1. Startseite
  2. Deutschland

Klima-Kleber gehen neue Wege: „Letzte Generation“ sägt Christbaum ab - Polizei sah offenbar zu

Erstellt:

Kommentare

Aktivsten Weihnachtsbaum Brandenburger Tor banner transparent protest berlin
„Es ist nur die Spitze des Weihnachtsbaums“ steht auf dem Transparent der Aktivisten der „Letzten Generation“. Sie stehen am Mittwoch vor dem Tannenbaum auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor auf einem Hubwagen. © picture alliance/dpa | Paul Zinken

Die Klimaaktivisten der Gruppe Letzte Generation sorgen erneut mit einem friedlichen Protest für Schlagzeilen: Sie sägten dem Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor die Spitze ab.

Update vom 21. Dezember 2022, 14.39 Uhr: Zu Verwirrung kommt es im Fall des abgesägten Weihnachtsbaumes in Berlin, da die Polizei die Aktion offenbar nicht direkt unterbunden hat. Nach Angaben der Bild waren die Ordnungshüter eigentlich ohnehin vor Ort. Die Aktion der Klimaaktivisten wurde aber offenbar erst nach dem Absägen des Baumes gestoppt. Erst dann schritten Beamte ein und holten die Aktivisten von der Hebebühne, die zuvor an den Christbaum herangefahren wurde.

Die Polizei Berlin erklärte dahingehend gegenüber dem Blatt, dass die Aktion innerhalb von wenigen Minuten abgelaufen und die Aktivisten dann festgenommen worden seien. Zudem sagte eine Sprecherin, dass man in der Weihnachtszeit nicht „jede mit einer Hebebühne an einem Weihnachtsbaum unter Generalverdacht gestellt wird.“ Die Aktivisten hätten erst, nachdem sie oben angekommen waren, ihre orangenen Westen angezogen und das Transparent enthüllt.

Klima-Kleber gehen neue Wege: „Letzte Generation“ sägt Christbaum ab

Erstmeldung vom 21. Dezember 2022: Berlin - Klima-Aktivisten der Gruppe Letzte Generation haben in Berlin die Spitze des Weihnachtsbaums vor dem Brandenburger Tor abgesägt. Auf einer Hebebühne rollten zwei Personen am Pariser Platz in Berlin-Mitte ein Transparent mit der Aufschrift „Das ist nur die Spitze des Weihnachtsbaums“ aus, wie eine Polizeisprecherin sagte. Dann seien sie bei der Protestaktion am Mittwochmorgen mit der Hebebühne zum Wipfel der 15 Meter hohen Nordmanntanne gefahren.

Mit einer Handsäge trennten sie dort die Spitze ab, wie auch die Klimaaktivisten der Gruppe Letzte Generation selbst mitteilten. „Wir sehen in Deutschland bisher nur die Spitze der darunter liegenden Katastrophe“, sagte eine Aktivistin zu der Protestaktion. Die Polizei war eigenen Angaben nach vor Ort im Einsatz. Es liefen nun Maßnahmen, sagte die Polizeisprecherin, ohne nähere Details zu nennen.

Letzte Generation: Das will die Protestgruppe erreichen

Die Protestgruppe Letzte Generation sieht sich eigenen Angaben zufolge als „die erste Generation, die den beginnenden Klimakollaps spürt und die letzte Generation, die noch etwas dagegen tun kann“. Sie macht deshalb mit teils umstrittenen Protestaktionen auf ein nötiges Handeln der Politik aufmerksam. Bekanntheit erlangten die Aktivisten insbesondere durch Blockaden in verschiedenen Städten, bei denen sie sich mit ihren Hand- oder Fußflächen auf Straßen klebten und so den Verkehr blockierten. In einem Fall wurde dadurch ein Krankenwagen behindert. Die Forderungen der Gruppe beinhalten ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen, ein dauerhaftes Neun-Euro-Ticket und einen Schuldenerlass für den globalen Süden.

In Bayern sitzen zahlreiche Aktivisten in Präventivhaft, die einen Gewahrsam von 30 Tagen vorsieht, ohne, dass ein Verbrechen begangen wurde - der Verdacht reicht. Kritik zu diesem Vorgehen kam unter anderem von den Grünen und der SPD. Juristisch gibt es auch andere Auslegungen zu den Protestaktionen. Michael Hassemer, Verfassungsrichter am Verfassungsgerichtshof in Koblenz, hält die Protestaktionen womöglich für gerechtfertigt, da der Klimawandel als „Notstand“ gesehen werden könne.

Wissenschaft warnt seit Jahrzehnten vor Klimawandel, doch politische Maßnahmen nicht ausreichend

„Wir müssen schnell handeln. Ich glaube, was wir in den nächsten drei bis vier Jahren tun, wird über die Zukunft der Menschheit entscheiden“, zitieren die Aktivisten den ehemaligen wissenschaftlichen Chefberater der britischen Regierung im Bereich Klima, Sir David King, auf ihrer Homepage. Seit über 40 Jahren sind die Ursachen und Gefahren des Klimawandels bekannt. Doch die Maßnahmen, um das Fortschreiten der Erderwärmung aufzuhalten, sind noch immer nicht ausreichend, wie etwa die 27. Klimakonferenz COP27 im November 2022 deutlich machte.

Nach Bekanntwerden der Ergebnisse der Konferenz zeigten sich Wissenschaftler und Experten ernüchtert. „Wir werden die 1,5 Grad-Marke auf jeden Fall reißen“, lautete etwa das Resümee des Wissenschaftlers Mojib Latif, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Derzeit steuere die Erde eher auf eine Erwärmung um 2,5 Grad oder sogar drei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu, so der Forscher weiter. Die Konsequenzen: Klimaextreme wie Dürren, Waldbrände oder Überschwemmungen, Migrationsströme und Hungersnöte.

Brief der Letzten Generation an die Bundesregierung: „Dann wird es zu spät sein“

Schon im 19. Jahrhundert war bekannt, dass eine höhere CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre die Temperatur steigen lässt. Messungen des Chemikers Charles David Keeling bewiesen im Jahr 1960, dass die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre kontinuierlich kletterte. Bereits bei der ersten Weltklimakonferenz im Jahr 1979 riefen Experten die Regierungen weltweit dazu auf, menschengemachte Klimaveränderungen zu verhindern. Doch die Forderungen klingen auch heute noch ähnlich:

„Wir sind uns bewusst, dass Sie zurzeit eine Krise nach der anderen bewältigen müssen. Wir haben hohen Respekt vor Ihren Anstrengungen“, schrieb die Gruppe Letzte Generation im Herbst in einem Brief an die Bundesregierung und warnte: „Wenn Sie jedoch entschlossene Maßnahmen gegen den Klimakollaps im Alltagsgeschäft für lediglich zwei bis drei weitere Jahre hintenan stellen, dann wird es zu spät sein.“ (bme/dpa)

Auch interessant

Kommentare