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Pinkwart für „ergebnisoffene Prüfung“ des Gas-Frackings

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Andreas Pinkwart
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht im NRW-Landtag in Düsseldorf. © Sophie Brössler/dpa/Archivbild

Über die Fracking-Methode zur Gewinnung von Erdgas gehen die Meinungen weit auseinander. Der Krieg in der Ukraine und Deutschlands Abhängigkeit von russischen Lieferungen befeuern nun die Diskussion - auch in Nordrhein-Westfalen.

Düsseldorf - Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine hat NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) eine „ergebnisoffene Prüfung“ für heimisches Fracking gefordert. Dabei wird Gas mit großem Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten gelöst. Auf diese Weise könne in Deutschland gefördertes Gas nachhaltiger sein als entsprechende Importe aus den USA, sagte Pinkwart der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

„Alle bundesgesetzlichen und landesspezifischen Regelungen, die solchen Vorhaben entgegenstehen, gehören auf den Prüfstand, wenn wir Energieunabhängigkeit erreichen wollen“, sagte Pinkwart der Zeitung.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zeigte sich skeptisch: „Wir müssen da, wo unser Grundwasser oberflächennah gewonnen wird, ganz besonders sensibel sein. Deswegen war Fracking bis heute kein Thema und ich glaube, es wird auch keins“, sagte Wüst dem Westdeutschen Rundfunk. Ohnehin lägen 99 Prozent der Flächen mit Fracking-Potenzial in Niedersachsen und nicht in NRW.

NRW-Grünen-Chefin Mona Neubaur warnte vor dem Verfahren. „Es hat gute Gründe, dass unkonventionelles Fracking seit 2017 in Deutschland bis auf wenige Probebohrungen verboten ist“, sagte sie. Zu groß seien die Risiken, das Grundwasser zu verunreinigen und Erdrutsche auszulösen.

Auch der Chef der NRW-SPD, Thomas Kutschaty, lehnt das Gas-Fracking ab. „Der Nutzen des unkonventionellen Frackings ist zu klein, das Risiko für unser Grundwasser zu groß“, sagte Kutschaty der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Die Erschließung der Vorkommen dauere zudem „Jahre, die wir nicht haben“.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Fracking in Deutschland vor wenigen Tagen abgelehnt. In der Norddeutschen Tiefebene gebe es zwar eine große Menge Gas, an das man aber nur durch die Zerstörung von Gesteinsschichten herankomme. Außerdem würde es „Jahre dauern, neue Förderungen hochzuziehen und die Genehmigungsverfahren hinzubekommen“.

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sprach sich hingegen für eine ernsthafte Prüfung des Frackings aus. „Grundsätzlich muss für einen schnellen Ausstieg aus russischem Gas jede Option geprüft und ernsthaft erwogen werden. Das gilt selbstverständlich für das Fracking und die Gasförderung in Deutschland“, sagte Hüther der Zeitung. dpa

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