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Hessische Linke sieht kein Verschulden bei Wissler

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Wissler will Linke alleine weiterführen
Die Bundesvorsitzende der Linkspartei Janine Wissler spricht. © Henning Kaiser/dpa

Die hessische Linke sieht die Sexismus-Vorwürfe als „Weckruf“. Die Partei verspricht Aufklärung und Prävention gegen eine Wiederholung der Vorfälle. Besonders im Fokus steht die aus den hessischen Reihen stammende Bundesvorsitzende Wissler.

Frankfurt/Main - Die hessische Linke sieht angesichts der Sexismus-Vorwürfe kein Verschulden bei der Bundesvorsitzenden und früheren hessischen Landtagsfraktionsvorsitzenden Janine Wissler. Das sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Erhardt am Donnerstag in Frankfurt. Co-Landeschefin Petra Heimer ergänzte, es könnten bislang keine konkreten Zahlen zu Opfern oder Beschuldigten genannt werden.

Von den drei Beschuldigten sei ein Mitarbeiter der Landtagsfraktion beurlaubt worden, ebenso der persönliche Mitarbeiter einer Abgeordneten, berichtete Heimer. Die stellvertretende Landesvorsitzende Marjana Schott ist unterdessen nach Angaben Erhardts am Mittwoch von ihrem Amt zurückgetreten.

Nach Angaben des Landesvorstands soll nun eine „Kultur des Hinschauens“ entwickelt werden. Die Vorfälle hätten die Partei schwer erschüttert, sagte Co-Landeschef Jan Schalauske. Es sei ein gravierender Missstand, dass es bisher keine Strukturen gebe, an die sich Betroffene wenden könnten. Diskutiert werde nun auch, ob für Funktionäre antisexistische Schulungen verpflichtend werden sollten.

Die Vorwürfe seien dem Vorstand Ende November 2021 bekannt geworden, hieß es. Daraufhin sei Kontakt mit einer Beratungsstelle aufgenommen worden und seien den Betroffenen Gesprächsangebote gemacht worden, die aber größtenteils nicht angenommen worden seien. Im März sei ein Verhaltenskodex beschlossen worden, der noch weiter ausgearbeitet werden solle, um eine Wiederholung künftiger Vorfälle zu verhindern. Das Thema toxischer Männlichkeit und Rollenverhalten solle in den Mittelpunkt von Fortbildungen gestellt werden.

Erste Schritte seien am Mittwochabend schon im Vorstand erörtert worden, hieß es. Dem Landesvorstand sei „schmerzlich bewusst“ geworden, dass es bislang keine entsprechenden Strukturen gab, an die sich Betroffen von Übergriffen wenden konnten, so Schalauske. „Das hat der Aufarbeitung geschadet.“ Bei den bisherigen Bemühungen um Aufklärung und Aufarbeitung sei man an Grenzen gestoßen. „Wir haben die Notwendigkeit nicht gesehen“, sagte Heimer zum Fehlen von Strukturen und Vertrauensleuten, an die sich von Sexismus Betroffene wenden könnten.

Am vergangenen Freitag waren über einen Bericht das Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mutmaßliche Fälle sexualisierter Gewalt in der hessischen Linkspartei öffentlich geworden. Es gebe verschiedene Dokumente mit Hinweisen auf „mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur“, schrieb das Nachrichtenmagazin nach Gesprächen mit zehn Frauen und Männern. Wissler hatte sich daraufhin entschieden dagegen gewandt, dass „mir unterstellt wird, ich hätte irgendjemanden geschützt“.

Am Mittwoch erklärte die Co-Bundeschefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt. Den begründete sie vor allem mit privaten Gründen, als weitere Gründe nannte sie eine nötige Erneuerung der Partei. Sie erwähnte zudem den Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen. Dieser habe eklatante Defizite der Partei offen gelegt. Wissler will die Partei nun vorerst alleine weiterführen. dpa

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