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Kiews Bürgermeister Klitschko: Unterstützung „reicht nicht“

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Wladimir Klitschko
Wladimir Klitschko geht zum Ausgang. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, hat nach dem russischen Angriff auf sein Land weitere Verteidigungswaffen gefordert. „Wir freuen uns über die Unterstützung Deutschlands, aber es reicht nicht“, sagte der 50 Jahre alte ehemalige Profiboxer am Donnerstag per Videoschalte in die Ratssitzung der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.

Hannover - „Wir werden kämpfen, aber wir brauchen Unterstützung - es ist eine gemeinsame Herausforderung für jedes europäische Land. Alleine durchzuhalten wird schwer.“ Den Krieg bezeichnete er als „Horror“ - und mahnte: „Bitte bleiben Sie nicht passiv.“

Fast unaufhörlich heulten in seiner Stadt die Sirenen, „ständig hören wir Explosionen“, sagte Klitschko. „Wenn mir jemand vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass es einen großen Krieg gibt mit Tausenden von Toten, das hätte ich mir nie vorstellen können.“ Die Ukraine sei immer ein friedliches Land gewesen. Ziel sei es, ein demokratisches und modernes Land und Teil der europäischen Familie zu sein. Das sei auch der Grund des Krieges. Kreml-Chef Wladimir Putin habe die Mission, ein „sowjetisches Reich“ wieder aufzubauen. Die Ukraine sei ein „wichtiges Puzzlestück in seinen Plänen“.

Viele Städte in der Ukraine existierten nun nicht mehr: „Wir wissen nicht, wie viele Menschen dort gestorben sind.“ Der Krieg sei ein großes Drama für 40 Millionen Menschen in der Ukraine - und für ganz Europa. Klitschko betonte: „Wenn jemand in Deutschland oder Europa denkt, der Krieg sei weit weg und betreffe ihn nicht, dann ist das ein großer Fehler.“ Er erklärte: „Wir kämpfen für jeden in der Europäischen Union, wir kämpfen für die gleichen Werte.“

Klitschko beklagte, in Deutschland gebe es „leider bis heute viele Putin-Versteher“. Er rief dazu auf, Wirtschaftsbeziehungen zu Russland einzustellen, auch wenn das schwierig sei: „Russland investiert jeden Euro, jeden Cent, in seine Armee.“ Und das Geld, das nach Russland fließe, sei „blutiges Geld“.

Er erzählte, bei der Evakuierung der Stadt Irpin nahe Kiew habe er mit einem Siebenjährigen gesprochen, der Junge habe geweint und nach Mama und Papa gefragt: „Er wusste nicht, dass er keine Eltern mehr hatte.“

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay sagte: „Ich wünschte, Putin hätte diese Rede gehört und verstanden: Er kann nicht siegen.“ Der Grünen-Politiker kündigte an, dass die Stadt Hannover an der Seite der Ukrainer stehe: Die Stadtverwaltung sei bereit, Kiew Personal für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen, zudem sei ein Hilfsfonds für Kiew geplant und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Messe solle sich das Land als Wirtschaftsstandort präsentieren können. dpa

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