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Prozess um Doppelmord: „Motiv auf tiefster Stufe“

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Prozess wegen zweifachen Mordes am Landgericht Oldenburg
Der Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn in einem Saal im Landgericht und bedeckt sein Gesicht. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Ein Mann soll im Oktober einen vermeintlichen Nebenbuhler und dann seine Frau umgebracht haben. Laut Anklage ging es um Eifersucht und einen falsch verstandenen Ehrbegriff. Nun steht er vor Gericht.

Oldenburg - Der Bruder des Opfers rang auch knapp ein halbes Jahr nach der Bluttat sichtlich um Fassung. „Das ist schrecklich, was passiert ist. Ich kann das gar nicht in Worte fassen“, sagte er unter Tränen. Er nimmt als Nebenkläger an einem Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder seiner 27-jährigen Schwester teil. Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft zweifachen Mord aus niedrigen Beweggründen auf „tiefster Stufe“ vor. Er soll einen vermeintlichen Nebenbuhler und anschließend seine Frau vor den Augen der gemeinsamen achtjährigen Tochter erstochen haben.

Gleich zum Prozessauftakt am Dienstag gestand der Angeklagte beide Taten. Er habe zuerst den 23-jährigen Mann in einer Delmenhorster Bar mit einem Messer getötet und sei dann zu seiner Frau gefahren. Er habe auf sie mit einem Messer eingestochen, um sie zu töten. Die 27-Jährige starb zwei Tage später im Krankenhaus. Als Motiv nannte er in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung am Landgericht Oldenburg unter anderem Eifersucht.

Er habe seine nach jesidischem Recht geheiratete Frau zuvor „angefleht“, den Kontakt zu dem anderen Mann zu beenden. Laut Staatsanwaltschaft stach der 34-Jährige am 3. Oktober vorigen Jahres unvermittelt 30 Mal auf sein erstes Opfer ein. Familienangehörige des Angeklagten hatten zuvor geprüft, ob der 23-Jährige auch in der Bar sei. Danach sei er in die Wohnung gefahren und habe in Anwesenheit der gemeinsamen achtjährigen Tochter 20 Mal auf seine Frau eingestochen. Die Frau starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Der Mann hatte eine Affäre zwischen seiner Frau und dem 23-Jährigen vermutet. Der Anwalt der Nebenklage, Matthias Koch, betonte, dass es zwischen dem vermeintlichen Nebenbuhler und der 27-Jährigen gar keinen Kontakt gegeben habe. „Aber selbst wenn es das Verhältnis gegeben hätte, rechtfertigt das nicht diese Tat“, sagte der Bruder der 27-Jährigen. Laut Anklage wurden beide Taten kurz zuvor im Familienkreis des Angeklagten beschlossen. Damit sollte die „beschmutzte Familienehre“ wieder hergestellt werden.

Der Angeklagte gab an, dass er in der Zeit vor der Tat verstärkt Kokain konsumiert habe und sich von der Familie des vermeintlichen Nebenbuhlers verfolgt gefühlt habe. Er habe paranoide Vorstellungen gehabt und auch gedacht, seine Frau sei an einem Mordkomplott gegen ihn beteiligt.

Bei der Tat in der Bar waren nach Aussagen eines 21-jährigen Zeugen unter anderem zwei Brüder und zwei Cousins des Angeklagten anwesend. Die beiden Brüder hätten in der offenen Tür des Cafés gestanden. Nach der Bluttat habe einer der Cousins zu dem mutmaßlichen Täter gesagt: „Das hast Du gut gemacht.“ Der Prozess, für den insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt sind, wird am 29. März fortgesetzt. dpa

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