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Nach tödlichen Schüssen auf Kirmes: Veranstalter übt deutliche Kritik an Behörden

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Von: Nina Büchs

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Kirmes in Lüdenscheid: Nach einem Streit fielen Schüsse – ein Mann starb. Nun übt der Veranstalter Kritik an den Behörden.

Lüdenscheid (NRW) – Zwei Tage nach den Schüssen auf der Kirmes in Lüdenscheid, bei denen ein möglicherweise unbeteiligter Mann (40) getötet wurde, haben die Schausteller auf das tragische Ereignis reagiert. „Wir als Veranstalter bedauern diesen Vorfall zutiefst und bekunden allen Beteiligten und vor allem den Angehörigen des Verstorbenen größte Anteilnahme“, heißt es in einem Facebook-Post. Zeitgleich übte die Steinert Kirmes Lüdenscheid jedoch auch Kritik an den öffentlichen Behörden und zog jetzt Konsequenzen, wie das IPPEN.MEDIA-Portal 24RHEIN berichtet.

Kirmes Lüdenscheid: Mann durch Schüsse tödlich verletzt

Der Reihe nach: Wie die Polizei berichtet, geriet ein Lüdenscheider (16) am Samstagabend, 21. Mai, mit einer 6-köpfigen Personengruppe auf dem Kirmesgelände in Streit. Der 16-Jährige versuchte später, die Gruppe mit seinem Erziehungsberechtigten zur Rede zustellen. Die Gruppe flüchtete jedoch daraufhin. Dabei gaben zwei Personen aus der Gruppe Schüsse ab – sowohl aus einer Schreckschusswaffe, als auch aus einer scharfen Schusswaffe. Ein Projektil traf dabei einen 40-jährigen Mann aus Gummersbach, der sich ebenfalls am Ausgang der Kirmes aufhielt, erklärt die Polizei. Für ihn kam jede Hilfe zu spät – er erlag noch im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Nach diesem Vorfall lief die Kirmes in Nordrhein-Westfalen trotzdem regulär weiter. Zwei Tage war auf den Social-Media-Kanälen des Veranstalters nichts von dem Zwischenfall zu lesen. Am Montag, 23. Mai, kam nun doch eine Stellungnahme – mit deutlicher Kritik. „Über das gesamte Wochenende wurde der Veranstalter von keiner offiziellen Seite über den Vorfall und die Geschehnisse bzw. die Hintergründe informiert. Alle uns vorliegenden Informationen konnten auch wir ausschließlich der Presse entnehmen, was uns den Umgang mit der Situation in allen Bereichen zusätzlich erschwert hat“, heißt es in dem Facebook-Post der Kirmes.

Kirmes Lüdenscheid: Veranstalter wurde nicht über Vorfall informiert

Wie aber kann es sein, dass der Veranstalter laut eigenen Aussagen nichts von dem Vorfall mitbekommen hatte? „Wir wurden weder von der Polizei, noch vom Ordnungsamt über den Vorfall informiert. Ich habe erst bei Facebook davon erfahren. Mich rief dann der Bürgermeister an und fragte, ob ich Informationen zu den Geschehnissen hätte“, so Thomas Jacob, Schausteller und Vorstand der Steinert Kirmes, gegenüber 24RHEIN. Auch andere Schausteller wären demnach nicht auf ihn zugegangen, um ihn darüber in Kenntnis zu setzen, so Jacob.

In Polizei-Kreisen heißt es dazu, es sei schwer vorstellbar, dass der Kirmes-Veranstalter selbst nichts von dem Vorfall am Samstagabend mitbekommen habe – schließlich sei der Polizeieinsatz der halben Stadt aufgefallen. Inwiefern, beziehungsweise ob der Veranstalter tatsächlich nicht von Ermittlern informiert wurde, konnte gegenüber 24RHEIN bislang nicht beantwortet werden.

Steinert Kirmes Lüdenscheid: Schausteller stocken Sicherheitspersonal auf

Er sei natürlich „geschockt“ über den Vorfall, so Jacob weiter. Die Kirmes nach diesem Ereignis ganz zu schließen, sei jedoch „die falsche Reaktion“. „Es muss ja weitergehen für uns Schausteller. Wir sind von den zwei Jahren Pandemie und dem Berufsverbot stark gebeutelt. An der Kirmes hängt unsere Existenz“, betont er.

Dennoch werde man nun Konsequenzen aus den Ereignissen ziehen, um einen möglichst unbeschwerten Kirmes-Aufenthalt sicherzustellen. „Gewalttaten haben auf einer Kirmes, einem Fest, das Ablenkung, Freude und Spaß vermitteln soll, überhaupt nichts verloren!“, heißt es in der Stellungnahme auf Facebook. Mit bestimmten Maßnahmen wollen die Schausteller dazu beitragen, dass die Kirmes in Lüdenscheid sicherer wird. So habe der Veranstalter „das Sicherheitspersonal nachträglich aufgestockt, sodass solche Auseinandersetzungen noch besser und schneller erkannt und frühzeitig unterbunden werden können.“

Auf den Facebook-Post haben inzwischen zahlreiche Menschen reagiert. Ein User schreibt zum Beispiel, es sei traurig, „dass der Veranstalter nicht einmal über die Ereignisse informiert wurde“. In einem weiteren Kommentar schlägt eine Userin vor, dass man künftig wie bei einem Flughafen Taschen kontrollieren sollte und den Eingang auf einen Bereich begrenzen könnte. Laut Jacob wäre dies jedoch personaltechnisch schwer umsetzbar – dafür fehle es an zusätzlichen Kräften. Auch die „zusätzlichen Sicherheitskräfte waren bereits schwer zu bekommen“, sagt Jacob. Zudem wäre auch der organisatorische Aufwand enorm. Denn dann müsse das Gelände auch komplett eingezäunt werden, um wirklich sicherzustellen, dass niemand mit gefährlichen Gegenständen auf die Kirmes kommen könne.

Schüsse auf Kirmes: Polizei ist Tätern auf der Spur

Fest steht: Während sich die Karussells und Fahrgeschäfte auch Tage nach den tragischen Geschehnissen weiter drehen, fehlt von den Tätern, die den 40-jährigen Mann mit einer Schusswaffe tödlich verletzt haben, noch jede Spur. Inwiefern der Getötete im Zusammenhang mit der Personengruppe steht, die die Schüsse abgegeben hat, wird noch untersucht. Die Ermittler hoffen nun, die schätzungsweise 16 bis 20 Jahre alten Tatverdächtigen im Rahmen eine Öffentlichkeitsfahndung aufspüren zu können. Es liege auch Videomaterial vor, auf dem die beteiligten Personen zu sehen seien, teilte die Staatsanwaltschaft Hagen am Montag mit. Bislang wurden mehrere Zeugen vernommen. Aktuell gäbe es aber noch keine konkreten Verdächtigen, so die Staatsanwaltschaft. (nb mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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