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Bischof kritisiert „Abwehrreflexe“ der katholischen Kirche

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Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck spricht während einer Pressekonferenz in Essen. © Marcel Kusch/dpa/Archivbild

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat „Abwehrreflexe“ der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals angeprangert. „Abscheuliche Taten sexueller Gewalt“ forderten die Kirche zu einer „neuen Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Anerkennung von Schwäche“ auf, sagte der Ruhrbischof nach einem am Donnerstag vorab verbreiteten Predigttext.

Essen - „Der Unmut so vieler Gläubiger, die sich in diesen Jahren entsetzt, enttäuscht und mutlos geworden von der Kirche abwenden, hat Gründe, die wir Bischöfe und alle Verantwortlichen in der Kirche sehr ernst nehmen müssen“, so Overbeck. „Es hilft nicht, mit Abwehrreflexen darauf zu reagieren oder gar denjenigen, die sich nach Veränderung sehnen, böse und unredliche Absichten zu unterstellen.“

Der Missbrauchsskandal habe die Kirche in eine existenzielle Krise gestürzt, aber auch einen Zeitenwechsel zuwege gebracht. Das zeige der derzeit laufende Reformprozess. Dieser sogenannte Synodale Weg ist eine Reaktion auf den Missbrauchsskandal. Er strebt Reformen in vier Bereichen an: bei der Position der Frauen in der Kirche, der katholischen Sexualmoral, dem Umgang mit Macht und in der Frage der priesterlichen Ehelosigkeit (Zölibat).

Mit den Reformen werde die Kirche ihrem Ursprung nicht untreu, sagte Overbeck - auch wenn dies oft fälschlicherweise behauptet werde. Damit spielte er auf konservative Kritiker an, die den Reformern vorwerfen, den Missbrauchsskandal als Vorwand für eine Liberalisierung der Kirche zu nutzen. Overbeck gilt als einer der entschlossensten Reformer unter den katholischen Bischöfen in Deutschland. dpa

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