die Bürger? Bei Social Media, insbesondere bei Twitter, mehren sich die Forderungen merklich, das 9-Euro-Ticket möge doch bitte fortgesetzt werden. Unterlegt mit einem gleichlautenden Hashtag #9Euroticketbleibt. Ein Tweet ging regelrecht viral. Stand Freitagnachmittag, 19. August, 15.25 Uhr, hatte das Posting 3345 Retweets und 28.576 „Gefällt mir“-Angaben.

Geschildert wird eine angebliche Konversation zwischen einer Mutter und ihrem Sohn, wie sie ihn bittet, Einfluss auf Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zu nehmen, er solle doch bitte nochmal über eine Verlängerung nachdenken. Dabei liegt das gar nicht in der Entscheidungsgewalt des 52-jährigen Pfälzers.

9-Euro-Ticket in Deutschland: #9Euroticketbleibt – Hashtag bei Twitter beliebt

„Wenn du dem Wissing was schreibst, liest der das?“, fragt die Mutter. Die Antwort lautet: „Vielleicht.“ Ausführlich beschreibt die angebliche (oder erdachte) Mutter: „Kannst du ihm schreiben, wir sind traurig, weil das 9-Euro-Ticket aufhört? Kannst du ihm schreiben, wir waren in Koblenz, Darmstadt, Trier, Bad Kreuznach, Königstein, Karlsruhe, Limburg, Heidelberg, Mannheim, Freiburg, Würzburg, Nürnberg und Bamberg? Und ganz oft in Mainz und Wiesbaden.“

Die Mutter führt weiter aus, dass vor Ort auch kräftig in die lokale Gastronomie und den Einzelhandel investiert wurde: „Wir haben immer gegessen und getrunken und geshoppt. Wir wollten gerne mehr sehen. Aber mit Auto kann der Papa nicht. Und Zug ist sonst zu teuer.“ Die Mutter bittet nochmal energisch: „Kannst du ihm das sagen? Vielleicht kann er nochmal überlegen.“ Ein gut gemeinter Versuch für Protest? Oder letztlich vergebliche Mühe? Der Twitter-Gemeinde gefällt’s – und über das 9-Euro-Ticket wird weiter emsig diskutiert. (pm)

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