Flutkatastrophe: Ermittlungen nach zwölf Toten in Pflegeheim - jetzt kommen bittere Details ans Licht

Durch die Hochwasserkatastrophe im Juli kamen in einem Pflegeheim zwölf Menschen ums Leben. Polizeiermittlungen sollen nun klären, wer dafür die Verantwortung trägt.
Sinzig/Kreis Ahrweiler - Die Flutkatastrophen, die im Juli mehrere Bundesländer schwer getroffen haben, forderten über 180 Tote. Darunter waren auch zwölf Bewohner eines Pflegeheims für Behinderte in Sinzig im Kreis Ahrweiler/Rheinland-Pfalz. Das Lebenshilfe-Haus (LHH), das 34 Wohnplätze hat, befindet sich in einem tiefer gelegenen Viertel der Stadt, die an der Mündung der Ahr in den Rhein liegt.
Die zwölf Opfer befanden sich im Erdgeschoss des Haupthauses der Einrichtung, als am 15. Juli um 2:40 Uhr in der Früh die Wassermassen kamen und ihnen keine Chance auf Rettung ließen. Nun stellt sich die Frage: Hätten die Opfer gerettet werden können? Das sollen polizeiliche Ermittlungen klären, die derzeit noch laufen.
Nach Informationen von Focus Online fanden die Ermittler heraus, dass in der Katastrophennacht nur eine Nachtwache im Heim Dienst hatte. Dabei gab es bereits vor Beginn der Starkregenfälle Hochwasserwarnungen.
Ermittlungen nach zwölf Toten in Pflegeheim in Sinzig: Feuerwehrmann will Heimmitarbeiter gewarnt haben
Zudem gibt es widersprüchliche Aussagen von Feuerwehr und einem Heimarbeiter für die Stunden vor dem Unglück. Im Mittelpunkt steht dabei die Zeit zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr am 14. Juli. Ein Feuerwehrmann aus Sinzig schilderte einen Monat später den Beamten, dass er zu jener Zeit am Portal des Heims geklingelt und ein locker gekleideter Mann mit Baseballkappe geöffnet habe. Diesen will der Zeuge vor einer Flutwelle gewarnt haben. Zwar wisse man nicht genau, wie hoch das Wasser noch steigen werde, aber besser sei es, die Leute aus dem Erdgeschoss in den ersten Stock zu verlegen.
Doch der LHH-Betreuer soll sich geweigert haben, die unteren Gebäudeteile zu räumen, da dies die Heiminsassen beunruhigen würde. Zweifelnd soll er nachgefragt haben, ob das Wasser denn wirklich so hoch steigen könne. Der Feuerwehrmann will geantwortet haben, dass man es nicht wisse, es aber besser sei, den unteren Trakt zu räumen.
Ermittlungen nach zwölf Toten in Pflegeheim in Sinzig: Heimarbeiter will keine Warnung erhalten haben
Der Heimmitarbeiter dagegen erinnert sich ganz anders an das nächtliche Gespräch. Zwei sei die Feuerwehr zur angegebenen Zeit bei ihm gewesen, doch wurde ihm nur berichtet, dass die Ahr über die Ufer treten könnte. Da das Heim oberhalb der Ahrwiesen rund 200 Meter vom Fluss entfernt liegt, sah der Mitarbeiter offenbar keinen Grund zur Panik.
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Zudem soll ihn die Feuerwehr nicht gemahnt haben, die Heiminsassen zu evakuieren. Im Gegenteil, er selber soll dieses Thema angesprochen haben. Die Feuerwehr sei sich jedoch unsicher gewesen und habe empfohlen, damit noch zu warten.
Ermittlungen nach zwölf Toten in Pflegeheim in Sinzig: Es steht Aussage gegen Aussage
Der Betreuer habe daraufhin eigenen Angaben zufolge mehrfach die Lage kontrolliert, ohne Hochwasser zu bemerken. Nachts um halb drei informierte ihn nach eigenen Angaben die Feuerwehr, dass nun die Flut im Kommen ist. Darauf hat er in einem Nebengebäude noch einige Menschen ins Obergeschoss gerettet. Für zwölf Bewohner im Erdgeschoss des Haupthauses habe er aber keine Hilfe mehr leisten können, die Wassermassen waren schneller.
Somit steht die Aussage der Feuerwehr gegen die Aussage des Heimmitarbeiters. Der Heimbetreiber wollte sich Focus Online gegenüber zum dem Sachverhalt nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte dem Onlinemagazin, dass die Frage der hinreichenden Warnungen Gegenstand der Ermittlungen sei. Es stehe aber noch nicht fest, wann mit einer abschließenden Bewertung zu rechnen sei.