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Leichter Gewinn für die NordLB: Sparkurs und Kriegsanalyse

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Jahreszahlen der NordLB
Ein Logo steht am Eingang der Norddeutschen Landesbank. © Julian Stratenschulte/dpa

Der „Turnaround“ war schon angekündigt, nun legt die NordLB konkrete Zahlen vor. Die lange Zeit angeschlagene Landesbank kann wieder bescheidene Erträge erwirtschaften. Das liegt auch an Einsparungen. Aber vieles bleibt schwer kalkulierbar.

Hannover - Die NordLB hat 2021 nach mehreren Verlustjahren sowohl vor als auch nach Steuern wieder die Gewinnschwelle überschritten. Einer der Gründe ist der Sparkurs, der einen erheblichen Personalabbau umfasst. Vom Krieg in der Ukraine ist die Bank nach eigener Einschätzung bisher nicht betroffen - mögliche Auswirkungen auf die Kunden werden jetzt aber genauer untersucht.

Sein Vorsteuer-Ergebnis konnte das Institut von minus 27 Millionen Euro auf plus 16 Millionen Euro drehen, wie aus den am Donnerstag vorgelegten Zahlen hervorgeht. Unterm Strich war die NordLB bereits im Vorjahr knapp profitabel. Der Konzerngewinn verbesserte sich nun noch einmal von 13 Millionen auf 19 Millionen Euro - die Ertragssteuern waren zuvor deutlich größer gewesen. Nach Angaben des neuen Vorstandschefs Jörg Frischholz ist die Landesbank Niedersachsens und Sachsen-Anhalts seit 2017 erstmals wieder auf beiden Ebenen in den schwarzen Zahlen.

Die NordLB hat eine harte Zeit mit aufgeblähter Bilanz und faulen Schiffskrediten hinter sich. Sie musste Ende 2019 von ihren Trägern gerettet werden. Dabei wurden auch Sparprogramme verordnet. Laut der Führung sank der Verwaltungsaufwand 2021 deutlich im zweistelligen Millionenbereich. Frischholz erklärte: „Das kommt natürlich im Wesentlichen aus einer Reduktion der Personalkosten.“

Die Bank habe einige ihrer Umbauziele früher erreicht als vorgesehen, hieß es aus dem Vorstand. Ausgaben etwa für Abfindungen oder freiwilligen Vorruhestand im Zusammenhang mit den Kürzungen seien „bilanziell verarbeitet“.

Finanzchef Olof Seidel bezifferte die Jobs zum Jahreswechsel auf 4370. Damit hätten sich die Vollzeitstellen 2021 um 420 verringert. „Der Personalabbau schreitet über Plan voran.“ 2022 sollen weitere 300 Arbeitsplätze wegfallen. Bis Ende 2023 will die NordLB dann bei 2800 bis 3000 Beschäftigten liegen - es waren einmal 6300.

Der Ausblick fällt bisher relativ zuversichtlich aus. Zur Lage in der Ukraine und in Russland sagte Frischholz: „Wir haben hier keine direkte Betroffenheit.“ In der Flugzeug-Finanzierung zum Beispiel habe die NordLB während der bereits 2021 zunehmenden Spannungen noch keine zusätzliche Risikovorsorge aufbauen müssen.

Ob es dabei bleiben kann, ließ das Management offen. Man analysiere potenzielle Auswirkungen und Störungen in der Energieversorgung. So werde auch bewertet, welche Folgen der Konflikt für das Firmenkundengeschäft haben könnte. „Wir sind nicht in einem Stadium der Aufgeregtheit“, sagte Frischholz.

Das erste Quartal sei insgesamt gut angelaufen. „Wir sehen keinerlei Strömungsabrisse.“ Aus aktueller Sicht werden für das Gesamtjahr Ergebnisse deutlich über den Werten von 2021 erwartet.

Die lange belastende Risikovorsorge fuhr die NordLB im vorigen Jahr zurück. „De facto gibt es kein Schiffsportfolio mehr“, sagte Frischholz. Altlasten in dem Bereich seien komplett abgebaut. Seidel berichtete von „guten“ Krediten im Wert von noch rund 700 Millionen Euro. Diese seien vollständig abgesichert. Bei den Flugzeugen seien es 50 Prozent von einem Darlehens-Portfolio von 2,5 Milliarden Euro.

Ihr Geschäft mit Projekten für erneuerbare Energien und Infrastruktur will die Bank ausbauen. Hier lag das Finanzierungsvolumen 2021 bei 17 Milliarden Euro. Der Vorstand rechnet infolge der Klimaschutzvorgaben mit mehr Wachstum bei Windkraft- und Solarvorhaben. Weitere Standbeine blieben das Mittelstandsgeschäft und Gewerbeimmobilien.

Die Quote des sogenannten harten Kernkapitals lag in der NordLB zuletzt bei 15,5 Prozent. Diese Größe gilt als Notfall-Puffer, mit dem Verluste abgefangen werden können - sie war ein Hauptthema in der Krise 2007/2008. dpa

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