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Köln: Muss das Kaiser-Wilhelm-Denkmal verschwinden?

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Von: Johanna Werning

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Ein Reiterstandbild nach Kaiser Wilhelm II. steht auf der linken Rheinseite in der nahe der Hohenzollernbrücke in Köln.
Die Stadt Köln will sich mit ihrem kolonialen Erbe auseinandersetzen (Symbolbild) © Henning Kaiser/dpa

Wie soll die Stadt Köln mit ihrem Kolonialerbe umgehen? Denkbar: Denkmäler werden abgerissen und Straßen umbenannt. Aber wie wahrscheinlich ist das?

Köln – Ob der Kaiser-Wilhelm-Ring zwischen Altstadt-Nord und Neustadt-Nord, die Mohrenstraße in der Kölner Innenstadt oder das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Deutz. In Köln gibt es unzählige Orte, die aus der deutschen Kolonialgeschichte hervorgehen. Seit einigen Monaten will die Stadt Köln das Kolonialerbe nun aufarbeiten.

Dafür wurde auch ein Expertengremium berufen, das sich „mit der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und deren Folgen bis in die Gegenwart“ beschäftigt, so die Stadt. Erste Ideen und Vorschläge gibt es auch schon – und die haben es in sich, berichtet 24RHEIN.

Köln: Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Deutz – „am besten wäre, dass das Denkmal verschwindet“

Ein Ansatz: Denkmäler aus der Kolonialzeit könnten in Köln komplett verschwinden. Das würde zum Beispiel auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Deutz betreffen, welches dann abgerissen werden könnte. „Am besten wäre, dass das Denkmal verschwindet“, sagt Eli Abeke, Architekt und Mitglied des Expertengremiums gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Auch andere Kolonial-Denkmäler oder Straßennamen wie die Mohrenstraße, der Kaiser-Wilhelm-Ring, das sogenannte Afrikaviertel in Nippes, das Chinesen-Viertel in Neuehrenfeld oder die Wißmann- und die Gravenreuthstraße in Ehrenfeld könnten dann umbenannt werden.

Kolonialismus in Köln: Stadt will koloniales Erbe aufarbeiten

► Der Plan: Die Stadt will sich in den kommenden Jahren mit dem kolonialen Erbe Kölns auseinandersetzen.

► Ziel: „Die Aufarbeitung des (Post)kolonialen Erbes ist von großer gesellschaftspolitischer Bedeutung. Daher streben wir an, dass dieser Prozess durch die Zivilgesellschaft gestaltet und von uns im Sinne der Akteur*innen begleitet wird. So möchten wir die Bevölkerung für dieses wichtige Thema sensibilisieren“, erklärt die Stadt. 

► Umsetzung: Dafür wurde ein Expertengremium gestartet. „Das Gremium berät uns, setzt Prozess-Schwerpunkte und erarbeitet einen Maßnahmenkatalog für den Rat.“ Koordiniert wird der Prozess durch das Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Köln.

► Mitglieder des Gremiums: Das Gremium ist unabhängig, überparteilich und konfessionell ungebunden, so die Stadt. Die Mitglieder wurden aufgrund ihrer Expertise ausgewählt. Mit dabei sind unter anderem: Eli Abeke (Bündnis 14Afrika), Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst (Vorsitzende von „Köln Postkolonial – ein lokalhistorisches Projekt der Erinnerungsarbeit“) und Dr. Rahab Njeri (Historikerin und Community-Aktivistin).

Köln: Stadt will sich mit Kolonialerbe auseinandersetzen – „verschiedene Optionen denkbar“

Doch beschlossene Sache sind das Abreißen von Denkmälern und Umbenennen von Straßen noch nicht. Bislang handelt es sich dabei lediglich um einen Vorschlag von vielen. „Ich will hier keine Empfehlungen vorwegnehmen: Vom Denkmalsturz bis zum Einhüllen bis zu einem Geschichtspfad, der die Rolle des Kaisers erklärt, sind hier verschiedene Optionen denkbar“, sagt Marianne Bechhaus-Gerst, die ebenfalls Mitglied im Experten-Gremium ist, im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.

„Klar ist: Wir müssen uns mit der Frage danach, wie wir zukünftig mit diesen kolonialen Erinnerungsorten umgehen wollen, beschäftigen“, so Bechhaus-Gerst weiter. Aber wer entscheidet das? Und wie hoch ist Wahrscheinlichkeit, dass die Denkmäler und Straßennamen verschwinden?

Köln: Auseinandersetzung mit Kolonialismus – Expertengremium soll helfen

Einen konkreten Fahrplan für Köln gibt es noch nicht. Klar ist allerdings: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das eigene koloniale Erbe in den kommenden Jahren umfassend und konsequent aufzuarbeiten“, erklärt die Stadt Köln. Dabei sollen vor allem die Kölnerinnen und Kölner mit ins Boot geholt werden. „Mit diesem Entschluss gehen wir einen weiteren Schritt hin zu einer vielfältigen Stadtgesellschaft ohne Diskriminierung und Ausgrenzung und öffnen ein neues Kapitel der Erinnerungskultur.“

Wie genau das „neue Kapitel der Erinnerungskultur“ allerdings aussehen soll, ist noch unklar. Mögliche Maßnahmen sollen unter anderem vom Expertengremium erarbeitet werden. „Das Gremium berät uns, setzt Prozess-Schwerpunkte und erarbeitet einen Maßnahmenkatalog für den Rat“, sagt die Stadt weiter. Das Gremium hat allerdings gerade erst mit der Arbeit begonnen. Die konkrete Umsetzung ist dann außerdem Aufgabe des Stadtrats und der Stadtverwaltung.

Kolonialerbe in Köln: Auch in Hamburg, Berlin und München gibt es Diskussionen

Nicht nur die Stadt Köln beschäftigt sich mit dem richtigen Umgang im Hinblick auf das Kolonialerbe der Stadt. Auch in Hamburg, Berlin und München gibt es aktuell Diskussionen.

In Berlin wurde beispielsweise im August 2020 die Mohrenstraße aufgrund der rassistischen Konnotation des Wortes „Mohr“, umbenannt. Die Straße in Berlin-Mitte wurde nun nach Anton Wilhelm Amo, dem ersten Philosophen mit afrikanischer Herkunft in Deutschland, benannt. (jw)

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