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Neuer Oster-Skandal für die Katholische Kirche im Erzbistum Köln setzt Woelki weiter unter Druck

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Seit Monaten wird der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki für seinen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen kritisiert. Nun gerät er durch die Unterstützung eines Priesters mit Spielschulden weiter unter Druck.
Seit Monaten wird der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki für seinen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen kritisiert. Nun gerät er durch die Unterstützung eines Priesters mit Spielschulden weiter unter Druck. (Archivfoto) © Nicolas Armer/dpa

Die katholische Kirche in Köln zahlt aus einem Sondervermögen für Missbrauchsopfer Spielschulden eines Priesters in Millionenhöhe. Dafür hagelt es Kritik.

Update vom Samstag, 15.04.2022, 19.35 Uhr: Nach dem Bekanntwerden neuer Vorwürfe gegen das Erzbistum Köln haben Vertreterinnen und Vertreter von Opferverbänden die Katholische Kirche am Osterwochenende massiv kritisiert. Anlass war die Nachricht, dass die Kirche mehr als eine Million Euro an Schulden für einen katholischen Priester beglichen hatte: aus einem Sondervermögen, das auch für die Entschädigung von Missbrauchsopfern gedacht war.

Der Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Opfer von sexuellem Missbrauch, Johannes Norpoth, nannte den Vorgang im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger „verstörend und beschämend“ und setzte den gezahlten Betrag in Relation mit den Entschädigungszahlungen, die Missbrauchsopfer erhalten hatten: „Opfer von Sexualstraftaten, teilweise ohne gesicherte Einnahmen wie bei einem Priester, werden mit einem Betrag abgespeist, welcher weniger als zwei Prozent von dem beträgt, was die Kirche als Ausgleich für die selbst verschuldete finanzielle Schieflage eines Priesters zu zahlen bereit war“.

Erzbistum Köln übernimmt Spielschulden: Opfervertreterin fordert Untersuchungskommission

Die Sprecherin der Reforminitiative Maria 2.0 Rheinland, Maria Mesrian, sagte der Zeitung, das „verantwortungslose Finanzgebaren“ zeige „den tiefen Fall Kardinal Woelkis und seiner Führungsriege“. Sie warf der Kirche vor, dass Betroffene sexuellen Missbrauchs „mit lächerlichen Summen abgespeist“ würden, „während Millionen für eine überflüssige Hochschule oder eben für die privaten Spielschulden eines Priesters verschleudert werden“. Mesrian forderte eine unabhängige öffentliche Untersuchungskommission einzurichten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gerät durch die umstrittenen Zahlungen für den verschuldeten Kirchendiener weiter unter Druck. Unlängst hatte er Papst Franziskus wegen seines lautstark kritisierten Umgangs mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum sowie einem dazugehörigen Gutachten seinen Rücktritt angeboten. Kurze Zeit später hieß es aus dem Bistum, der Papst werde „zu gegebener Zeit“ über die Causa entscheiden.

Der Kölner Dom.
Der Kölner Dom. © Oliver Berg/dpa

Kirche zahlt Spielschulden eines Priesters – Geld stammt auch aus Topf für Opfer sexuellen Missbrauchs

Erstmeldung vom Freitag, 15.04.2022, 16.24 Uhr: Köln – Das Erzbistum Köln hat insgesamt 1,15 Millionen Euro für einen überschuldeten Priester gezahlt. Der Priester habe knapp 500.000 Euro Schulden gehabt, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Erzbistums. Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ darüber berichtet. Die Schulden habe das Erzbistum in mehreren Tranchen beglichen, um dem Geistlichen in seiner akuten Notlage zu helfen, sagte der Sprecher. Nach intensiven steuerrechtlichen Überprüfungen sei man dann zu der Erkenntnis gekommen, dass diese Zuwendungen steuerpflichtig seien. Die nachträgliche Versteuerung samt Zinsen habe das Erzbistum dann nochmal knapp 650 000 Euro gekostet.

Die Mittel seien zum Teil aus einem Sondervermögen entnommen worden, aus dem auch die Zahlungen an Opfer von sexuellem Missbrauch geleistet werden. Die Lohnsteuerbegleichung plus Zinsen sei hingegen aus dem Personalkostenbudget des Erzbistums bezahlt worden, sagte der Sprecher.

Betrag in Millionenhöhe: Erzbistum Köln zahlt Spielschulden eines Priesters

In die Verwendung der Mittel aus dem Sondervermögen waren die Aufsichts- und Kontrollgremien des Erzbistums nicht eingebunden. Dies sei aber auch nicht nötig gewesen, betonte der Sprecher. Das Erzbistum habe darüber in diesem Fall selbst verfügen können. Dem widerspricht der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. „Die Auskunft des Erzbistums zeigt eine erschreckende Unkenntnis oder Ignoranz der einschlägigen vermögensrechtlichen Bestimmungen“, sagte Schüller dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. (dpa)

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