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Lauterbach spricht vor „Freedom Day“ von „kritischer Corona-Situation“ - Sorgenvoller Blick auf vier Szenarien

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach informiert über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach informiert über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. © ODD ANDERSEN/afp

Über die aktuelle Corona-Lage haben am Freitag Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler informiert. Deutschland befinde sich aktuell in einer „kritischen“ Situation.

Update vom 11. März, 10.20 Uhr: Auch RKI-Chef Lothar Wieler kommt bei der Pressekonferenz zu Wort. Wieler verdeutlicht, dass die Zahl infizierter Personen wieder stark ansteigt. Auch die Zahl der Patienten, die auf eine Behandlung in einer Klinik angewiesen sind, steige nach Angaben des RKI weiter. Ebenso die Zahl der Patienten, die Langzeitfolgen nach einer Corona-Erkrankung erleiden würden. Ein „erheblicher Teil der Erwachsenen“ sei von Long-Covid betroffen. Wie viele von ihnen längerfristig davon eingeschränkt werden würden, sei bislang noch unklar.

Update vom 11. März, 10.05 Uhr: „Es kann uns nicht zufriedenstellen. Wir sind in einer Situation, die ich als kritisch bezeichnen würde“, erklärt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach direkt zu Beginn der Pressekonferenz. Lauterbach erklärt dabei, dass die Inzidenz und auch die Infektionszahlen in Deutschland stark ansteigen. 200 bis 250 Menschen würden aktuell täglich an den Folgen einer Corona-Erkrankung sterben. Die Perspektive würde die Vermutung zulassen, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen in den nächsten Wochen noch einmal für steigende Todeszahlen sorgen könnten.

Die Stimmung in Deutschland spiegele demnach ein anderes Bild. Es herrsche eine Stimmung der Freiheit. Wie Bundesgesundheitsminister Lauterbach weiter erklärt, sei die Omikron-Variante auch für Ungeimpfte weiter gefährlich. „Wir werden im Herbst vor genau der gleichen Situation stehen wie jetzt“, so Lauterbach weiter. Wie der Bundesgesundheitsminister demnach erklärt, sei es für den kommenden Winter wichtig, die allgemeine Impfpflicht einzuführen. Eine Impfung schütze vor allem vor einem schweren Verlauf. Für den kommenden Winter müsste man sich auf gleich mehrere Szenarien einstellen. So könne Omikron auch in der Zukunft die dominante Variante sein, es sei jedoch auch möglich, dass die Omikron-Mutation gefährlicher werde. Auch eine mögliche Rückkehr der Delta-Variante müsse im Blick behalten werden. Das vierte Szenario seien laut Lauterbach Reinkombinationen.

Lockerungen, doch Zahlen schießen in die Höhe: Corona-PK mit Lauterbach und Wieler

Berlin – Die Infektionszahlen* schnellen in die Höhe. Ab dem 20. März will die Bundesregierung trotzdem fast alle Corona-Maßnahmen abschaffen. Passt das tatsächlich zusammen? Lockert Deutschland zu früh? Die fünfte Corona-Welle ebbt ab, hieß es noch vor einer Woche. Nun baut sich offenbar die sechste mit Omikron BA.2* auf. Täglich sterben rund 200 Menschen mit oder an Corona. Doch Sars-CoV-2 hat offenbar für viele seinen Schrecken verloren.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und RKI-Chef Wieler haben am Freitag (11. März) eine Pressekonferenz in Berlin angesetzt. Mit dabei ist auch Dr. Jördis Frommhold, Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm. Über die Pressekonferenz berichten wir ab 10 Uhr im Live-Ticker.

Neben der doch traditionellen Lauterbach-Wieler-Besetzung ist diesmal Dr. Jördis Frommhold dabei. Dr. Jördis Frommhold gilt in Deutschland als die Expertin für Long Covid. Die Chefärztin der Pneumologie hat früh erkannt, dass Corona-Erkrankte auch häufiger unter Langzeitfolgen leiden. Frommhold hat in ihrer Klinik die ersten Covid-Patienten behandelt, die als Genesene galten, aber doch unter Symptomen litten.

Post Covid und Long Covid: Was ist damit gemeint?

Zwischen „Post Covid“ und „Long Covid“ müsse unterschieden werden, erklärte die Medizinerin in einem NDR-Gespräch. Post Covid oder auch das sogenannte Post-Covid-Syndrom (PCS) trifft vor allem Covid-Patienten mit einem schweren Verlauf, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten.

Long Covid beschreibe Symptome, die bei häufig bei jüngeren Patienten vier Wochen oder zwei Monate später auch nach einer milden Infektion auftreten, erklärt Expertin Frommhold im NDR. Mehr Frauen als Männer seien betroffen. Die Beschwerden sind hier vielfältig.

Über 200 Symptome listete eine umfangreiche Analyse, erschienen im Fachmagazin The Lancet im August 2021, dazu auf. Dazu zählen Kopfschmerzen, extreme Müdigkeit (Fatigue), Wortfindungsstörungen, Konzentrationsstörungen oder Geruchs- und Geschmacksverlust, Atemnot und Muskelschwäche.

Patienten müssten zum Teil ihr Leben komplett umstellen. Die Patienten sind oft jung, man sähe ihnen die Krankheit nicht an. Besonders für junge leistungsfähige Long-Covid-Patienten hätten mit der Akzeptanz ihrer Erkrankung zu kämpfen, berichtet Dr. Jördis Frommhold im NDR-Gespräch.

Die Expertin für Long Covid: Dr. Jördis Frommhold im NDR.
Die Expertin für Long Covid: Dr. Jördis Frommhold im NDR. © Screenshot NDR

Wer ist von Langzeitfolgen von Covid-19 betroffen?

International laufen verschiedene Studien, um mögliche Langzeitfolgen nach einer Infektion mit dem Coronavirus oder einer Covid-19-Erkrankung besser zu verstehen, ist auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu lesen. Viele Fragen seien noch offen: Noch sei nicht abschätzbar, wie häufig Langzeitfolgen auftreten würden, wie gut sie therapierbar sind.

„Besonders über die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Kindern und Jugendlichen sei noch zu wenig bekannt“, so das RKI. Das Berliner Institut verweist dabei auf das Ergebnis einer vor kürzlich veröffentlichten Meta-Studie.

Das Uniklinikum Essen legte eine neue Studie zu langfristigen Folgen nach einer akuten Covid-Erkrankung vor. Zehn bis 15 Prozent aller Akut-Patienten erkanke an Long Covid, sagte der Chef der Neurologie, Christoph Kleinschnitz, MDR-Aktuell. 60 Prozent klagten über pathologische Müdigkeit, es zeigten sich auch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Verstimmungen. Organisch fehle den Patienten oft nichts. Long-Covid-Symptome hätten nach Angaben von Kleinschnitz meistens psychologische und psychosomatische Gründe. Die Studie basiert auf Daten von 500 Patienten, die in der Long-Covid-Ambulanz vorstellig wurden.

Bayerische Forscher arbeiten an einer ungewöhnlichen Methode, um Diagnose und Therapie für Long-Covid-Patienten zu verbessern: Das Erlanger Forschungsteam setzt dabei auf KI - Künstliche Intelligenz. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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