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Nordwesten kann bei dualen Studienangeboten noch aufholen

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Universität
Studierende sitzen in einem Hörsaal. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Theorie und Praxis verbinden, neben akademischem Grundlagenwissen früh Einblicke in die Arbeitswelt bekommen - das ist die Idee eines dualen Studiums aus Hochschule und Betrieb. Wie stark entsprechende Angebote aufgebaut und wahrgenommen werden, variiert regional sehr.

Gütersloh/Hannover - Niedersachsen und Bremen haben bei der Kombination aus Studium und Berufsausbildung laut einer Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) einiges an Aufholbedarf. Die Anteile dualer Studiengänge an allen Studienangeboten lagen im vergangenen Jahr in beiden Ländern deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 9,6 Prozent. Für Niedersachsen ermittelte das von der Hochschulrektorenkonferenz und von der Bertelsmann-Stiftung getragene CHE zusammen mit dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung 7,0 Prozent. In Bremen betrug der Wert nur 5,0 Prozent.

Auf Bachelor-Niveau gab es noch mehr duale Studienmöglichkeiten als auf der höheren Master-Ebene - letztere war im dualen Hochschulsystem Bremens zuletzt gar nicht vertreten. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die vorhandenen Angebote nach Regionen und Fächern teils stark abweichen. In absoluten Zahlen verzeichneten die niedersächsischen Träger 2021 insgesamt 109 duale Studiengänge, in Bremen waren es 14. Für Bayern etwa wurde zum Vergleich eine Summe von 529 Programmen gemeldet, bei einem Anteil am gesamten Studienangebot von 19 Prozent.

Die Daten zu der Nachfrage sind etwas älter, sie beziehen sich auf das Jahr 2019. Hier fällt das Saarland mit einem Anteil von fast 30 Prozent der Studierenden auf, die in dualen Programmen eingeschrieben waren. In Bremen waren es 0,6 Prozent - der letzte Platz unter allen Bundesländern. Niedersachsen kam mit 3,4 Prozent auf Rang acht.

Die Zahl der Studienangebote, die sowohl akademische als auch Ausbildungs- oder lange Praxisphasen im Betrieb enthalten, wuchs in den letzten Jahren. In der Zusammenfassung der Analyse heißt es aber auch: „Allerdings führt das duale Studium in Deutschland mit einem durchschnittlichen Studierenden-Anteil von 4,2 Prozent bundesweit und einem Erstsemester-Anteil von aktuell 4,6 Prozent weiterhin eher eine Randexistenz.“ In Gesundheit, Medizin und Pflege beispielsweise könnten noch mehr attraktive Kombi-Studiengänge geschaffen werden.

Die Grundidee solcher Modelle ist eine intensive Verzahnung von Theorie und Praxis - Unternehmen hoffen so auch, sich in Zeiten des verschärften Fachkräftemangels qualifizierten Nachwuchs ins Haus zu holen. Die Untersuchung zeigt jedoch ebenso, dass „trotz allgemein hoher Zufriedenheit“ unter den Studierenden viele schon einmal einen Wechsel ihres Ausbildungsbetriebs oder ihres Faches erwogen haben.

Manche Kritiker monieren außerdem, dass einige Mischstudiengänge auf eine allzu frühe und inhaltlich zu enge Spezialisierung hinauslaufen, worunter das Basiswissen leiden könne. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sieht dieses Problem auch in bestimmten Bereichen der klassischen dualen Berufsausbildung. „Wir haben gute Voraussetzungen, wo uns andere beneiden“, sagte er kürzlich. Aber für viele neue Jobs müssten klarere, übergreifende Grundlagen geschaffen werden - auch und gerade bei dualen Studiengängen, wo es einen „Wildwuchs ohne Ende“ gebe und die Unterteilung in immer mehr kleine Fächer ihn zunehmend verwirre. dpa

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