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Suche auch am Starnberger See: Eltern setzen nach mutmaßlichem Mord an Sohn Belohnung aus

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Daniel Matysik © Red

Die Familie des mutmaßlich im Kreis Gießen getöteten Daniel Matysik wendet sich mit einem verzweifelten Aufruf an die Öffentlichkeit. Seit sechs Jahren ist die Leiche unauffindbar.

Hungen - Sechs Jahre nach dem mutmaßlichen Mord an Daniel Matysik auf einer Hofreite bei Hungen (Kreis Gießen) ist die Leiche bis heute nicht gefunden worden. Nun wenden sich seine Eltern mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Für Hinweise zur Auffindung der körperlichen Überreste setzen sie eine Geldsumme aus. Ihr Wunsch ist, eine letzte Ruhestätte für ihren Sohn zu finden - und selbst trauern und Abschied nehmen zu können.

Sechs Jahre liegt das letzte Lebenszeichen zurück. Ungewissheit plagte die Familie zunächst, sie ist Ruhelosigkeit und Verzweiflung gewichen. Heute, nach sechs Jahren, wünschen sich die Eltern des mutmaßlich ermordeten Daniel Matysik vor allem eines: ihren Sohn beerdigen. Seinen körperlichen Überresten eine letzte Ruhestätte geben. Trauern, sich verabschieden, selbst zumindest einen Hauch von Ruhe finden. Nun wenden sie sich mit einem verzweifelten Aufruf an die Öffentlichkeit, wie giessener-allgemeine.de berichtet.

Hinweissuche nach Mord bei Hungen (Kreis Gießen): „Geld spielt keine Rolle mehr“

»Ich setze eine Belohnung von 50.000 Euro für denjenigen aus, der uns den entscheidenden Hinweis zur Auffindung der Leiche meines Sohnes liefert«, sagt Helmut Matysek.

Seit August vergangenen Jahres müssen sich zwei Männer wegen Mordes am Gießener Landgericht verantworten. Sie sollen den damals 39 Jahre alten Daniel Matysik auf einer Hofreite bei Hungen erschossen haben. Die Leiche wurde allerdings bis heute nicht gefunden. Beide Angeklagten schieben sich gegenseitig die Schuld zu. In dem Aufruf sieht nun der Vater Matysiks eine letzte Möglichkeit, um die sterblichen Überreste zu finden.

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Eine Fahndung nach Leichenteilen mit Unterwasserdrohne und Roboter erweist sich im Februar dieses Jahres auch im Sachsensee als erfolglos. © Constantin Hoppe

»Geld spielt für uns keine Rolle mehr«, sagt der 86 Jahre alte Helmut Matysik, der als Nebenkläger in dem laufenden Verfahren den mutmaßlichen Tätern im Gerichtssaal an jedem Verhandlungstag gegenüber sitzt. »Wir wollen nur unseren Sohn endlich beerdigen. Wir brauchen einen Ort für unsere Trauer.«

Hungen/Gießen: Ermittlungsmöglichkeiten in Prozess um Mord ohne Leiche beinahe „erschöpft“

Die beiden Angeklagten Olaf C. und Robert S. bestreiten nicht den Mord am 17. November 2016 auf der Hofreite bei Hungen. Sie beschuldigen sich aber gegenseitig der Tat. Unstrittig ist auch, dass Robert S., ein Softwareberater, die Leiche zerteilt und ausgeweidet hat. Anschließend hat er die Weichteile im Wald verscharrt und die restlichen menschlichen Überreste in Eimer einbetoniert und irgendwo entsorgt. Das hat er eingeräumt.

Zudem behauptet dieser Angeklagte, dass er die Eimer mit den Leichenteilen im Starnberger See versenkt hätte. Die daraufhin eingeleitete große Suchaktion in dem bayerischen Gewässer blieb erfolglos. Auf Antrag des Nebenklägers wurde später der Sachsensee ebenfalls von der Polizei abgesucht, da dieser in unmittelbarer Nähe zum Tatort liegt. Auch diese Suche brachte unterdessen keine neuen Erkenntnisse.

»Ohne weitere, konkrete Hinweise sind die Ermittlungsmöglichkeiten der Justiz erschöpft«, erläuterte Rechtsanwalt Alexander Hauer in einem Gespräch mit der Zeitung.

Das wissen auch die Eheleute Matysik. Die Eltern knüpfen eine Auszahlung des Betrags indes an gewisse Bedingungen: Die Angeklagten und deren Angehörige - bis zum vierten Grad - sind nicht berechtigt, eine Belohnung zu erhalten. Ebenso ausgeschlossen sind Beamte, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört. Ferner können nur Privatpersonen die Belohnung erhalten. Der Rechtsweg ist zudem ausgeschlossen.

Privater Zeugenaufruf nach Mord in Hungen (Kreis Gießen): „Als Misstrauensantrag zu werten“

Diese Bedingungen sind dem 86-jährigen Vater äußerst wichtig, schließlich möchte er nicht, dass mögliche Tatbeteiligte sich noch an seinem Unglück bereichern.

»Dieser Aufruf ist nicht als Misstrauensantrag an die Justiz zu werten«, erklärt Rechtsanwalt Hauer den Schritt der Eltern. »Vielmehr ist es die letzte Hoffnung des Ehepaars, ihrem Sohn ein christliches Begräbnis zu ermöglichen.«

Bisher hat Helmut Matysik jeden Prozesstag mitverfolgt, um in die Gesichter der beiden Personen zu blicken, die den Tod seines Sohnes auf dem Gewissen haben. Ihm geht es auch um die Wahrheit, was in den letzten Stunden des Lebens seines Sohnes geschehen ist. Die Tatmotive sind - wie so vieles in diesem Prozess - noch nicht eindeutig geklärt. (Barbara Czernek)

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