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Gutachter empfiehlt Unterbringung in Psychiatrie

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Amokfahrt von Trier
Einsatzfahrzeuge der Polizei und Feuerwehr stehen in der Nähe des Tatorts. © Harald Tittel/dpa/Archivbild

Nach gut zehn Monaten ist der Trierer Prozess um die tödliche Amokfahrt auf der Zielgeraden. Vor den Plädoyers kam ein Gutachter zu Wort, der dem Angeklagten eine schwere Psychose bescheinigte.

Trier - Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters vermindert schuldfähig. Er leide an einer paranoiden Schizophrenie, die seine Steuerungsfähigkeit bei der Tat eingeschränkt habe, sagte der Sachverständige Wolfgang Retz am Mittwoch vor dem Landgericht Trier. Er empfahl eine Unterbringung des 52-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Bei dem Mann sei ein „bizarrer Wahn“ festzustellen, bei dem er sich als Opfer „eines groß angelegten Komplotts des Staates“ gegen ihn sehe - und der sich über die Jahre verstärkt habe. Er fühle sich verfolgt, abgehört und beobachtet - und sei der festen Überzeugung, man wolle ihn bestehlen und betrügen, sagte Retz. „Das ist die Haupttriebfeder und ein Risiko für weitere Delikte.“

Der Angeklagte steht seit Mitte August 2021 wegen fünffachen Mordes und versuchten Mordes in 18 Fällen sowie schwerer Körperverletzung vor Gericht. Er soll am 1. Dezember 2020 zur Mittagszeit mit seinem Geländewagen in hohem Tempo durch die Fußgängerzone gerast sein und „wahllos und gezielt“ Menschen angefahren haben. Bei der Amokfahrt kamen fünf Menschen ums Leben. Zudem gab es zahlreiche Verletzte und Traumatisierte.

Der Angeklagte sei der Überzeugung, dass er 1973 als Kind „Teil eines staatlich gelenkten Versuchsprogramms“ gewesen sei, sagte Retz weiter. Er gehe davon aus, dass man ihm damals „eine radioaktive Substanz“ gespritzt habe - und ihm aus der Versuchsreihe eine Summe von rund 500 000 Euro zustehe. Über Jahre habe er bei Notaren und Polizei erfolglos versucht, dieses Geld zu erhalten. Dass das alles nicht nachvollziehbar sei, interessierte ihn nicht. „Für ihn ist es die Wahrheit.“

Der Gutachter gab an, dass der Angeklagte ihm gegenüber angekündigt habe, er wolle „all diese Dinge“ im Prozess aufklären. „Das hat er aber bisher nicht getan“, sagte Retz. Der gelernte Elektroinstallateur hatte zum Prozessbeginn erklärt, er wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Daran hat er sich bis heute gehalten - und dazu geschwiegen.

Laut Anklage war der Deutsche zur Tatzeit alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert. „Eine feindselige Haltung“ der Gesellschaft gegenüber und seine Auffälligkeiten hätten sich aber erst ab Ende der 1990er bei dem 52-Jährigen entwickelt, berichtete Retz. Er habe da auch zunehmend körperliche Gesundheitsprobleme gehabt - und weniger soziale Kontakte.

Die Amokfahrt hatte in Trier einen tagelangen Schockzustand und anhaltende Trauer ausgelöst. Auch bundesweit war das Entsetzen groß. Der Prozess soll am 15. Juli mit ersten Plädoyers weitergehen. Weitere Termine sind am 21. Juli sowie am 11. und 16. August festgelegt worden. dpa

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