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Corona: Lauterbach verteidigt „Killer-Varianten“-Wortwahl - und schließt „Leben wie 2019“ im Herbst aus

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Von: Bettina Menzel

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet für die kommenden Pandemie-Monate mit großen Problemen, wie er dem Kölner Stadt-Anzeiger in einem Interview am Freitag sagte (Archivbild, 1. Juli). © IMAGO/Florian Gaertner/photothek.de I

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet für den Herbst mit großen Problemen und warnt davor, die BA.5-Variante zu unterschätzen. Ein Leben wie 2019 sei derzeit noch nicht möglich.

Köln - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt schon seit Längerem, dass die BA.5-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als die BA.2-Variante. Für die kommenden Pandemie-Monate rechnet er deshalb mit großen Problemen, wie er am Freitag in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte. Der Minister sprach sich klar für die Beibehaltung der Quarantänepflicht in Deutschland aus - und kündigte die neuen Corona-Regeln für nächste Woche an.

Lauterbach über Quarantäneregeln: „Wenn wir leben wie 2019, hätten wir unverhältnismäßige Sterbezahlen“

Bei der BA.5-Variante des Coronavirus sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass man schwer erkranke und im Krankenhaus behandelt werden müsse, sagte Lauterbach am Freitag. Darauf wiesen auch zwei kürzlich veröffentlichte Studien klar hin. Schon jetzt gebe es in Deutschland trotz eines Rückgangs der hohen Inzidenzen einen Anstieg bei den Hospitalisierungen, auch die Intensivstationen füllten sich, so der Minister „Und es sterben wieder mehr Menschen.“ Der RKI-Wochenbericht vom Donnerstag bestätigte diese Beobachtung und zeigte, dass die aktuell fallenden Inzidenzen eher eine Seitwärtsbewegung darstellen, als einen fallenden Trend. Zudem fand sich in neun von zehn Proben die Linie BA.5.

In Griechenland oder Spanien fiel die Quarantänepflicht bereits. Für Deutschland ist das offenbar keine Option. „Wenn wir alles öffnen und wieder leben wie 2019, dann hätten wir unverhältnismäßige Sterbezahlen“, sagte der Gesundheitsminister und verteidigte damit die Quarantäneregelung. Es gäbe dann auch sehr viel Long Covid und eine Überlastung der Krankenhäuser und der kritischen Infrastruktur. Die Rechtsgrundlage für die Corona-Schutzmaßnahmen läuft im September aus, aktuell verhandeln Gesundheitsminister Lauterbach und Justizminister Marco Buschmann (FDP) deshalb über die neuen Corona-Regeln für den Herbst. Mit Ergebnissen rechnet Lauterbach bereits „in der nächsten Woche“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Lauterbach widerspricht Gassens Annahme, BA.5-Variante sei „Friedensangebot des Virus“

Der Chef des Kassenärzteverbandes, Andreas Gassen, hatte Lauterbach zuletzt öffentlich bei der Quarantäneregelung und der Impf-Strategie widersprochen. Im Hinblick auf die BA.5-Variante sagte der Kassenärzte-Chef, es sei ein „Friedensangebot des Virus“. Lauterbach widersprach dem am Freitag vehement: Das sei wissenschaftlich keine haltbare Position. Eine Annahme eines solchen Angebots würden viele Menschen mit dem Tod bezahlen, denn die Sterblichkeit bei BA.5 sei höher als bei BA.2.

Die ursprüngliche Idee, dass man sich infiziere und danach dann für immer immun sei, habe sich nicht bestätigt. Das habe man am Anfang geglaubt, als noch nicht so viel über das Virus bekannt war. Aus diesem Gedankengut heraus käme vermutlich der Vorschlag von Gassen, vermutete Lauterbach. Wer bereits mit BA.2 infiziert war, könne sich mit BA.5 leicht reinfizieren.

Der Bundesgesundheitsminister empfiehlt deshalb - genau wie EU-Behörden - die vierte Impfung für Personen mit Vorerkrankungen, Pflegepersonal und für Menschen ab 60 Jahren. Wer sehr viele Personenkontakte habe - etwa in einer Bar arbeite, könne sich die zweite Auffrischungsimpfung in Absprache mit seinem Hausarzt auch mit einem Alter von unter 60 Jahren überlegen. Dies entspräche aber keiner allgemeinen Empfehlung des zweiten Boosters für alle, betont Lauterbach. Medien hätten dies zuvor falsch dargestellt.

Um die Corona-Sterblichkeit trotz Impflücke zu vermindern, zeigen die USA seiner Ansicht nach einen interessanten Weg auf. Bei seiner USA-Reise lernte Lauterbach demnach, dass die Amerikaner das Medikament Paxlovid bei rund 40.000 Risikopatienten pro Tag einsetzen. Das helfe, die Sterblichkeit deutlich zu reduzieren.

Gesundheitsminister verteidigt Wortwahl „Killer-Variante“ - und beschreibt Weg in die Endemie

Lauterbach verteidigte sich im Gespräch mit dem Kölner Stadt Anzeiger auch gegen den Vorwurf, seine Wortwahl wie etwa „Killer-Variante“ in der Pandemie sei unnötig drastisch. „Ich verwende wenige Vokabeln, die apokalyptisch sind“, sagte der Gesundheitsminister. „Aber manchmal muss man die Dinge beim Namen nennen.“ Gäbe es ein Virus, das die Ansteckung der BA.5-Variante mit dem schweren Verlauf einer Delta-Variante verbände, „dann wäre das eine Killer-Variante“. Er habe „nicht gesagt, dass eine solche Variante definitiv kommt, sondern dass wir auf eine solche Variante vorbereitet sein müssen.“

Der Minister beschrieb zudem den Weg von der Pandemie in die Endemie. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass man jetzt in die Endemie komme, doch da sei man noch nicht, erklärte Lauterbach und stimmte einer kürzlich vom Virologen Christian Drosten getroffenen Aussage zu, dass „die Pandemie noch einige Winter dauern könnte“. Um in eine Endemie zu kommen, müsse noch einiges passieren. Lauterbach rechnet hier mit deutlich verbesserten Impfstoffen.

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