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VW knüpft an Zeit vor Corona an: Rekordgewinn im Halbjahr

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Das Logo von Volkswagen glänzt an einem Auto in der Sonne
Das Logo von Volkswagen glänzt an einem Auto in der Sonne. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Die seit Mitte 2020 aufgestaute Nachfrage spült nun auch der größten europäischen Autogruppe mächtig Geld in die Kasse. Die Bestwerte bei Volkswagen sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Corona-Krise noch eine große Unsicherheit für die Branche bereithält.

Wolfsburg - Beflügelt von stark zunehmenden Autoverkäufen hat der Volkswagen-Konzern in der ersten Jahreshälfte einen so hohen Gewinn im laufenden Geschäft einfahren können wie noch nie. Wie die Wolfsburger am Donnerstag berichteten, erreichte das Betriebsergebnis einen Rekordwert von knapp 11,4 Milliarden Euro. Dabei seien die Rahmenbedingungen „weiterhin herausfordernd“ - gemeint ist damit vor allem die anhaltende Versorgungskrise bei wichtigen Chip-Bauteilen.

Die direkten Folgen der Corona-Verkaufseinbrüche sowie Händler- und Werksschließungen aus dem Frühling 2020 konnte die größte europäische Autogruppe weiter abstreifen. Zur Mitte des vorigen Jahres hatte ein operativer Verlust von 1,5 Milliarden Euro in der Bilanz gestanden, vor allem das zweite Quartal hatte heftig eingeschlagen. Diesmal ist der Ertrag auch vor Steuern bereits höher als im Gesamtjahr 2020. Rechnet man diese ein, blieben VW von Januar bis Juni 8,4 Milliarden Euro - nach roten Zahlen von gut einer Milliarde Euro vor einem Jahr.

Der Absatz zieht wieder deutlich an, Konkurrent Daimler hatte jüngst ebenfalls starke Zahlen gemeldet. Ein wesentlicher Treiber ist, dass sich die aufgestaute Nachfrage aus der ersten Pandemie-Welle nun in Verkäufe umsetzt. Dabei profitiert die Industrie auch von den Wirtschaftshilfen - Autobauern kommen vor allem Prämien für E- und Hybridwagen zugute, die sie zusammen mit dem Staat finanzieren.

Laut VW-Konzernchef Herbert Diess entwickelte sich zuletzt „besonders das Premiumgeschäft mit zweistelligen Renditen sehr gut“. Mehr als eine Verdoppelung des Ergebnisses gelang der Finanzsparte, durch deren Bücher viele der neuen E-Autos der ID-Serie laufen. Der Umsatz im Konzern wuchs um über ein Drittel auf rund 130 Milliarden Euro, die Auslieferungen legten um 28 Prozent auf gut 5 Millionen Fahrzeuge zu.

Der Blick nach vorn ist grundsätzlich optimistisch: 2021 sollen 6 bis 7,5 Prozent des Umsatzes als Ergebnis vor Zinsen und Steuern hängen bleiben, in der letzten Prognose hatte Finanzchef Arno Antlitz noch 5,5 bis 7 Prozent angenommen. Eine Corona-Spätfolge hat die Branche jedoch weiter im Griff: Es fehlen die überall verbauten Mikrochips. Diess sagte den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX mit Blick auf die Lieferengpässe und langen Wartezeiten für Kunden: „Ich gehe davon aus, dass wir das im vierten Quartal aufholen können.“

Die Kasse ist mit einer Netto-Liquidität von 35 Milliarden Euro noch prall gefüllt. Wegen des Halbleiter-Mangels rechnet der Konzern in diesem Jahr allerdings nicht mehr mit einem ganz so großen Zuwachs der Verkäufe wie bisher. Im ersten Halbjahr war schon eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen in der Produktionsplanung ausgefallen. Große Halbleiterfirmen waren im Auto-Nachfragetief 2020 auf andere Abnehmer aus Computerbranche, Unterhaltungselektronik, Maschinenbau oder Medizintechnik umgestiegen. Diess erklärte, das Autogeschäft mache weltweit rund zehn Prozent des Halbleitermarkts aus. „Das sollte also schon ein beherrschbares Problem sein.“

Besonders in China ist der Chipmangel indes noch lange nicht vorbei. Auf seinem wichtigsten Markt musste der VW-Konzern deshalb gerade ein herbes Absatzminus hinnehmen. Gleichzeitig geht der Umbau mit einer Mischung aus Investitionen in E-Mobilität und Vernetzung auf der einen sowie Kostensenkungen auf der anderen Seite weiter. Die gerade vorgelegte Strategie „New Auto“ umfasst den Aufbau neuer Plattformen, auch für die Zukunftsthemen autonomes Fahren und Mobilitätsdienste.

Für die „Restrukturierung“ etwa der Lkw- und Bus-Tochter MAN fielen knapp 700 Millionen Euro an. Der Kauf des US-Nutzfahrzeugbauers Navistar ist in den aktuellen Halbjahresdaten noch nicht enthalten. Die Zahl der Mitarbeiter ging konzernweit verglichen mit dem Jahresende 2020 leicht um 0,4 Prozent auf 660.000 zurück. dpa

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