1. Startseite
  2. Deutschland
  3. Nordrhein-Westfalen

Messerattacke in Regionalbahn: Angreifer verletzt fünf Menschen – NRW-Minister spricht von „Amoktat“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Huljina

Kommentare

Polizisten führen den mutmaßlichen Täter ab. Der Mann soll in einer Regionalbahn bei Aachen am Freitagmorgen mit einem Messer auf Reisende eingestochen haben.
Nach der Amoktat in einem Zug in Nordrhein-Westfalen wurde der Angreifer in einem weißen Overall abgeführt. © Ralf Roeger/dpa

Am Freitagmorgen kam es in einem Zug bei Herzogenrath in Nordrhein-Westfalen zu einer Messerattacke. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer Terrorattacke aus.

Update vom 14. Mai, 15.43 Uhr: Nach der Amoktat eines 31-Jährigen in einem Regionalexpress in Nordrhein-Westfalen ist der Mann in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Ermittelt werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten heimtückischen Mordes in drei Fällen, teilte die Staatsanwaltschaft Aachen am Samstag mit.

Als Ursache sei nach jetzigem Erkenntnisstand mit großer Wahrscheinlichkeit ein psychotisches Erleben des Beschuldigten anzunehmen. Hinweise auf einen Terrorhintergrund oder eine religiöse Radikalisierung des Verdächtigen hätten sich nicht ergeben, betonte die Staatsanwaltschaft.

Messerattacke in Regionalbahn: Passagier sticht „wahllos und willkürlich“ auf Mitreisende ein

Erstmeldung vom 13. Mai: Herzogenrath - „Das war eine grausame Tat, die in einem Akt enormen Mutes gestoppt werden konnte“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag (13. Mai) bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Am Morgen hatte ein Angreifer in einer Regionalbahn in der Nähe von Herzogenrath „wahllos und willkürlich“ auf Mitreisende eingestochen und dabei fünf Menschen verletzt. Am Ende wurden insgesamt sechs Verletzte gezählt, den Angreifer eingerechnet.

Messerattacke in Regionalbahn: Angreifer verletzt fünf Menschen – Reul spricht von „Amoktat“

„Wir müssen von einer Amoktat ausgehen“, erklärte Reul. Der Angreifer war für die Behörden kein Unbekannter. Der 31-jährige Mann, geboren im Irak und als Flüchtling nach Deutschland gekommen, war 2017 nach einem Hinweis des Flüchtlingsheims, in dem er damals lebte, als „Prüffall Islamismus“ eingestuft worden. Seit seiner Einstufung als Prüffall sei der Angreifer nicht mehr auffällig geworden, betonte der Minister. Allerdings werde das nun noch einmal überprüft, denn er habe verschiedene Namen verwendet.

Die Behörden prüften daher auch, ob es sich möglicherweise um eine islamistisch motivierte Tat gehandelt haben könnte. Am Freitagabend erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aachen der Deutschen Presse-Agentur allerdings: „Für ein islamistisches Motiv der Tat haben wir bislang nichts Belastbares.“ Es gebe jedoch Anhaltspunkte, die die Schuldfähigkeit des Verdächtigen infrage stellen. Deswegen werden diese nun geprüft. Ermittelt werde wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Spätestens am Samstag werde entschieden, ob gegen den Mann ein Haftbefehl oder etwa die Unterbringung in einer Psychiatrie beantragt wird.

Herzogenrath/NRW: Messerattacke in Regionalbahn – Reisende verhindern wohl Schlimmeres

Die Tat fand am Freitagmorgen um 7.42 Uhr statt. Der Regionalexpress 4 hatte den Bahnhof von Herzogenrath gerade in Richtung Aachen verlassen, als der 31-Jährige ein Messer zückte. Zu diesem Zeitpunkt waren 270 Personen in dem Zug. Unter ihnen befand sich auch ein 60-jähriger Bundespolizist in Zivil. Gemeinsam mit zwei Reisenden gelang es ihm, den Angreifer zu überwältigen und festzuhalten. „Möglicherweise haben diese drei Menschen eine größere Gefahr, größeren Schaden verhindert“, sagte Reul bei seiner Pressekonferenz.

Die Behörden lösten Großalarm aus. Insgesamt eilten 200 Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens. Der Zug stoppte auf freier Strecke. Die Verletzten erlitten überwiegend Schnittwunden, auch am Kopf und im Gesicht. Glücklicherweise wurde niemand lebensgefährlich verletzt. Vier Personen wurden in Krankenhäuser gebracht. Unter den Verletzten ist auch der Bundespolizist. Der Täter wurde von den Beamten in einen weißen Overall gehüllt und abgeführt. Der 31-Jährige wurde ebenfalls leicht verletzt.

Der Innenminister Nordrhein-Westfalens erklärte bei seiner Pressekonferenz, die Vorkommnisse der letzten beiden Tage hätten gezeigt, dass die Gefahren durch den Rechtsextremismus und den Islamismus nicht verschwunden seien. „Sie sind weiter existent, bedrohlich und können lebensgefährlich sein“, so Reul. Am Donnerstagmorgen (12. Mai) nahmen Einsatzkräfte einen 16-Jährigen in Essen fest. Der Jugendliche steht unter Verdacht, einen rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag an einer Schule geplant zu haben.

Am Wochenende findet die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen statt. (ph mit dpa)

Auch interessant

Kommentare