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Mögliche IS-Terroristin: Kind zu Steinigung mitgenommen

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Justitia
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Eine Deutsche aus Osnabrück soll sich 2014 der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben. Im Herbst wurde sie auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen - jetzt beginnt der Prozess gegen die 33-Jährige am Oberlandesgericht Celle.

Celle - Weil sie sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll, muss sich eine 33-Jährige aus Osnabrück ab dem heutigen Mittwoch (9. März, 9.30 Uhr) vor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle verantworten. Die dreifache Mutter soll ihre damals sechsjährige Tochter in Syrien zur Steinigung einer Frau mitgenommen und dem Kind Hinrichtungsvideos gezeigt haben. Der Deutschen wird auch vorgeworfen, sich an der Versklavung der jesidischen Bevölkerung beteiligt zu haben. Im Haushalt eines Sklavenhändlers soll sie 2016 in der Stadt Rakka für einige Tage eine vom IS versklavte Jesidin ausgebeutet haben.

Die Niedersächsin gehört zu den mutmaßlichen IS-Anhängerinnen, die Anfang Oktober mit einer von der Bundesregierung gecharterten Maschine zusammen mit ihren Kindern nach Deutschland zurückgeholt worden waren. Bei ihrer Einreise wurde die Osnabrückerin am Frankfurter Flughafen festgenommen. Sie sei in Untersuchungshaft, sagte ein OLG-Sprecher. Die Frau war Anfang 2019 in Syrien gefangen genommen worden und lebte danach mit ihren Kindern in zwei kurdischen Lagern. Die Bundesanwaltschaft erhob Ende 2021 vor dem Staatsschutzsenat des OLG Celle Anklage gegen die 33-Jährige.

Laut Anklage fasste sie spätestens im Sommer 2014 den Entschluss, nach Syrien auszureisen und sich der terroristischen Vereinigung IS anzuschließen. Gemeinsam mit einer 16-Jährigen, die sie angeworben haben soll, reiste sie Ende 2014 aus. Die Angeklagte habe ihre damals vierjährige Tochter gegen den Willen des Vaters mitgenommen, teilte das Gericht mit. In Syrien habe die Frau hintereinander mehrere IS-Mitglieder geheiratet und ihnen Kampfhandlungen ermöglicht, indem sie den Haushalt geführt habe.

Konkret wird der Frau unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie die Entziehung Minderjähriger mit Gefährdung vorgeworfen. Ihre Tochter sowie ihre zwei in Syrien geborenen Söhne soll sie im Sinne der radikal-islamistischen Lehre des IS erzogen haben. Ihre Gesinnung zeigte sie der Anklage zufolge über den Kurznachrichtendienst Twitter, wo sie ihre Zustimmung zu den IS-Anschlägen in Nizza und Würzburg im Juli 2016 zum Ausdruck brachte.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte die 33-Jährige noch in Deutschland engen Kontakt zu Jennifer W. aus Lohne im Landkreis Vechta. Die IS-Rückkehrerin Jennifer W. wurde Ende Oktober 2021 vom Oberlandesgericht München zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Nach Angaben des Celler Gerichtssprechers sind am ersten Verhandlungstag noch keine Zeugenvernehmungen vorgesehen. Für den Prozess sind bis einschließlich Mai 15 Fortsetzungstermine angesetzt. Möglicherweise geht der Prozess auch noch im Juni weiter. dpa

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