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Mit Hubschrauber und „Zigarre“: Moor-Messung aus der Luft

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Hubschrauber mit Flugsonde
Der BGR-Hubschrauber vom Typ „Sikorsky S-76B“ startet mit der elektromagnetischen Flugsonde "Resolve" vom Flugplatz zu einem Erkundungsflug im Moorgebiet. © Sina Schuldt/dpa

Wer in diesen Tagen im Nordosten Niedersachsens einen Helikopter im Tiefflug mit zigarrenförmiger Sonde im Schlepptau sieht, darf sich nicht wundern. Es ist keine Tabakwerbung, sondern Forscher erkunden mit Hightech aus der Luft die Moore.

Rotenburg/Wümme - Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland in Deutschland. Rund 70 Prozent der Hochmoore und rund 15 Prozent der Niedermoore liegen in dem Bundesland. Forscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erkunden derzeit im Rahmen des Projekts „D-AERO-Moore“ ein etwa 500 Quadratkilometer großes Gebiet mit Mooren von Gnarrenburg bis Bremervörde und Worpswede. „Wir gewinnen dabei riesige Datenmengen“, sagte der Geophysiker und Projektleiter Bernhard Siemon am Freitag in Rotenburg.

Vom dortigen Flugplatz startet der eigentlich in Hildesheim stationierte BGR-Hubschrauber vom Typ „Sikorsky S-76B“ täglich bis zu zwei Mal auf seine Erkundungsflüge. Unter der Maschine hängt an einem Seil die zigarrenförmige 10 Meter lange und 400 Kilogramm schwere Messsonde „Resolve“, in der hochsensible Sende- und Empfängerspulen installiert sind. Sie senden elektromagnetische Strahlen zum Boden und empfangen sie zurück. Aus den Änderungen können die Forscher anhand der elektrischen Leitfähigkeit Rückschlüsse auf das Torfvolumen ziehen.

Der Hubschrauber fliegt in einer Höhe von rund 100 Metern über das Gebiet, wobei die Sonde etwa 50 Meter über dem Boden schwebt. „Bei Strommasten oder Bebauung fliegen wir natürlich viel höher“, sagte Helikopter-Pilot Bernhard Stooß. Er fliegt das vorgegebene Messgebiet exakt nach Linien ab, um eine möglichst genaue Datenbasis zu bekommen. Neben dem Piloten sitzt ein Beobachter, der das Kartenmaterial und etwaige Hindernisse wie eben Strommasten im Blick behält.

Für den Fall, dass eine Sonde mal streikt, haben die Forscher eine nahezu identische Ersatzsonde dabei. „Bei einem Defekt, können wir das zwar auch direkt im Feld beheben“, so Siemon mit Blick auf die mobile Werkstatt und entsprechende Ersatzteile. „Aber manchmal ist es schneller und praktischer, die Ersatzsonde einzusetzen.“

Bei den Daten geht es um die Ausdehnung und das Volumen der Moore. Moorböden sind wichtige Speicher für Wasser und Treibhausgase. Der Helikopter selbst verfügt über einen Gammastrahlen-Spektrometer, der die natürliche radioaktive Strahlung des Erdbodens misst.

Der weiß-rote Hubschrauber hat seine eigene Geschichte. Er war bereits in Namibia, Pakistan und in Nordsumatra im Einsatz, wie Siemon berichtet. Dabei ging es oft um die Erkundung von Grundwasservorkommen. Heute sei die „Sikorsky S-76B“ der BGR der einzige Helikopter des Modells, der in Deutschland noch registriert sei. dpa

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