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Eva Umlauf: „Die Zeit heilt im Fall Auschwitz keine Wunden“

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Shoah-Überlebende Eva Umlauf
Shoah-Überlebende Eva Umlauf nimmt an einer Veranstaltung des Landtags von Rheinland-Pfalz teil. © Arne Dedert/dpa

Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf hat sich erst mit rund 70 Jahren nach einem Herzinfarkt auf Spurensuche begeben und ihre Geschichte in einem Buch aufgeschrieben. Im Mainzer Landtag beantwortet sie als eine der letzten noch lebenden Zeitzeugen Fragen von Schülern.

Mainz - „Die Zeit heilt im Fall Auschwitz keine Wunden“, mahnt Eva Umlauf vor Schülern im rheinland-pfälzischen Landtag. Die 78 Jahre alte Kinderärztin, Psychotherapeutin und Buchautorin gilt als eine der jüngsten Überlebenden des KZ. In einem slowakischen Arbeitslager geboren, wurde sie als fast Zweijährige mit ihrer schwangeren Mutter nach Auschwitz deportiert. Der Zug sei wenige Tage „zu spät für die Vergasung gekommen“, und die Rote Armee schon zu hören gewesen. Ihre Geschichte hat Umlauf 2016 in dem Buch „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“ veröffentlicht.

„Wir galten als ein Wunder. Ein Wunder, weil Du lebst“, berichtet sie über die Rückkehr ihrer Mutter mit den beiden Töchtern aus Auschwitz in eine slowakische Kleinstadt.

Vor den Schülern berichtet Umlauf am Mittwoch über die Schwierigkeiten der ersten Generation der Opfer über das Erlebte zu sprechen. Es sei ihr und ihrer Schwester nicht möglich gewesen, zu fragen. Sie bedauere dies, habe die Mutter aber auch nicht zum Weinen bringen wollen. „Wir haben die ganze Familie verloren.“ Sie habe keine Oma, keine Tante und keine Cousinen. Über das zu sprechen, werde vielleicht von einer Generation auf die andere etwas leichter.

Sie habe erst angefangen darüber zu schreiben, „als ich schon eine alte Frau war“, sagt die Mutter dreier erwachsender Söhne. 2014 habe sie sich nach einem Herzinfarkt auf Spurensuche begeben. „Diese Suche war sehr mühsam, weil man sich mit so vielen Toten in der Familie trifft.“ Sie sei dabei auch sehr krank geworden. Ihr Buch erschien zwei Jahre später.

„Dieser Herzinfarkt war so ein Ausrufezeichen. Mach noch, solange es geht“, berichtet Umlauf. „Ich wollte schon, dass das Schicksal dieser kleinen Familie einfach nicht vergessen wird.“

„Ich habe vieles total neu erfahren.“ Dazu gehört der Tod ihres 1911 geborenen Vaters. Dieser sei nicht, wie es der Mutter gesagt worden war, auf einem Todesmarsch erschossen worden. Er sei mit 33 Jahren an einer Blutvergiftung in einem Arbeitslager in Österreich gestorben, wo Quarz gewonnen wurde.

Umlauf appelliert bei der Gedenkveranstaltung an die Schüler, „wachsam zu bleiben und aufzupassen“. „Politisch, auf welche Seite man sich schlägt, und menschlich“. „Die künftigen Wähler sollen wissen, wie wichtig es ist, demokratisch zu wählen - und dass man sich nicht verführen lässt von irgendwelchen Märchen.“ Sie freue sich, vor jungen Leuten sprechen zu können. „Das ist die Zukunft.“

„Der Antisemitismus war immer da. Aber heute ist er salonfähig und das ist gefährlich“, sagt Umlauf auf die Frage eines Schülers. „Antisemitismus wird nicht mehr versteckt.“ Diese Entwicklung empfinde sie als besorgniserregend. „Wir müssen weiter dagegen kämpfen.“

„Ich fühle mich sicher“, beantwortet sie eine andere Frage. Sie sei nicht glücklich darüber, „dass auch vor unserer Synagoge in München immer Polizeiautos stehen“. Aber: „Wir brauchen diesen Schutz.“ dpa

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