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Deichverbände fordern doppelt so viel Geld für Küstenschutz

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Küstenschutz
An einem Deich finden Bauarbeiten statt. © Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Extremwetter werden angesichts des Klimawandels zunehmen. Die Deichverbände wollen sich dagegen mit einem besseren Küstenschutz wappnen. Dafür verlangen sie mehr Geld. Aber das ist nicht ihre einzige Forderung.

Wardenburg - Angesichts des Klimawandels und seiner Folgen fordern die Deichverbände in Niedersachsen und Bremen vom Bund deutlich mehr Geld für Küstenschutzmaßnahmen. „Wir benötigen 120 Millionen Euro jährlich für die Nordseeküste“, sagte Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstags Bremen und Niedersachsen, am Freitag. Das ist fast doppelt so viel, wie bislang ausgegeben wird: So investierte Niedersachsen im Jahr 2020 rund 66 Millionen Euro in den Küstenschutz.

Mehr als 600 Kilometer Hauptdeiche sorgen in Niedersachsen für den Küstenschutz zwischen Ems und Elbe und auf den Ostfriesischen Inseln. Die Unterhaltung der bis zu elf Meter hohen Deiche obliegt den Deichverbänden. Deren Vertreter tagten am Freitag in Wardenburg (Landkreis Oldenburg), um über mehr Küstenschutz für die nächsten Generationen zu beraten. „Deichschutz ist Natur- und Menschenschutz“, betonte Hennies.

Die geforderte Summe werde benötigt, um zum einen die Deiche um einen Meter zu erhöhen, so wie es die Planungen vorsähen. Zum anderen werde ein Entwässerungssystem mit hochwertigen Pumpen hinter den Deichen benötigt, für den Fall, dass Hochwasser bei Sturmfluten oder Hurrikanen übertreten sollte. Für die Installierung sei mehr Fachpersonal notwendig. „Wir brauchen mindestens 20 zusätzliche Ingenieurstellen beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)“, sagte Hennies.

Er forderte zudem „wolfsfreie Zonen“ an den Deichen. „Die Schafe halten die Grasnarbe fest, sie sind der wirtschaftlich sinnvollste Deichschutz“, betonte Hennies. Deichschäfereien hätten bereits aufgegeben, weil Wölfe immer wieder Schafe reißen. „Der Wolf gehört nicht an den Deich, es muss erlaubt sein, ihn von dort zu vergrämen.“ Er wünsche sich dafür ein entsprechendes Wolfsmanagement.

Umweltminister Olaf Lies (SPD) unterstützt die Küstenschutzpläne der 22 Deichverbände in Niedersachsen und der zwei in Bremen. „Der beschleunigte Meeresspiegelanstieg wird uns als Küstenland mittel- bis langfristig vor enorme Herausforderungen stellen“, unterstrich er. „Die Extremwetter werden mit fortschreitender Erderwärmung an Intensität und Häufigkeit zunehmen.“

Um die vorhandenen Deiche zu erhöhen, dürften daher seiner Ansicht nach auch die Verlegung von Straßen, der Rückbau von Häusern oder das Bauen in Schutzgebieten kein Ausschlusskriterium sein. Allerdings sieht der Minister den Bedarf an Investitionen beim Küstenschutz lediglich bei bis zu 100 Millionen Euro jährlich, den zusätzlichen Stellenbedarf beim NLWKN beziffert er auf zehn.

Der Geschäftsführer des Wasserverbandstags Hennies betonte, die Unwetterkatastrophe im Juli im Ahrtal habe gezeigt, wohin der Klimawandel führen könne. Er wolle aber keine Panik verbreiten: „Wir haben die sichersten Deiche, die es je gab. Und wir wollen, dass das so bleibt.“ dpa

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