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Ein Jahr nach Flut: Steinmeier und Scholz besuchen Ahrtal

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Das extreme Hochwasser im Ahrtal hat mindestens 134 Menschen in den Tod gerissen. Tausende haben ihre vier Wände verloren. Ein Jahr später gedenken auch Bundespräsident und Bundeskanzler der Flutopfer.

Bad Neuenahr-Ahrweiler - Zum ersten Jahrestag der tödlichen Ahr-Flutkatastrophe besuchen an diesem Donnerstag die Spitzen des Staates das Flusstal im Norden von Rheinland-Pfalz. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will (11.00 Uhr) mit Betroffenen, Helfern und Kommunalpolitikern in den teilzerstörten Winzerdörfern Altenahr und Dernau sprechen. Dabei begleitet ihn die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD). Anschließend reist Steinmeier nach Euskirchen in Nordrhein-Westfalen, um dort an einem Gedenkgottesdienst für die dortigen Flutopfer teilzunehmen.

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Ahrtals in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Abend (17.30 Uhr) wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als Gast ohne Redebeitrag erwartet. Im Kurpark der stark flutgeschädigten Kreisstadt können sich bei dem öffentlichen Gedenken bis zu 2000 Menschen versammeln. Die Erinnerung an die Opfer soll laut der Landesregierung verbunden werden mit einem „sichtbaren Signal für den Zusammenhalt und den gemeinsamen Aufbruch“.

Das Programm wird vom SWR im Fernsehen und als Livestream im Internet übertragen. Geplant sind Ansprachen von Ministerpräsidentin Dreyer, der parteilosen Ahrweiler-Landrätin Cornelia Weigand und dem Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (CDU). Auch Worte von vier Flutopfern stehen auf dem Programm. Den musikalischen Rahmen gestalten Künstlerinnen und Künstler aus der Ahr-Region. Dreyer hat zudem an diesem Donnerstag in Rheinland-Pfalz Trauerbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude angeordnet.

Ein Jahr nach der Flut - Ahrtal
Meterhoch türmen sich Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott an einer Brücke über die Ahr. © Boris Roessler/dpa/Archivbild

Im Interview mit den ARD-„Tagesthemen“ sagte die Politikerin am Mittwochabend, sie sehe keine Veranlassung, sich im Namen der Landesregierung zu entschuldigen. „Das Ausmaß dieser Katastrophe konnte so niemand voraussehen.“ Zudem sei der Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz kommunal verortet. „Wir müssen der Frage nachgehen, warum der Katastrophenschutz nicht funktioniert hat, und was müssen wir vor allem tun für die Zukunft“, so Dreyer.

An diesem Freitag ist in den flutgeschädigten Kommunen ein dezentrales Gedenken geplant. „Als Zeichen der gemeinsamen Trauer und Hoffnung“ sollen laut der Kreisverwaltung Ahrweiler gegen 18.00 Uhr vielerorts die Kirchenglocken läuten. Auch einzelne Menschenketten sind in verschiedenen Kommunen vorgesehen.

Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag planen die Kirchen Gedenkgottesdienste. Bei einer solchen ökumenischen Zusammenkunft werden am Freitag (16.00 Uhr) in Ahrbrück auf einer Wiese der katholische Trierer Bischof Stephan Ackermann und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, erwartet.

An diesem Freitag (8.30 Uhr) geht auch die parlamentarische Aufarbeitung der Folgen des Hochwassers mit zu späten Warnungen und Evakuierungen in Rheinland-Pfalz weiter: In Mainz kommt wieder der Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des Landtags zusammen.

Bei dem Hochwasser nach extremem Starkregen am 14. und 15. Juli 2021 waren mindestens 135 Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz getötet worden - 134 im Ahrtal und ein Mann in der Eifel. Zwei Menschen werden noch vermisst. Mehr als 750 wurden verletzt. Auf rund 40 Kilometern an der Ahr wurden rund 9000 Gebäude sowie Straßen, Brücken, Schienen, Gas-, Strom- und Wasserleitungen zerstört oder schwer beschädigt. Allein im Ahrtal sind etwa 42 000 Menschen betroffen, landesweit rund 65.000. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen starben bei der Flutkatastrophe 49 Menschen. dpa

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