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Gefährdete Pflanzenarten: Neue Saatgutbank in Mainz

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Universität Mainz
Studierende gehen über den Campus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Permanent verschwinden in der Pflanzenwelt Arten für immer, auch in Rheinland-Pfalz sind zahlreiche Wildpflanzenarten selten geworden. Um sie und damit auch die genetische Vielfalt zu bewahren, werden Samen aufwendig in sogenannten Saatgutbanken gelagert - nun auch in Mainz.

Mainz - Von der Bopparder Schleifenblume bis hin zum rheinischen Hügel-Fingerkraut - an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität ist eine Art Lagerstätte für Samen seltener und gefährdeter Wildpflanzenarten entstanden. Sie wurde am Donnerstag offiziell eröffnet, soll einen Beitrag zum Artenschutz leisten und bedient sich einiger technischer Kniffe, damit die Samen in dem unscheinbaren Gebäude der neuen Saatgutbank im Botanischen Garten der Hochschule möglichst lange keimfähig bleiben.

Während es zahlreiche Aufbewahrungsstätten für Saatgut von Nutzpflanzen gibt, sind diese im Falle von Wildpflanzen selten. Nach Angaben der Mainzer Uni gibt es neben der neuen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt deutschlandweit nur noch weitere in den Botanischen Gärten in Berlin-Dahlem, Osnabrück und Regensburg. Die Samen aus der Saatgutbank sollen etwa der Forschung, der Lehre und auch Renaturierungsprojekten nutzen.

Bislang umfasst die Mainzer Saatgutbank Samen von knapp 90 Arten. Hierher kommen zunächst in Rheinland-Pfalz und dem Saarland in teils mühsamer Kleinarbeit gesammelte Samen von Pflanzenarten, die auf einer vom Bundesamt für Naturschutz erstellten Liste stehen, für deren Erhalt Deutschland eine besondere Verantwortung hat - weil ein bedeutender Teil des Bestands hierzulande wächst. Eingelagert werden in Mainz im Rahmen eines Projekts mit der Technischen Hochschule Bingen zudem Samen von Ackerwildkräutern.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) sagte am Donnerstag, die Vielfalt der Arten sei ein großer Schatz der Natur. Die Arten seien wichtige Ressourcen für die Zukunft, gerade in Zeiten des Klimawandels. Dabei könne es um Strategien für die Zucht von Nutzpflanzen gehen, auch für die Medizin sei Artenvielfalt wichtig, denn die Medizin bediene sich pflanzlicher Wirkstoffe bei der Medikamentenherstellung. „Stirbt eine Art aus, so verlieren wir auch die Möglichkeit, von ihr lernen zu können“, sagte Eder. Am besten sei es stets, Arten in der freien Natur zu erhalten, Saatgutbanken könnten nur der „letzte Notnagel“ sein.

Wie funktioniert die Einlagerung keimfähiger Samen genau? Sie kämen zunächst in Papiertüten in Mainz an und würden mit Umluft getrocknet, erklärte der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, Ralf Omlor. Anschließend werden sie in Sieben gereinigt und kommen dann in eine begehbare Klimakammer. Dort werden sie bei 15 Grad und 15 Prozent relativer Feuchte langsam weiter getrocknet, bis die Restfeuchte bei noch 3,5 bis 6,5 Prozent liegt. Schließlich werden die Samen in kleinen Tüten vakuumiert, also luftdicht verpackt, und bei minus 18 Grad eingefroren.

Dieses Verfahren sei nötig, um die Samen für lange Zeit keimfähig zu halten, sagte Omlor. Der Stoffwechsel werde sozusagen heruntergefahren, in der normalen Raumluft würde die Keimfähigkeit der Samen sonst nach einigen Jahren und bei einigen Arten sogar schon nach Monaten schwinden. An der Partner-Saatgutbank in Regensburg wird dann immer wieder etwa mit Röntgenuntersuchungen geprüft, ob die Keimfähigkeit der eingelagerten Samen noch erhalten ist. dpa

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