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Corona: „Hybride Immunität“ – Forscher erklärt, warum das Zusammenspiel mit der Impfung entscheidend ist

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Von: Franziska Schwarz

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Corona-Variante Omikron
Eine Impfung gegen und Genesung von Corona (Symbolbild) bilden einen speziellen Schutz gegen den Erreger. © Everett Collection/Imago

Besonders in der vierten Welle stecken sich auch viele geimpfte Menschen mit Corona an. Ein Molekularbiologe erklärt, was in ihrem Körper dann passiert.

Köln - Die Corona-Ansteckungszahlen in Deutschland haben ein Hoch erreicht Auch viele geimpfte Menschen erwischt es in der vierten Welle. Lauterbach sieht ohne Corona-Impfpflicht einen „traurigen Herbst“.

Aber was genau passiert im Körper von Menschen, die sowohl eine Impfung als auch eine Infektion hatten? „Hybride Immunisierung“ wird dieser Fall genannt, salopp gesagt: „gemischter Schutz“ gegen den Erreger. Emanuel Wyler hat das Prinzip im Gespräch mit dem Deutschlandfunk (Köln) erläutert. Der Molekularbiologe forscht am Max-Delbrück Centrum in Berlin auch zu Corona.

Dabei wies Wyler darauf hin, dass das menschliche Immunsystem nicht überall im Körper gleich sei. So gebe es zum Beispiel eine „lokale Immunität“ in Hals und Nase. Durch eine Impfdosis, die in den Oberarm gespritzt wird, werde die nicht aktiviert, so Wyler im Deutschlandfunk-Interview - aber: „Es war eigentlich sogar überraschend letztes Jahr, als man gesehen hat, dass diese mRNA-Impfstoffe auch die lokale Immunität in der Nase und im Hals anregen können.“ Zu den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 zählen etwa die Mittel von Biontech oder Moderna.

„Hybride Immunität“ gegen Corona nur im Zusammenspiel mit Impfung möglich

Dann ging Wyler auf das Szenario ein, dass sich wohl keiner wünscht: trotz Pieks zu denen zu gehören, die die Corona-Infektionszahlen hochtreiben. Laut ihm werde die Lokalimmunität durch diesen Fall jedoch „sehr gut angeregt“, weil die damit einhergehende Ansteckung in der Nase (das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet sich über die Atemwege) das dortige lokale Immunsystem „vorbereitet“.

„Das heißt, ich kann so diese Immunität auf den Schleimhäuten erzeugen, die mich dann vor Ansteckung schützen könnte, habe aber gleichzeitig durch den Impfstoff gesichert, dass ich zu einem bestimmten Prozentsatz vor einer schweren Erkrankung geschützt werde?“, fragte Deutschlandfunk-Journalistin Kathrin Kühn nach.

„Genau“, lautete Wylers Antwort. Jeder Geimpfte entwickele ein „Immungedächtnis“, das drei bis vier Tage nach einer Corona-Infektion reaktiviert werde und wieder Antikörper herstelle. Schwere Krankheitsverläufe oder langfristige Folgen wie „Long Covid“ könnten so vermieden werden.

Wyler schränkte allerdings ein, dass sich das Immungedächtnis über Monate und Jahre hinweg verringert. „Ganz theoretisch“ wäre es daher am besten, sich etwa sechs Monate nach der letzten Impfung anzustecken, da es zu diesem Zeitpunkt noch „sehr stark“ sei.

Geimpft und genesen: Immunologe Carsten Watzl zur „hybriden Immunität“

Auch der Immunologe Carsten Watzl sprach schon im Januar zu den Medien von „hybrider Immunität“. Sein Anlass war damals die Verkürzung des Genesenen-Status. Watzl war nicht der Ansicht, dass sich die Situation durch Corona-Mutation Omikron entscheidend verändert hatte, und man daher Genesene und Geimpfte gleichstellen sollte.

Als Plädoyer gegen eine Impfung wollte Watzl seine Aussagen nicht verstanden wissen: Nach einer Infektion sei es sehr ratsam, sich dennoch impfen zu lassen. Die hybride Immunität sei „der beste Schutz, den die Wissenschaft aktuell kennt“, sagte der Immunologe damals der Nachrichtenagentur dpa. (frs mit Material der dpa)

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