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Prozess gegen Bande: Erstmals Einlassungen von Angeklagten

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Justitia
Die Justitia ist an einer Scheibe zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Ermittler in Deutschland haben dank Hinweisen aus dem Ausland zu verschlüsselter Handy-Kommunikation viele Verdächtige aus der Drogenszene gefasst. Vier von ihnen stehen in Neubrandenburg vor Gericht. Der Prozess könnte lange dauern.

Neubrandenburg - Im Prozess wegen bandenmäßigen Drogenhandels am Landgericht Neubrandenburg haben drei der vier Angeklagten erstmals ihr Schweigen gebrochen. Am Freitag verlas einer der Männer eine vorbereitete Erklärung, zwei Angeklagte ließen über ihre Anwälte Erklärungen verlesen. Demnach kennen sich der 59-jährige Hauptangeklagte, der aus einem Dorf bei Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) kommt, und der mutmaßliche Fahrer des letzten Drogenschmuggler-Autos aus der Nähe von Röbel seit mehr als 20 Jahren.

Er habe aber nur Aufträge für Fahrten von einem anderen Bekannten aus Hamburg bekommen, ohne zu wissen, was transportiert wurde, erklärte der mutmaßliche Fahrer. Er arbeite als Fernfahrer und sei regelmäßig zwischen Holland, Hamburg, Italien und der Seenplatte unterwegs. Er habe sich „was dazu verdienen wollen“. Auch wenn in dem zur Verfügung gestellten Auto ein Beutel oder eine verschlossene Handtasche lagen, habe er vom Inhalt nichts gewusst.

Die vier Männer sollen 2020 Kokain und andere Drogen aus den Niederlanden besorgt und diese im Nordosten gehandelt haben. Laut Anklage geht es um elf Fälle mit etwa 7,7 Kilogramm Kokain, wovon 2 Kilo in einem präparierten Wagen beschlagnahmt wurden. Der Fall steht im Zusammenhang mit einer großen Datenabfangaktion, den sogenannten Encrochat-Daten. (Az.: 23 KLs 7/21).

Die Kryptierungs-Software Encrochat wurde von der organisierten Kriminalität zur Abwicklung illegaler Geschäfte genutzt. Der Dienst galt wegen seiner aufwendigen Verschlüsselung als nicht zu knacken. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es dennoch im vergangenen Jahr, Millionen geheimer Daten abzuschöpfen. Dies führte zu Verhaftungen in ganz Europa.

Der 59-jährige Hauptangeklagte in Neubrandenburg räumte ein, den Fahrer gekannt zu haben, dieser habe zeitweise für ihn gearbeitet. Den dritten Mann, einen mutmaßlichen Dealer aus Stavenhagen, habe er beruflich gekannt, den vierten Angeklagten aus Schwerin gar nicht. Die Gruppe soll mit den „Krypto-Handys“ kommuniziert haben, die als abhörsicher galten.

Der Prozess wird wegen der aufwendigen Beweiserhebung - so sollen auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes BKA gehört werden - frühestens im Frühjahr 2022 enden. dpa

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