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Verkäufer unechter Goldbarren steht wieder vor Gericht

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Mit dem Verkauf von nachgemachtem Gold hat ein 27-Jähriger Geschäfte im Internet gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor. Seine Verteidigung: Die Käufer sind doch selber schuld.

Oldenburg - „Gold gibt es nicht zu Schnäppchen- oder Schleuderpreisen“ - das sagt der mutmaßliche Betrüger vor Gericht. Seine Kunden seien selber schuld gewesen - „leichtsinnig und gierig“. Dem 27-Jährigen wird seit Mittwoch in Oldenburg der Prozess gemacht (AZ: 1 Kls 48/21). Er soll zwischen April 2020 und Januar 2021 nachgemachte Goldbarren und Krügerrandmünzen im Internet angeboten und den Käufern als echt angedreht haben. Insgesamt habe er damit mehr als 40.000 Euro eingenommen - so die Staatsanwaltschaft.

Für den Mann ist es nicht der erste Prozess dieser Art. Die fünf angeklagten Taten soll er begangen haben, als er bereits einmal wegen seines falschen Goldhandels verurteilt war. Drei Jahre Haft hatte das Amtsgericht Jever im November 2019 verhängt - das Urteil war nur noch nicht rechtskräftig. Als ein Haftbefehl wegen der Wiederholungstaten erging, tauchte der Angeklagte unter. Erst Mitte Januar 2021 stellte er sich.

Als wollte er seine Kompetenz in Sachen Gold unterstreichen, trug der Angeklagte zum Prozessauftakt ein schwarzes Sweatshirt mit gold-glänzenden Schriftzügen. Er wies den Vorwurf des Betrugs zurück: „Es ist absurd, dass ich angeblich echte Goldbarren verkaufen wollte.“ Seiner Ansicht nach hätte den klagenden Käufern klar sein müssen, dass die Goldbarren nicht vollständig aus Gold, sondern lediglich mit Gold überzogen seien. Schließlich habe er das in seinen Anzeigen im Netz durch die Verwendung des englischen Begriff „plated“ eindeutig kenntlich gemacht.

Demnach seien die Käufer selber schuld, wenn sie aufgrund „mangelnder Fachkenntnis“ hohe Summen für die Ware ausgegeben hätten. „Es ist nicht ernsthaft die Aufgabe des deutschen Gerichts, Verkäufer zu kriminalisieren und leichtfertige Käufer zu schützen, die sich nicht auskennen.“ Bevor er die Ware zum Weiterverkauf anbot, hatte der 27-Jährige sie selbst für wenige Hundert Euro im Internet erstanden.

Die Staatsanwältin sprach von einer „Vorspiegelung falscher Tatsachen“. Die Barren seien nur Echtgold-Plagiate gewesen, „die für den rechtstreuen Erwerber praktisch wertlos waren“. Einem Kunden habe der Angeklagte am Telefon versichert, dass es sich bei den Goldbarren nicht um Fälschungen handle. Als ein anderer Käufer nach dem unüblich niedrigen Preis fragte, soll der Angeklagte gesagt haben, er müsse einen kurzfristigen finanziellen Engpass überbrücken.

Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt. dpa

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