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Verbale Sexismus-Attacke von OB Feldmann: Flugbegleiterin "hormonell außer Gefecht gesetzt"

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Von: Julia Lorenz

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OB Feldmann mit Bordmikro bei seiner Ansprache im Flugzeug.
OB Feldmann mit Bordmikro bei seiner Ansprache im Flugzeug. © Screenshot/Radio Frankfurt

Die Junge Union Frankfurt startet Online-Petition zum Rücktritt von Peter Feldmann (SPD). Ein Video im Netz sorgt für einen weiteren Skandal.

Frankfurt – "Sexistische Kackscheiße": Mit diesen Worten kommentiert Ursula auf der Heide, die frühere Fraktionsvize der Grünen im Römer, ein Video, das am Wochenende in den sozialen Medien auftauchte und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in einem Flugzeug auf dem Hinflug zum Europapokalfinale nach Sevilla zeigt. Über das Bordmikro teilt er den 200 Eintracht-Fans im Flieger mit, das Bodenpersonal und die Flugbegleiterinnen hätten ihn "hormonell außer Gefecht gesetzt", wie fnp.de berichtet.

"Es ist unerträglich", kommentiert eine weitere Facebook-Nutzerin die Aussage. "Wie lange müssen wir Frankfurter uns weiter fremdschämen und ohnmächtig zusehen, wie ein machtgeiler Narzisst sich respektlos dem Amt und unserer Stadt gegenüber verhält?"

Auf Anfrage dieser Zeitung sagt der OB, dass ihm seine Aussage "unendlich leid tut. Das ist ein blöder Spruch gewesen, den ich noch vor Ort zurückgenommen habe. Das war nicht in Ordnung, ohne Wenn und Aber. Und ich verspreche, es wird nie wieder vorkommen."

Frankfurt: OB Feldmann immer mehr unter Druck

Derweil erhöhen CDU und Junge Union (JU) den Druck auf den Oberbürgermeister, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Korruption Ende März Anklage erhoben hat. Während der CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker in einer Pressemitteilung von Samstag schreibt: "Genug abgewartet, es ist Zeit für die Abwahl.", hat der JU-Kreisvorsitzende Leopold Born eine Online-Petition (https://tinyurl.com/yc3svf2u) gestartet, die den Rücktritt Feldmanns fordert.

"Der Oberbürgermeister kann die Situation nicht länger aussitzen. Sein Verhalten ist eines Oberbürgermeisters unwürdig", begründet dies Born. Seiner Ansicht nach hätte auf die Anklage der Staatsanwaltschaft umgehend der Rücktritt folgen müssen. Der "unserer Stadt unwürdige, selbstverliebte Auftritt bei der Rückkehr unserer Eintracht-Helden und das Krallen des Pokals" hätte jetzt gezeigt: "Es ist Zeit, endlich echte Konsequenzen zu ziehen", so Born. Die Petition hatte am Sonntagabend bereits 2500 Unterstützer gefunden.

OB Feldmann sorgt schon bei Feierlichkeiten von Eintracht Frankfurt für Peinlichkeiten

Feldmann hatte beim Empfang der Frankfurter Europapokalsieger zunächst für eine Peinlichkeit gesorgt, als er Eintracht-Kapitän Sebastian Rode und Trainer Oliver Glasner den Pokal aus der Hand nahm und damit in Richtung des Kaisersaals lief. Das hatte auch Rode überrascht. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte er: "Ich habe es nicht ganz verstanden. Es ist toll, dass er uns eingeladen hat, aber es wäre vielleicht besser gewesen, wenn er sich etwas zurückgenommen hätte."

Feldmann bat später in den sozialen Medien um Entschuldigung ("Dickes Sorry"). Er sei in diesem Moment "mehr Eintracht-Fan als Oberbürgermeister gewesen". In seiner Rede vor den geladenen Gästen im Römer zeigte er dann aber wenig Fachwissen, als er die Namen mehrerer Spieler falsch aussprach.

