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Weniger Kriminalität: Lockdown 2021 erschwerte Straftaten

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Polizei
Ein Schild mit der Aufschrift "Polizei" hängt an einem Polizeipräsidium. © Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

Zu Hause bleiben, kaum Großveranstaltungen, kein Einkaufsgetümmel: Der Lockdown im vergangenen Jahr hat Dieben, Einbrechern und anderen Kriminellen das Leben schwer gemacht. In Hamburg lebt es sich laut Polizeistatistik so sicher wie vor 45 Jahren.

Hamburg - Die strengen Corona-Maßnahmen im vergangenen Jahr haben in Hamburg erneut zu einem Rückgang der Kriminalität geführt. Die Zahl der registrierten Straftaten sank um acht Prozent auf 186 403, wie aus der neuen polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Das sei der niedrigste Stand seit 1979, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Donnerstag. Im Jahr 2020 hatte die Polizei noch mehr als 203.000 Straftaten erfasst. Die Aufklärungsquote blieb mit 47,6 Prozent nahezu unverändert, 2020 hatte sie 47,7 betragen. Das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, ist den Angaben zufolge so gering wie seit 1976 nicht mehr.

„Das vergangene Jahr war erneut stark geprägt durch die Corona-Pandemie“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD). Der Rückgang sei aber auch der hoch engagierten Arbeit der Polizei zu verdanken. Der harte Lockdown bis Ende Mai mit Schließung der Gastronomie, Ausgangssperren, Alkohol- und Beherbergungsverbot sowie Homeoffice habe die Tatgelegenheiten reduziert, erklärte Meyer. Die Kriminalität habe sich teilweise ins Internet verlagert.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 36 Prozent auf 2204 Fälle zurück und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren. Deutliche Rückgänge wurden auch bei Diebstählen, Betrügereien und der Gewaltkriminalität insgesamt festgestellt. Die Zahl der schweren und gefährlichen Körperverletzungen nahm dagegen um 1,3 Prozent zu.

Die Zahl der Tötungsdelikte stieg um 33 auf 76 Fälle, davon 18 Mord- und 58 Totschlagsdelikte. Das ist der höchste Stand seit mindestens zehn Jahren. Allerdings wurden nur neun Taten vollendet, genauso viele wie im Jahr davor. Eine Erklärung für die Zunahme hat die Polizei noch nicht. Der Leiter des Landeskriminalamts, Mirko Streiber, sprach von einer Wellenbewegung, die sich in der Langzeitbetrachtung zeige. Die Aufklärungsquote habe im vergangenen Jahr etwas über 100 Prozent gelegen, weil die Cold Case Unit im LKA zwei Morde aus den Jahren 1993 und 1999 aufgeklärt habe.

Eine deutliche Zunahme verzeichnete die Polizei bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Zahl stieg um 31 Prozent auf 2565 Fälle. Hauptursache sei die Verbreitung verbotener Pornografie, deren Fallzahl sich fast verdreifacht habe, und zwar auf 1227. Hintergrund seien Verfahren, die durch eine amerikanische Nichtregierungsorganisation in Gang gekommen seien. Die Organisation melde Verdachtsfälle aus dem Internet an das Bundeskriminalamt, das die Verfahren an die Länderbehörden abgebe. Die Länder seien geradezu überflutet worden, sagte Streiber. Der LKA-Chef erwartet eine weitere Zunahme der Fälle, weil Betreiber von sozialen Netzwerken seit diesem Monat strafbare Inhalte dem BKA mitteilen müssen.

Die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und schweren Übergriffe ging von 300 auf 202 bekannt gewordene Taten zurück. Die Polizei registrierte auch 14 Prozent weniger sexuelle Belästigungen. Ursache sei unter anderem das Abstandhalten in der Pandemie, sagte Streiber.

Eine deutliche Zunahme um 22 Prozent gab es beim Warenbetrug. Die Täter richteten sogenannte Fakeshops im Internet ein. Sie kassierten das Geld, ohne die angeblich günstigen Waren auszuliefern. Polizeipräsident Meyer warnte vor unrealistischen Angeboten: „Ein Angebot, das zu schön ist, um wahr zu sein, ist oft auch nicht wahr.“

Eine hohe Dunkelziffer vermutete Meyer bei den Callcenter-Straftaten. Es würden nur Delikte erfasst, bei denen Täter in Deutschland aktiv werden. Vor allem ältere Leute bekommen sogenannte Schockanrufe von Enkeltrick-Betrügern oder falschen Polizeibeamten. Meist scheiterten die Taten, doch die Schadenssumme durch den Enkeltrick belief sich im vergangenen Jahr auf 1,4 Millionen Euro. Falsche Polizisten ergaunerten weitere 1,2 Millionen Euro.

In einigen Bereichen gab es aufgrund der Corona-Maßnahmen spezifische Delikte. Die Polizei erfasste 281 Fälle von gefälschten Impfausweisen oder Testbescheinigungen, nach 14 im Vorjahr. Seit Ende November ist bereits die Vorlage einer falschen Bescheinigung strafbar. Laut einer Sonderauswertung wurden bis Jahresende 832 Taten dieser Art bekannt. Die Polizei richtete für diesen Bereich eine achtköpfige Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Merkur“ ein.

Eine Zunahme der Partnerschaftsgewalt konnte die Polizei nicht feststellen. 5058 Menschen - zu fast 80 Prozent Frauen - wurden Opfer von Straftaten in Beziehungen, nach 5397 im Vorjahr. Diese Angabe sei aber nur begrenzt aussagekräftig, weil sie stark von der Anzeigebereitschaft abhängig sei, sagte Streiber. dpa

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