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Deutscher Wetterdienst: „Wir haben rechtzeitig gewarnt“

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Ahrtalschleife bei Altenahr
Die Ahrtalschleife bei Altenahr nach der Flut. © Thomas Frey/dpa/Archivbild

Mit einem Untersuchungsausschuss arbeitet der rheinland-pfälzische Landtag die Flutkatastrophe mit 135 Toten vom Juli 2021 auf. In der sechsten Sitzung geht es erneut um Hochwasserprognosen und Warnungen.

Mainz - Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war nach den Worten des für Beratungs- und Warndienste zuständigen Abteilungsleiters am Montagmorgen - und somit zwei Tage vor der Flutkatastrophe an der Ahr - klar, dass ein extremes meteorologisches Ereignis bevorsteht. „Am Mittwochmorgen gingen alle davon aus, dass es in einzelnen Regionen an einzelnen Flüssen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu extremen Ereignissen kommen wird“, sagte Thomas Kratzsch am Freitag im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des Landtags in Mainz.

Zur Unwetterkatastrophe mit insgesamt 135 Toten im nördlichen Rheinland-Pfalz kam es in der Nacht von Mittwoch (14. Juli) auf Donnerstag. Davon starben 134 Menschen im Ahrtal. Hunderte Menschen wurden bei der Sturzflut verletzt und Teile des Tals verwüstet. Auch ein halbes Jahr später leben noch zahlreiche Menschen in Ausweichquartieren.

Eine DWD-Unwetterwarnung vor extrem ergiebigem Dauerregen - wie für Ahrweiler vom Dienstagmorgen - in der höchsten Stufe 4 sei extrem selten und seines Wissens nach nur eine von zwei im gesamten Jahr 2021 für Deutschland gewesen, sagte Kratzsch. Die andere aus dem Februar habe sich auf Schnee und Glatteis bezogen.

„Unsere Vorhersagen waren sehr, sehr gut“, sagte Renate Hagedorn, DWD-Vorstandsmitglied, zuständig für den Bereich Wettervorhersagen. „Wir haben rechtzeitig gewarnt und waren erschüttert, was tatsächlich passiert ist.“ Es habe zwar Beratungsanrufe von Behörden gegeben, „aber im Grunde hätten wir uns gewünscht, dass ein noch besserer Austausch stattgefunden hätte“, sagte Hagedorn. „Wir hätten gerne mehr geholfen.“ Der DWD sei nach ihrer Auffassung aber seinem gesetzlichen Auftrag „vollumfänglich nachgekommen“.

Sie hoffe, dass der DWD den Auftrag bekomme, in Zukunft noch mehr Unterstützung zu leisten, „den haben wir als Deutscher Wetterdienst nicht“. „Wir hatten die Informationen, aber die wurden nicht optimal genutzt.“ Die logische Folge sei, dass es Brüche in der Informationskette gegeben haben müsse.

Nach Einschätzung von Wasserbauingenieur Boris Lehmann stand am Nachmittag vor dem zerstörerischen Hochwasser fest, dass man es mit einer Katastrophe zu tun hatte. „Ab dem Moment, in dem klar war, dass Hochwasserschutzmaßnahmen versagen“, gehe die Verantwortlichkeit an die Zuständigen vor Ort, sagte der Professor der Technischen Universität Darmstadt. Diese Situation sei mit der vom Landesamt für Umwelt (LFU) ausgegebenen Warnstufe 2 eingetreten.

„Die Schlussfolgerung, dass es zu einer nie da gewesenen Flut kommt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch von der Kreisverwaltung gezogen worden“, sagte der Sachverständige. Die Schwierigkeit sei aber die Frage gewesen, wo die Flut lang komme und welche Empfehlungen auszusprechen seien.

Das LFU habe die Vorwarnzeit aus seiner Sicht nicht verbessern können. Die Flutkatastrophe sei „auf keinen Fall“ schon 24 Stunden oder noch länger im Vorfeld absehbar gewesen. Die Gewissheit, dass es zu einer Flutkatastrophe komme, könne nicht allein von Regenmengen abgeleitet werden.

Für den Umgang mit einem solchen Extrem-Hochwasser ist nach Auffassung eines Sachverständigen aus dem Umweltministerium in Baden-Württemberg eine fachlich fundierte kommunale Hochwasseralarm- und -einsatzplanung „unerlässlich“. „Die Pläne müssen vor Ort aufgestellt werden, weil ich Informationen vor Ort brauche“, sagte Jürgen Reich im Untersuchungsausschuss.

Reich und Lehmann wiesen darauf hin, dass es nach der Warnung des LFU auf eine enge Kommunikation zwischen der Landesbehörde und den Kommunen ankomme.

Elf Sachverständige waren am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss geladen, die meisten als Zeugen. Darunter waren sechs Fachleute vom DWD. Die Sitzung hatte am Vormittag wegen gesundheitlicher Probleme eines der Geladenen kurzzeitig unterbrochen werden müssen. dpa

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