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Betrugsprozess um Energieprojekte

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Justitia
Eine Figur der blinden Justitia. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Fünf ehemalige Mitarbeiter der Göttinger EEV AG sollen Anleger unzureichend über Risiken bei der Finanzierung eines Windkraftparks und eines Biomassekraftwerkes informiert haben. Seit Dienstag verhandelt ein Gericht den Fall - Auftakt eines langen Prozesses.

Bovenden - Die fünf Angeklagten im Prozess um den Betrug von Anlegern eines Offshore-Windparks und eines Biomassekraftwerkes haben am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Prozess vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Göttingen gegen die fünf ehemaligen Mitarbeiter der EEV Erneuerbare Energien Versorgung AG hat am Dienstag begonnen. Die Männer sollen über 500 Anleger um mehr als sechs Millionen Euro betrogen haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft den Angeklagten unter anderem Kapitalanlagebetrug vor. (Az. 5 KLs 2/18)

Das Gericht verhandelt den Fall aus Platzgründen im Bürgerhaus Bovenden (Landkreis Göttingen). Der Prozessauftakt dauerte nur eine gute halbe Stunde, es wurde hauptsächlich die Anklage verlesen. Die Männer hätten sich laut Staatsanwaltschaft teilweise des gewerbsmäßigen Betruges sowie der Untreue schuldig gemacht. Zwischen 2012 und 2014 sollen drei der Angeklagten formell oder faktisch Vorstände der inzwischen insolventen Göttinger EEV AG gewesen sein. Ein weiterer sei im Aufsichtsrat gewesen.

Konkret wird den Männer vorgeworfen, beim Verkauf von Finanzierungsanteilen 552 Anlegern wissentlich nicht ausreichend darüber informiert zu haben, dass der geplante Offshore-Windparks nur geringe Chancen auf Fertigstellung gehabt habe. Das Projekt hätte in einem militärischen Übungsgebiet gelegen, und das Bundesverteidigungsministerium hätte dem Plan laut Anklage aufs Schärfste widersprochen. In einem weiteren Fall sollen 126 Anleger bei der Finanzierung eines Biomassekraftwerkes getäuscht worden sein. Den Schaden beziffert die Saatsanwaltschaft auf 4,6 sowie 1,8 Millionen Euro.

Die Angeklagten äußerten sich zunächst nicht zur Anklage. Zwei der Verteidiger erklärten, die Beweisaufnahme werde alle Vorwürfe gegen ihre Mandaten entkräften. Der Antrag eines Angeklagten auf Einstellung des Verfahrens wurde abgelehnt. Für den Prozess sind Verhandlungstermine bis mindestens April 2022 angesetzt.

Vor dem Landgericht Osnabrück wird ein ähnlicher Fall verhandelt. In dem Fall soll ein Windkraftmanager Bauprojekte komplett vorgetäuscht und Geschäftspartner um etwa zehn Millionen Euro betrogen haben. dpa

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