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Nach dem Corona-Schock kommen neue Härten auf Studierende zu

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Jürgen Allemeyer
Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg, spricht. © Markus Scholz/dpa/Archivbild

Kaum Jobs, dafür Vereinsamung und Existenzängste: Waren schon die ersten beiden Corona-Jahre für Hamburgs Studierende sehr schwierig, drohen nun neue Härten. Diesmal geht es um explodierende Energiekosten, die Studierende mit wenig Geld besonders treffen.

Hamburg - Nach der starken Belastung durch die Corona-Pandemie kommen auf Hamburgs Studierende nun angesichts von Energiekrise und Inflation neue Härten zu. Wegen steigender Mieten in den Studierendenwohnheimen, höheren Preisen in den Mensen und Sorgen um die vom Studierendenwerk betriebenen Kitas fordert der Chef des Studierendenwerks, Jürgen Allemeyer, deutliche Erhöhungen der Hilfen durch den Bund und die Stadt Hamburg. Hinzu kommt: Wegen eines möglichen Gasnotstands und der Pflicht zum Energiesparen, aber auch wegen einer möglichen weiteren Corona-Welle ist nicht sicher, ob die rund 100 000 Studierenden in Hamburg während des gesamten, am 1. Oktober beginnenden Wintersemesters in Präsenz unterrichtet werden können.

Allemeyer appellierte eindringlich an die Studierenden, Energie zu sparen. Bislang seien die Mieten für die rund 4400 Wohnheimplätze in den 26 Anlagen des Studierendenwerks nur um 10 bis 15 Euro gestiegen. Das könne aber deutlich mehr werden und auch die Abstände der Mieterhöhungen könnten kürzer werden, warnte Allemeyer. Auf der anderen Seite sicherte er jedoch zu, dass die Studierenden nicht mit Nachzahlungen rechnen müssten. Das liege an den Pauschalmieten, welche die Energiekosten mit beinhalteten. Der Nachteil: „Unser Prinzip, dass jeder Einzelne nicht unmittelbar sieht, was er verursacht hat, kann dazu verleiten, dass man da vielleicht nicht achtsam genug ist.“

Der Studierendenwerk-Chef bestätigte, dass die 13 Mensen, 17 Cafés und fünf Café-Shops in den Hochschulen weitgehend geöffnet bleiben sollen und es auch bei einem Gasnotstand warmes Essen gebe. Die Studierenden müssten aber mit höheren Preisen rechnen. Die Küchen seien zwar bereits mit energiesparenden Geräten ausgestattet und die Speisepläne würden auch auf Basis leicht verfügbarer und möglichst günstiger Lebensmittel gemacht. Dennoch ließen sich höhere Preise bei den massiven Kostensteigerungen um 30 bis 40 Prozent bei Lebensmitteln nicht vermeiden. Allemeyer geht bereits jetzt von einem Defizit in Höhe von rund drei Millionen Euro im kommenden Jahr aus.

Allemeyer sieht aber nicht nur die Studierenden, sondern vor allem den Staat in der Pflicht. Die Zusage der Stadt Hamburg, die finanzielle Förderung für das Studierendenwerk auszubauen, soll dazu beitragen, übermäßige Preissteigerungen zu vermeiden. Auch die Beiträge der Stadt für die Kitas müssten deutlich steigen, um die Kostensteigerungen aufzufangen, sagte Allemeyer.

Und auch die Studierenden selbst müssten mehr unterstützt werden. Die bisherigen Bafög-Erhöhungen reichten ebenso wenig wie die Wohnpauschale. „Es ist sehr wichtig, dass die Studenten mehr Geld zur Verfügung haben, um mit dieser Lebenssituation nicht nur in der Mensa, sondern auch im alltäglichen Leben zurechtzukommen.“ Schon in den ersten beiden Jahren der Pandemie waren zahlreiche Studierende in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil klassische Studentenjobs aufgrund der Corona-Einschränkungen weggebrochen waren.

Bislang unklar ist, wie das in rund sieben Wochen beginnende Wintersemester an den Hochschulen ablaufen wird. Die Universität - mit gut 43.000 Studierenden die größte Hochschule - teilte auf Anfrage mit: „Die Universität Hamburg arbeitet derzeit intensiv an verschiedenen Szenarien zur Planung des Wintersemesters unter den Rahmenbedingungen der Energieversorgung.“ Ziel sei es, den Betrieb in Lehre, Forschung und Verwaltung für alle Mitglieder der Universität bestmöglich fortführen zu können.

Bei der Technischen Universität mit ihren knapp 8000 Studierenden hieß es mit Blick auf die bereits erfolgten und noch geplanten Energieeinsparungen: „Aktuell gehen wir davon aus, dass die gesetzlich und vertraglich zu erfüllenden Leistungen in Forschung, Lehre und Verwaltung aufrecht zu erhalten sind.“ dpa

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