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Mysteriöse Hepatitis bei Kindern – RKI meldet ersten Fall in Deutschland

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Von: Martina Lippl

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Ein Hepatitis-Patient wird im Krankenhaus behandelt.
Eine Ansteckung mit Hepatitis kann schwere Folgen haben. Im Vereinigten Königreich tritt die Krankheit bei Kindern nun vermehrt auf. (Symbolbild) © dpa/Angelika Warmuth

Ungewöhnliche Hepatitis-Infektionen bei Kindern beschäftigen Gesundheitsbehörden. Großbritannien und andere Länder in Europa melden bereits mehrere Fälle.

Berlin – Schwere Lebererkrankungen bei Kindern stellen Mediziner bislang vor ein Rätsel. Hepatitis-Fälle sind bei Kindern unter zehn Jahren in verschiedenen Ländern der EU und USA aufgetreten. Zuerst meldete Großbritannien Anfang April Fälle von einer schweren Leberentzündung bis hin zum Leberversagen. Inzwischen wurden dort mehr als 114 Hepatitis-Erkrankungen ohne eine klare Ursache identifiziert.

„In allen Ländern mit gemeldeten Fällen laufen Ermittlungen“, teilte die europäische Gesundheitsbehörde ECDC im April mit. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO informierte. Denn, die typischen Erreger von Hepatitis A, B, C, D und E wurden bei den Betroffen nicht nachgewiesen. Zudem sei kein Zusammenhang mit einer Corona-Impfung gefunden worden, betonten die Behörden. Die mysteriösen Hepatitis-Fälle sorgten für Schlagzeilen.

Mysteriöse Hepatitis-Erkrankung bei Kindern: RKI meldet ersten Fall bei Kind in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet nun von einem ersten Hepatitis-Fall in Deutschland. Er entspreche der Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Erkrankungsbeginn lag demnach bereits im Januar 2022, heißt es in einem RKI-Bericht vom Dienstagabend. Nähere Angaben zu dem Hepatitis-Fall machte das Berliner Institut nicht.

In Fachgesellschaften und Kinderkliniken lägen keine weiteren Hinweise auf Fälle oder Häufungen „von unklarer (non A-E-)Hepatitis bei Kindern“ in Deutschland vor. Ärztinnen und Ärzte werden um erhöhte Aufmerksamkeit „bei unklaren Fällen von akuter Hepatitis oder Leberversagen bei Kindern unter 16 Jahren“ und das Melden von Verdachtsfällen gebeten. Fälle, die folgenden Kriterien entsprechen, sollten laut RKI an das Gesundheitsamt gemeldet werden:

Unklare Hepatitis bei Kindern – Kriterien laut RKI

Hepatitis bei Kindern: Ursache noch weiter unklar – es gibt aber einen Verdacht

Da die klassischen Hepatitis-Viren ausscheiden, ist die Frage nach dem Auslöser der schweren Lebererkrankungen bei den Kindern weiter offen. Adenoviren stehen jedoch nach den britischen Gesundheitsexperten im Verdacht, sie gelten als die „wahrscheinlichste Ursache“. Adenoviren sind häufig und führen in der Regel zu einer leichten Erkrankung mit erkältungsähnlichen Symptomen, Erbrechen und Durchfall oder einer Bindehautentzündung, führt das RKI in seinem Bericht aus.

„Adenoviren verursachen zwar in der Regel keine Hepatitis, doch handelt es sich um eine bekannte seltene Komplikation, die meist bei immungeschwächten Personen auftritt“, so das RKI. Bei den aktuellen Fällen in Großbritannien könnte eine neue Variante zirkulieren, die bei Kindern eine schwere Hepatitis verursacht. Die Isolation der Kinder während der Pandemie habe möglicherweise das Immunsystem geschwächt, so eine These von britischen Gesundheitsexperten. Die Jüngsten seien kaum in Kontakt mit Viren gekommen, so eine Erklärung. Außerdem werde laut WHO einer Hypothese nachgegangen, dass Zweifachinfektionen mit Adenoviren und dem Coronavirus eine Rolle spielen. Dazu laufen derzeit weitere Untersuchungen – auch toxikologische.

Schwere Leberentzündungen bei Kindern – Lage laut RKI noch schwer einzuschätzen

Die ungewöhnlich hohe Fallzahl aus Großbritannien und anderen Ländern der EU ist, laut RKI, bisher schwer einzuordnen. Einzelne Länder berichteten zwar über ungewöhnlich viele betroffene Kinder, doch dabei könnte auch die erhöhte Aufmerksamkeit eine Rolle spielen. Die Falldefinition sei noch zu unspezifisch. Einige Verdachtsfälle könnten im nachhinein nicht Teil des Ausbruchs sein.

Insgesamt seien noch ein paar Wochen Geduld notwendig, bis Ergebnisse verschiedener Untersuchungen vorliegen, teilte das Vorstandsmitglied der Deutschen Leberstiftung, Christoph Sarrazin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Wenn man mehr Klarheit habe, könne dies eventuell auch zu Empfehlungen führen. (ml)

 

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