1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Niedersachsen

Ehemalige Nazi-Propagandastätte Bückeberg wird zum Lernort

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Dokumentations- und Lernort Bückeberg
Blick auf den Bückeberg im Landkreis Hameln-Pyrmont. © Moritz Frankenberg/dpa

In den 1930er Jahren jubelten Hunderttausende auf einer Naturbühne bei Hameln Adolf Hitler zu. Eine Open-Air-Ausstellung informiert jetzt am historischen Ort über die Strategien des NS-Regimes, die Massen auf seine Seite zu ziehen.

Emmerthal - Die „Reichserntedankfeste“ am Bückeberg sollten die Deutschen auf die menschenverachtende Ideologie der Nazis einschwören und sie auf den Krieg vorbereiten. Zwischen 1933 und 1937 jubelte bei der jährlichen Massenveranstaltung die ländliche Bevölkerung Adolf Hitler am Bückeberg zu. Nach jahrelangen Planungen ist das Gelände in Emmerthal bei Hameln zu einem Dokumentations- und Lernort umgestaltet worden. Informationstafeln geben Auskunft über die perfiden Propagandastrategien des NS-Regimes.

Der Bückeberg war nach Angaben des Geschäftsführers des Lernortes, Alexander Remmel, eine zentrale Propagandastätte der Nazis. Der Architekt Albert Speer hatte den etwa 800 mal 250 Meter großen Festplatz in der Nähe der Weser nach einer Idee von Propagandaminister Joseph Goebbels als Naturbühne gestaltet. Der wie ein Laufsteg erhöht gebaute „Führerweg“, auf dem Hitler das Bad in der Menge nahm, ist noch heute zu sehen. Der Bückeberg steht seit Ende 2010 unter Denkmalschutz.

„Es war immer zentral, dass nur sehr zurückhaltend in das Gelände eingegriffen wird“, sagte der Historiker Bernhard Gelderblom, der sich Jahrzehnte für die Schaffung des Lernortes engagierte. Dies sei gut gelungen. Gelderblom hat auch im Internet eine Dokumentation über den Bückeberg zusammengestellt.

Für den Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Dirk Adomat, lassen sich am Bückeberg auch Lehren für die Gegenwart ziehen. „Massenmanipulation, Mitläufertum und ein fehlgeleiteter Wunsch nach Zugehörigkeit, der sich aggressiv gegen andere richtet, bleiben leider aktuelle Themen“, sagte der SPD-Politiker.

Bei den Massenveranstaltungen gab es bäuerliche Folklore, Musikdarbietungen, Waffenvorführungen und Hitlers Rede als Haupt-Programmpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten in Sonderzügen an.

Der neue Dokumentations- und Lernort, der mit Hilfe von mehreren Stiftungen realisiert wurde, kann ab sofort besucht werden. Im Bereich der früheren Tribüne gibt es einen barrierearmen Bereich, ein Tastmodell und Tafeln in leichter Sprache. Wer weitergehende Informationen oder eine Begleitung wünscht, kann sich an die Bückeberg gGmbH (kontakt@bueckeberg-ggmbh.de) wenden. dpa

Auch interessant

Kommentare