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Schulleiter fordern weniger Bürokratie und mehr Personal

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Herbsttagung des Schulleitungsverbandes Niedersachsen
Andrea Kunkel spricht auf der Herbsttagung des Verbandes. © Demy Becker/dpa

Zu wenig Personal, zu viel Bürokratie - das bemängeln zahlreiche Schulleiter in Niedersachsen. Bei einer Tagung gab es viel Redebedarf zwischen Lehrern und Politik.

Celle - Zunehmende Bürokratie in der Corona-Pandemie macht den Schulen Niedersachsens nach Ansicht des Schulleitungsverbandes zu schaffen. „Wir erleben eine deutliche Zunahme der Bürokratie auf allen Ebenen“, sagte die Verbandsvorsitzende Andrea Kunkel am Mittwoch bei der Herbsttagung des Verbandes in Celle. Neben dem Kultusministerium, regionalen Landesämtern für Schule und Bildung, seien in der Corona-Pandemie die Gesundheitsämter hinzugekommen und erschwerten die Bürokratie an Schulen. Gesundheitsämter agierten regional „außerordentlich unterschiedlich.“

Dies werde spätestens dann deutlich, wenn beispielsweise für Lehrer aufgrund ihres Wohnortes ein anderes Gesundheitsamt zuständig sei als das für die Schule. Viel Zeit müsse zusätzlich aufgewendet werden, um Corona-Verordnungen oder Hygienepläne umzusetzen.

Der Schulleiter einer Grundschule in Hannover berichtete von Schwierigkeiten, die Corona-Schnelltests zu kontrollieren. Schülerinnen und Schüler müssen sich in Niedersachsen mehrmals die Woche testen, sofern sie noch nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden sind.

Rund 50 Prozent der 12 bis 17-Jährigen in Niedersachsen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) einmal gegen das Coronavirus geimpft, 42,3 Prozent vollständig. Sie konnten sich allerdings nicht so früh impfen lassen wie viele andere Altersgruppen. Wer jünger als zwölf Jahre ist, kann sich noch nicht impfen lassen. Somit muss sich ein Großteil der Schülerinnen und Schüler weiterhin testen - in der ersten Schulwoche nach den Herbstferien sogar jeden Tag.

Einige Schulleiter äußerten deutlich ihren Unmut über zu wenig Personal an den Schulen. „Sorgen Sie dafür, dass ich meinen Job machen kann“, sagte der Leiter einer Hauptschule in Richtung des Kultusministers Grant Hendrik Tonne (SPD).

Mehrere Grundschulleiter betonten, dass gerade mit Blick auf den geplanten bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule deutlich mehr Personal notwendig ist. Geplant ist, dass jedes Kind, das ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz bekommt.

Laut Verband sehen sich immer mehr Schulleiterinnen und Schulleiter in Niedersachsen gezwungen, sich aus dieser Führungsposition zurückzuziehen. Einige ließen sich frühzeitig pensionieren, arbeiteten als Fachlehrer oder würden mit einem Burnout ausfallen. Die Besetzung von offenen Schulleiterstellen sei nach wie vor problematisch.

Bei der Herbsttagung wurde René Mounajed als neuer Verbandsvorsitzender gewählt. Der 45 Jahre alte Leiter einer Hildesheimer Gesamtschule folgt auf Kunkel, die nicht wieder angetreten war. Sie stand zwei Jahre an der Spitze des Schulleitungsverbands.

Minister Tonne bekam auch Lob für sein Krisen-Management in der Corona-Pandemie. Tonne zeigte sich offen für Input, wie die bemängelte Bürokratie verringert werden kann. Der Minister kündigte zudem an, dass die Maskenpflicht im Unterricht in wenigen Wochen für weitere Schülerinnen und Schüler fallen könnte. Man werde alles daran setzen, dass die Maske bei den Jahrgängen drei und vier als nächster Schritt wegkomme, sagte er.

Diesen Schritt stellte der Minister für die kommende Corona-Landesverordnung in Aussicht. Die aktuelle Verordnung ist noch bis zum 10. November gültig. Vom 11. November an sollen dann nach den Plänen von Tonne die Klassenstufen drei und vier keine Maske mehr im Unterricht tragen müssen. „In Stein gemeißelt ist das noch nicht, das nach den Ferien dann aktuelle Infektionsniveau muss diesen Schritt auch zulassen. Ich hoffe aber sehr, dass dieser Zeitplan realistisch umgesetzt werden kann“, sagte der Minister laut Mitteilung.

Derzeit müssen bis auf die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse alle eine Maske im Unterricht tragen. Auf dem Pausenhof im Freien und beim Sportunterricht ist dies nicht notwendig. dpa

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