Nur das Stadtoberhaupt durfte auf den Balkon

Für Ärger und Irritationen sorgte bei der Feier zudem eine Anweisung Feldmanns, wonach nur er als Vertreter der Stadt den Balkon des Rathauses betreten dürfe. Das war ein Affront gegenüber Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner (beide Grüne) und Sportdezernent Mike Josef (SPD). "Es wurde auch versucht, mir die Begrüßung der Spieler zu untersagen", bestätigte Arslaner die Anweisung aus dem OB-Büro in den sozialen Netzwerken.

Darüber hinaus gab es offenbar bei der Umsetzung der Direktive aus dem OB-Büro massive Probleme. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks durften weder der Sportliche Leiter der Eintracht, Markus Krösche, noch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Philipp Holzer, auf den Römer-Balkon. Im Gespräch mit dem HR räumte der Leiter des für die Organisation der Feier zuständigen Hauptamts, Tarkan Akman, ein: "Uns ist zu Ohren gekommen, dass das Sicherheitspersonal einigen Personen den Zutritt verweigert hat, mit denen wir gerne auf dem Balkon gefeiert hätten."

Für die CDU in Frankfurt ist das Maß nun endgültig voll. "Von Woche zu Woche wird Peter Feldmann zum immer größeren Ballast für unsere Stadt", teilt Uwe Becker mit. Die Römer-Koalition dürfe sich der von der CDU geforderten Abwahl des OB nicht mehr verweigern. Grüne, SPD, FDP und Volt hatten bisher eine Abwahl abgelehnt - auch weil die formalen Hürden dafür sehr hoch sind. Alle vier Parteien fordern jedoch Feldmann wegen der gegen ihn erhobenen Anklage im AWO-Skandal zum Rücktritt auf, zumindest falls die Anklage zugelassen werden sollte. Der OB selbst weilt derzeit übrigens beim Weltwirtschaftsforum in Davos. (Julia Lorenz Und Georg Leppert)

Kommentar: Für Sexismus gibt es keine Entschuldigung

Ein Kollege schreibt am Wochenende auf Twitter: "Was mich ja ernsthaft interessieren würde: Wie stellt Peter Feldmann sich seinen Alltag als OB vor, sobald die Anklage zugelassen ist? Morgens auf die Anklagebank, nachmittags ein Interview im Römer und abends zum großen Empfang in die Paulskirche?". Meine Antwort: "Ja, exakt so stellt sich das @OBPeterFeldmann vor."

Glaubte man noch am Donnerstagabend, dass die Peinlichkeiten beim Empfang der Eintracht im Römer nicht mehr getoppt werden können, wissen wir seit Samstag: Doch, es geht. Seitdem geht nämlich ein neun Sekunden langes Video viral, das den OB im Flieger nach Sevilla zeigt. Bei einer kurzen Rede spricht er von Flugbegleiterinnen, die ihn "hormonell am Anfang erstmal außer Gefecht gesetzt haben". Das ist, um es ganz deutlich beim Namen zu nennen, sexistisch, chauvinistisch - und eine unerhörte Unverschämtheit. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung.

Was muss noch alles passieren, damit die Römerkoalition aus SPD, Grünen, FDP und Volt endlich einen Abwahlantrag stellt? Denn von selbst wird er nicht zurücktreten. Des Oberbürgermeisters Selbstsicht unterscheidet sich von der Fremdsicht, die mittlerweile viele Frankfurter auf ihn haben. In der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung hat die Koalition die Chance vertan - ein Abwahlantrag, den die CDU eingebracht hatte, wurde abgelehnt. Doch das war vor der Woche voller Peinlichkeiten und vor allen vor dem Sexismus-Anfall.

Die Koalition muss den Oberbürgermeister stoppen - vielleicht auch, um ihn vor sich selbst zu schützen. Und die Opposition sollte mitziehen. Ein einstimmiges Votum an die Stadtverordnetenversammlung und vor allem an Peter Feldmann zu senden, wäre ein klares Zeichen, dass seine Zeiten als Sonnenkönig vorbei sind. Denn auch wenn er direkt gewählt worden ist, ist er nicht der parlamentarischen Kontrolle und Beurteilung entzogen. Einen OB-Alltag nach Zulassung der Anklage, wie eingangs beschrieben, will keiner erleben. (Von Simone Wagenhaus)

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