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Ukraine-Krise: Karnevalsmusik gestoppt, Sendungen gestrichen

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Karneval in Köln
Jecken feiern den Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt. © Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Wer am Donnerstagmorgen in Kiel ist und Bilder aus Köln sieht, wird vermutlich verstört sein: Zehntausende feiern in der Domstadt Karneval. Die örtlichen Medien reagieren zunächst verschieden auf den Krieg in der Ukraine. Am Nachmittag zieht auch der WDR die Reißleine.

Köln - Karneval und Krieg: Auch ein Spagat für die Medien. Der Lokalsender Radio Köln änderte am Donnerstagmorgen sein Programm und sendete seit 8.00 Uhr keine Karnevalsmusik mehr. Auch der öffentlich-rechtliche Radiosender WDR4 änderte sein Programm, spielte Pop statt Stimmungsmusik. Das WDR-Fernsehen setzte zunächst weiter auf Karneval - wobei die (nicht verkleideten) Moderatorinnen die Problematik klar benannten. Nach drei Stunden wurde die TV-Sondersendung dann aber vorzeitig beendet. Alle Karnevals-Sendungen der kommenden Tage wurden gestrichen.

Die Weiberfastnachts-Sendung im WDR Fernsehen endete bereits um 14.00 Uhr statt wie ursprünglich geplant um 18.00 Uhr. Später sollte verstärkt aktuell berichtet werden, zum Beispiel mit einem extralangen „WDR Aktuell“ von 16.00 Uhr bis 16.45 Uhr, teilte der Sender mit.

Kurz vor 14 Uhr verabschiedeten sich die Moderatorinnen Sabine Wieseler und Anna Planken überraschend von den Zuschauern. Wieseler sagte: „Wir hatten einen ziemlich langen Plan, kürzen diese Sendung aber hier ab, weil es sich eben zunehmend schwierig anfühlt, Karneval zu feiern, während in der Ukraine Krieg ist.“

Zu Beginn der Sendung gegen 11 Uhr hatten die beiden Moderatorinnen noch ausgeführt, man sei zu dem Schluss gekommen, den Zuschauern ein Angebot machen zu wollen: „Wir sind einfach für Sie da, auch für Ihre Gefühle.“ In einer Mitteilung des WDR hatte es am Vormittag geheißen: „Die Sendung wird in ihrem Charakter die Ambivalenz der Ereignislage abbilden und über weitere Entwicklungen informieren.“ Über den Tag entschied der Sender neu. Letztlich beendete der WDR seine Sondersendung mit den Bildern des Tages und sendete zunächst eine Folge der Sendung „Doc Esser“.

Am späten Donnerstagnachmittag teilte der WDR mit, dass man auch die Karnevalssendungen der kommenden Tage komplett streiche. Was aus das der vom WDR produzierten ARD-Sendung „Karneval in Köln“ - angesetzt für 20.15 Uhr am Rosenmontag - wird, war zunächst unklar. Laut einer ARD-Sprecherin war die Programmplanung am Donnerstag noch völlig im Fluss.

Der öffentlich-rechtliche Radiosender WDR4 hatte bereits am Vormittag sein Musikprogramm geändert, das unter dem Motto „Karneval hoch 4“ angekündigt war. Stattdessen liefen unter anderem Oldies. Ein Moderator begründete die Umstellung mit dem Angriff auf die Ukraine.

Der private Sender Radio Köln hatte noch früher sein Programm umgeworfen und schon ab 8 Uhr morgens keine Karnevalsmusik mehr gespielt. „Wir können nicht über den Krieg berichten und drumherum Karnevalsmusik senden“, sagte Chefredakteurin Claudia Schall der Deutschen Presse-Agentur. Auch Radio Köln hatte nach eigenen Angaben geplant, von 6.00 Uhr bis Mitternacht Karnevalsmusik zu spielen. Der Kölner Lokalsender gehört zum Verbund Radio NRW. Dessen Sender haben auch ihr nachrichtliches Programm geändert. Am Vormittag sollte es eine monothematische Sendung zum Angriff auf die Ukraine geben, danach stündliche Updates, so eine Sprecherin. Auch die Comedy-Blöcke wurden bis zunächst 16.00 Uhr gestrichen.

Unter der Überschrift „Wie wir über Krieg und Karneval berichten“ meldeten sich am Donnerstag auch die Chefredaktionen der Kölner Tageszeitungen „Stadt-Anzeiger“ und „Express“ zu Wort. In einem gemeinsamen Statement - die Zeitungen gehören beide zur Mediengruppe DuMont - hieß es: „Der Karneval wird in der Berichterstattung von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ heute und in den nächsten Tagen eine Rolle spielen. Es ist unsere Aufgabe, abzubilden, was in der Welt und in der Region geschieht. Der Angriff auf die Ukraine ist das Ereignis, das nachrichtlich alle anderen bei weitem überstrahlt. Wir werden ihm größtmöglichen Raum in unserer Berichterstattung geben.“ dpa

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