1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Nordrhein-Westfalen

Folgen der Abellio-Pleite: Weniger Züge auf Pendlerstrecken

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bahnunternehmen Abellio
Das Logo des Bahnunternehmens Abellio ist auf einem Zug zu sehen, der im Hauptbahnhof steht. © Rene Traut/Rene Traut/Archivbild

In Nordrhein-Westfalens Nahverkehr hat Abellio eine große Bedeutung, auf mehr als 20 Millionen Zugkilometer kommen die Züge und S-Bahnen der Firma pro Jahr. Doch damit ist bald Schluss, andere Firmen übernehmen die Strecken. Das hat auch für Fahrgäste Konsequenzen.

Hagen - Reisende und Pendler in Nordrhein-Westfalen werden in den kommenden Wochen die Folgen des Marktaustritts des Bahnunternehmens Abellio deutlich zu spüren bekommen. Schon bald sind weniger Züge und S-Bahnen auf wichtigen Pendlerstrecken unterwegs. Wie aus einem am Mittwoch von den Verkehrsverbünden publizierten „Übergangsfahrplan“ hervorgeht, werden Linien komplett eingestellt, ausgedünnt oder es werden Busse eingesetzt. Dem Plan zufolge fährt der Regionalexpress 49 ab kommendem Montag (10. Januar) nicht mehr, er ist normalerweise zwischen Wuppertal und Wesel unterwegs. Fahrgäste sollen stattdessen S-Bahn-Linien benutzen.

Die erste, allerdings nicht sehr folgenreiche Maßnahme gilt schon ab dem 8. Januar: Bei der RB40 zwischen Essen und Hagen entfällt eine Fahrt in der Hauptverkehrszeit. Das Gros der Maßnahmen greift am 17. Januar, dann wird zum Beispiel der Betrieb des RE11 zwischen Düsseldorf und Essen eingestellt. Fahrgäste sollen auf andere Linien umsteigen. Auf anderen Strecken werden weniger Bahnen eingesetzt. So sind es bei der S7 (Wuppertal - Solingen) nur noch zwei Bahnen pro Stunde und nicht mehr drei.

Die RB46 von Bochum nach Gelsenkirchen wiederum wird eingestellt, dort soll es Schienenersatzverkehr geben. Die RB35 von Mönchengladbach nach Gelsenkirchen fährt ebenfalls nicht mehr, andere Linien sollen den Fahrgästen weiterhelfen.

Der Schwerpunkt der Maßnahmen betrifft den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), für den Abellio bisher 80 Prozent seiner Leistungen erbringt. Die restlichen Fahrten finden in den Gebieten der beiden anderen Verbundorganisationen in NRW statt, also des Nahverkehrs Rheinland (NVR) und des Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).

Die Abellio Rail GmbH, die zuletzt 1080 Beschäftigte hatte, durchläuft eine Form des Insolvenzverfahrens und wird ab kommendem Monat voraussichtlich liquidiert. Jeder sechste gefahrene Zugkilometer im Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV) von NRW entfällt noch auf Abellio. Zum 1. Februar übernehmen DB Regio, National Express und Vias die Linien des bisher zweitwichtigsten Unternehmens in Nordrhein-Westfalens SPNV.

Abellio befährt die Strecken zwar noch planmäßig bis Ende des Monats. Der Ersatzfahrplan greift aber schon jetzt, weil das Personal, das von den drei Nachfolge-Linienbetreibern übernommen werden soll, noch für den Einsatz bei den anderen Unternehmen geschult werden muss. Bekämen sie diese Schulungen nicht, dürften sie im Februar nicht weiterarbeiten.

Unklar ist, wie viele Abellio-Beschäftigte zu den anderen Firmen wechseln. Um ihnen den Job beim neuen Arbeitgeber schmackhaft zu machen, wird ihnen eine Prämie von zwei Monatsgehältern angeboten. Die Verkehrsverbünde wiesen in ihrer gemeinsamen Mitteilung am Mittwoch zudem darauf hin, dass die bei Abellio eingesetzten 120 Triebzüge auf die Anforderungen der drei Nachfolgefirmen angepasst werden müssten.

Mit Kopfschütteln reagierte der Fahrgastverband Pro Bahn auf den Fahrplan. „Es war klar, dass es zu Einschränkungen kommen wird“, sagte der NRW-Verbandsvorsitzende Andreas Schröder. „Aber dass Linien schon so früh und so lange eingestellt oder ausgedünnt werden, ist enttäuschend für die Fahrgäste.“

Er appellierte an die Verkehrsverbünde, Monatstickets vorübergehend günstiger zu machen, damit die Pendler für die absehbaren Wartezeiten und längeren Fahrzeiten finanziell entschädigt werden. Das sei zwar schwer umsetzbar, aber zumindest Kulanzregelungen sollte es geben, bei denen zum Beispiel die Reichweite oder zeitliche Gültigkeit der Tickets erweitert werden. dpa

Auch interessant

Kommentare