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Angekommen nach der Flucht: „Unser Herz ist in der Ukraine“

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Ukraine-Krieg - Flüchtlinge Rheinland-Pfalz
Elena aus Kiew spaziert mit den Kindern Igor und Valeria sowie einem Hund in Trier. © Harald Tittel/dpa

Rund 3000 Flüchtlinge aus der Ukraine haben seit Kriegsbeginn in den Landeseinrichtungen vorübergehend eine Bleibe gefunden. Hinter den Zahlen stehen wahre Schicksale. Wie die von Valeria und Elena.

Trier - Valeria (36) ist aus dem ukrainischen Hostomel geflohen, Elena (21) aus Kiew. Beide Frauen stehen mit ihren kleinen Kindern vor der Landeseinrichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen in Trier. Valeria erzählt, wie die russischen Panzer die Häuser zerschossen haben. „Unser Haus ist auch kaputt. Die Schule gibt es auch nicht mehr. Wir haben kein Zuhause mehr und keinen Rückkehrort.“ Elena berichtet, wie sie vor der Flucht im Keller waren, weil die Sirenen ständig geheult haben. „Hier ist es für uns auf jeden Fall sicher. Aber unser Herz ist in der Ukraine.“

Valeria und Elena mit ihren Kindern - sie gehören zu den 1665 Ukrainern, die derzeit in den fünf Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende (AfA) des Landes untergebracht sind. Rund 3000 Geflüchtete sind seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine vor fünf Wochen in den AfAs untergebracht gewesen, wie der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, am Donnerstag in Trier sagte. 1000 seien bereits an Kommunen verteilt worden, andere seien an andere Orte weitergereist.

Die weitaus meisten Ukrainer, die nach Rheinland-Pfalz, gehen aber nicht den Weg über die Erstaufnahme, sondern steuern Kommunen direkt an. Dort melden sie bei den Ausländerbehörden, was keine Pflicht ist. Und da sich nicht alle registrieren, weiß man auch nicht genau, wie viele Menschen aus der Ukraine derzeit in Rheinland-Pfalz sind. Nach Meldungen der Kommunen und Schätzung der ADD könnte sich deren Zahl zwischen 14.000 bis 17.000 bewegen, sagte Linnertz. Die ADD ist landesweit für die Erstaufnahme schutzsuchender Menschen zuständig.

Nach zeitweise großem Andrang in den AfAs habe sich die Situation in den vergangenen Tagen beruhigt, berichtete er. „Das kann sich auch immer wieder ändern.“ Das Land baue daher seine Plätze für ukrainische Flüchtlinge weiter aus. Von 3300 Plätzen auf heute 6650 verdoppelt, laufe ein weiterer Ausbau auf rund 8600 Plätze, sagte er. Möglich werde dies über Erweiterungen wie Thermozelte, Container und Turnhallen. Zudem würden Hotels angemietet.

Mittelfristig werde auch geschaut, wo möglicherweise weitere Einrichtungen eröffnet werden könnten, sagte Linnertz. Derzeit gibt es Aufnahmeeinrichtungen in Trier, Hermeskeil, Bitburg, Kusel und Speyer - mit einem aktuellen Puffer von rund 1600 freien Plätzen.

Ein besseres Bild darüber, wie viele Ukrainer wo in Rheinland-Pfalz sind - das würde sich der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz wünschen. Denn dann könnte man die Menschen auch gleichmäßiger verteilen, sagte Sprecherin Agneta Psczolla in Mainz. Es gebe bereits Regionen, in denen es kaum mehr Unterbringungsmöglichkeiten gebe - wie im Raum Koblenz. In anderen Regionen sei noch genug Platz da.

„Es ist eine Mammutaufgabe und wir müssen den Wohnraum auch schaffen“, sagte sie. Die Kommunen hätten aus der Bevölkerung beim Melden von Wohnraum eine große Hilfsbereitschaft erfahren. Es sei weiter Ziel, die Menschen dezentral unterzubringen. „Das Letzte, was wir wollen, ist, dass wir Turnhallen wieder belegen müssen.“

Eine große Herausforderung für Kommunen sei auch die Kinderbetreuung. Es gebe Gegenden, in denen Plätze für Kinder vorher schon fehlten. „Wir müssen Lösungen finden, die für alle in Ordnung sind“, sagte Psczolla. Spätestens mit der Beantragung des Aufenthaltsstatus beginne auch die Schulpflicht für Schulkinder. „Wir werden wahrscheinlich auch nicht umhin kommen, auch über Klassengrößen zu sprechen.“

Die 20 Millionen Euro, die das Land den Kommunen zur Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung stelle, könnten „nur ein erstes Signal“ sein, sagte sie. „Da muss schon noch mehr kommen.“ Es brauche auch eine Verstetigung im System. „Es ist sehr wichtig, dass Bund und Länder da schnell eine Lösung finden.“

Linnertz sagte, es seien an den Schulen bereits 2775 Kinder angemeldet, darunter 1220 in Grundschulen. „Das nimmt jetzt zu.“ Für die Geflüchteten aus der Ukraine gelten andere Regeln als für Asylbewerber. Nach ihrer Registrierung bekommen die Ukrainer eine Bescheinigung und dürfen arbeiten.

Wie es bei Elena und Valeria nun weitergeht, wissen sie nicht. Elenas Ehemann ist in der Ukraine geblieben, weil er dort wehrpflichtig ist. Die Ingenieurin sagt, sie halte mit ihrer Familie ständig Kontakt über die sozialen Netzwerke. „Und jeden Morgen melden sich alle und sagen, dass es allen gut geht. Und jeder sagt Bescheid, dass mit ihm alles okay ist - und dann sind alle glücklich.“ Und Valeria sagt: „Ich will wieder nach Hause.“ Ein Zuhause, das es nicht mehr gibt. dpa

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