Nicht zum ersten Mal uneins

„Sollte keine Approbation haben“: Corona-Experte geht Lauterbach nach Impf-Tweet heftig an

  • VonAnna Lorenz
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Karl Lauterbach steht des Öfteren in der Kritik von Klaus Stöhr. Ein Tweet des Bundesgesundheitsministers zur Corona-Impfung sei in den Augen des Epidemiologen Grund zur Aberkennung des Arzttitels.

Berlin – „Mehr Bodenständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Strategie, langfristiges Denken und [...] auch eine bessere Vorbereitung“ – das alles ließe Karl Lauterbachs (SPD) Kommunikation vermissen. So lautet jedenfalls die Meinung von Klaus Stöhr, seines Zeichens Epidemiologe, der in dem Bild-TV-Format „Die richtigen Fragen“ abermals deutliche Kritik an dem Umgang des Bundesgesundheitsministers mit der Coronapandemie übte.

Corona: Stöhr warnt vor Lauterbach und dessen Coronapolitik – „Jemand, der nicht zu steuern ist“

Dass Stöhr an Lauterbach keinen Narren gefressen hat, ist per se nichts Neues. So brachte der Epidemiologe bereits in den vergangenen Pandemiejahren immer wieder sein Missfallen über die, in seinen Augen übertriebene Panikmache des Bundesgesundheitsministers zum Ausdruck. Stöhrs Ansicht nach ist das Coronavirus hierzulande mittlerweile endemisch, eine Infektion jedes Bürgers nur eine Frage der Zeit. Dass auch die Impfung daran nichts ändere, hätte daher deutlich kommuniziert werden müssen.

Die Politik habe die Bevölkerung unter anderem „nicht vorbereitet, dass die Impfung nicht jede Infektion verhindert und auch sogar Todesfälle nicht alle verhindern kann“, so die Kritik des Epidemiologen, der weiter auch die Durchführung der Impfungen anprangert. „Wenn man ein ganzes Land impft“, so Stöhr, müssten für Betroffene von Nebenwirkungen infrastrukturelle Kapazitäten zur Verfügung stehen, um das Fallaufkommen zu „absorbieren“. Dies habe Lauterbach, der für Bekanntmachungen und ähnliches häufig die Social-Media-Plattform Twitter nutzt, seiner Ansicht nach versäumt. Stattdessen verglich er den, online aktiven Minister mit dem englischem „loose canon“, sprich „jemande[m], der im Prinzip nicht so zu steuern ist“.

Wegen Tweet: „Sollte keine Approbation haben“ – Stöhr sähe Lauterbach wohl gerne ohne Arzttitel

Den Schaden, den Stöhr Lauterbach unterstellt, angerichtet zu haben, bezieht er hierbei insbesondere auf dessen Äußerungen hinsichtlich der Unbedenklichkeit der Impfung. Tatsächlich hatte der Minister die Impfung gegen das Coronavirus in einem Tweet vom 13. August 2021 als „nebenwirkungsfrei“ bezeichnet.

Dies sei keine misslungene Aufklärung, sondern es würde eine Unbedenklichkeit suggeriert, die de facto nicht bestünde. „Ein Arzt, der so etwas sagt, sollte keine Approbation haben. Punkt“, so das deutliche Fazit Stöhrs, der diese Ansicht auf Nachfrage hin auch bestätigte. Jede Impfung könne Nebenwirkungen hervorrufen.

Unter Einsatz des gesunden Menschenverstandes dürfte klar sein, dass Energydrinks höchstens metaphorische Flügel verleihen und Schönheitscremes bestenfalls optisch verjüngend wirken. Dass der Minister die, seinerzeit neue Impfung als nebenwirkungsfrei bezeichnete, kann jedoch wohl nicht in den Kanon jener Aussagen sortiert werden, die eindeutig relativiert betrachtet werden müssen. Insofern wird sich Lauterbach Stöhrs Kritik gefallen lassen müssen – seine Zulassung als Arzt wird er aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch behalten. (askl)

Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/Marijan Murat/dpa/imago

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