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Als hätte es Corona nicht gegeben: So heftig wurde in Ihrer Region Silvester gefeiert

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Von: Marie Ries, Philipp David Pries, Nils Tillmann

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Ein Liniendiagramm zeigt die durchschnittliche Feinstaubbelastung in Deutschland vom Neujahrstag 2017 bis 2023. Eine Rakete symbolisiert Feuerwerk, das für den Feinstaub an Silvester maßgeblich verantwortlich ist.
Feinstaub an Silvester: Unser Diagramm zeigt Durchschnittswerte seit dem Neujahrstag 2016. Die Messwerte von 2023 sind niedriger, weil vielfach starker Wind den Feinstaub schneller und weiter verbreitetet hat als üblich. © Litzka / Imago / PantherMedia (Montage)

Feuerwerk wie vor der Corona-Pandemie: Erstmals durfte 2022/2023 wieder geböllert werden. Wir zeigen, wie groß die Partylaune in Ihrer Region war. Und analysieren Spitzenreiter und Ausreißer.

Kaum ist das zweijährige Verkaufsverbot von Raketen und Böllern Geschichte, feiern die Deutschen bereits wieder wie vorher. Das zeigt eine Auswertung neuer Datensätze des Umweltbundesamtes. Zwar waren 2023 die absoluten Werte an gemessenem Feinstaub im Schnitt deutlich geringer – dies lässt sich aber laut Umweltbundesamt auch durch das Wetter erklären. Kräftiger Wind trug die Partikel gerade im Norden deutlich schneller davon.

Wo sind nun an Silvester am meisten Raketen und Böller gezündet worden? Suchen Sie in der folgenden Tabelle nach allen deutschen Messstationen für Feinstaub. Dieser entsteht neben dem Verkehr vor allem dann, wenn Feuerwerk explodiert. Je mehr Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft am Neujahrstag, desto mehr ist üblicherweise durch Feuerwerk entstanden. An normalen Tagen liegen die Werte meist nur bei einem Bruchteil.

So viel Feinstaub entstand an Silvester durch Feuerwerk

Während in diesem Jahr der Wind teilweise die Werte niedriger erschienen ließ, gab es 2019/2020 ein mit Blick auf die Folgen gegenteiliges Phänomen: Der sogenannte Nebel des Grauens sorgte dafür, dass Feinstaub untypisch lange in Bodennähe blieb und dort über viele Stunden gemessen wurde. Dieses Muster zeigt sich bei vielen Werten dieses Vor-Corona-Jahres wie dem Spitzenreiter Gelsenkirchen. Am Ende zeigen aber alle Werte wie auch die obere Tabelle verlässlich, wie stark das Feiern mit Feuerwerk in der Nähe einer Messstation die Gesundheit der Menschen gefährdet hat.

2022 gingen bereits wieder so viele Böller über die Ladentheke wie vor Corona

Silvester-Raketen und Böller sind nicht nur durch den entstandenen Lärm und Verletzungen beim Hantieren grundsätzlich gesundheitsschädlich. Am wenigsten sichtbar, aber insgesamt am schädlichsten ist das Einatmen des entstandenen Feinstaubs. Dieser ist krebserregend und kann laut Umweltbundesamt Schadstoffe wie giftige Schwermetalle bis in die letzten Verästelungen der Lungen tragen. Feinstaub ist ab dem ersten Mikrogramm gefährlich. Als Grenzwert ist in der EU definiert, dass er bei einer Station nicht öfter als 35 Mal im Jahr höher als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen darf.

Auch an den Verkaufszahlen von Feuerwerk zeigt sich, dass die Deutschen wieder wie vor Corona feiern wollten. 2022 sind fast genau so viel Raketen und Böller gekauft worden wie 2019. Das zeigen neue vorläufige Zahlen des Verbands der Pyrotechnischen Industrie: 122 Millionen Euro Umsatz. In den Corona-Jahren hingegen waren es nur jeweils rund 20 Millionen Euro. Und diese kamen ausschließlich durch Exporte ins Ausland oder im Haus verwendete Knallerbsen, Tischfeuerwerk, Wunderkerzen und ähnliches ohne nennenswerten Feinstaub-Effekt zustande. Nur im langfristigen Trend sinken die Verkaufszahlen langsam, aber stetig.

Feuerwehr meldet starken Anstieg der Einsätze im Vergleich zum Vorjahr

Neben der Feinstaubbelastung ist auch die Zahl der Brände in diesem Jahr wieder nach oben geschossen. Das zeigen die Einsatzzahlen von Feuerwehren vieler deutscher Städte. In München kam es im Vergleich zum vergangenen Jahreswechsel so fast zur vierfachen Menge an Einsätzen. Doch auch im Vergleich zur Zeit vor Corona ist die Anzahl an Bränden teils angestiegen. Neben München meldet etwa die Feuerwehr auch in Berlin und Nürnberg höhere Einsatzzahlen als noch in der Silvesternacht von 2019. In Mainz, wo dieses Jahr die durchschnittlich höchste Feinstaubdichte gemessen wurde, musste die Feuerwehr sogar 25 statt 14 Mal ausrücken.

Transparenz: Unsere Daten, Quellen und Methoden

Die Daten zur Feinstaubbelastung basieren auf Werten des Umweltbundesamtes (UBA). Sämtliche Werte sind in Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben. Grundlage sind alle 359 aktuellen deutschen Messtationen. Zusätzliche Einordnungen durch einen Austausch mit dem UBA. Weitergehend haben wir die UBA-Daten verdichtet und analysiert. Die Wetterinformationen stammen von Wetteronline. Die Angaben zu Einsätzen von Feuerwehren und Polizei stammen von den örtlichen Webseiten und telefonischen Recherchen. Die Angaben des Verbands der Pyrotechnischen Industrie (VPI) basieren auf Website-Angaben sowie einem Telefonat.

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