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Mainzer Kurfürst verschenkte Münzen aus Rheingold

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Goldmünze aus Rheingold
Die Rückseite (r) des Mainzer „Rheingolddukaten“ von 1772 nennt die Herkunft des Edelmetalls: „Aurum Rheni“ (Gold des Rheins). © Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG und Lübke & Wiedemann KG/dpa

Münzen und Medaillen waren schon immer ein zentrales Repräsentationsmittel von Herrschern. Der Numismatiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Eckhart Pick hat jetzt das „Mainzer Medailleursquartett“ porträtiert.

Mainz - Vor genau 250 Jahren wurde in Mainz eine Münze geprägt, die mit Gold aus dem Rhein hergestellt wurde. Die Herkunft wird stolz auf der Rückseite auf Latein genannt: „Aurum Rheni“. Das Edelmetall sei von „Goldwäschereien am Rhein in mühevoller Arbeit zu einigen Gramm verarbeitet“ worden, sagt der Numismatiker Eckhart Pick, der den Gestalter der Rheingoldprägung von 1772 in einem jetzt erschienenen Buch porträtiert hat.

Der Graveur verewigte sich mit der Signatur „S“ auf der Vorderseite der Münze mit dem Brustbild von Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim (1707-1774). Die Initiale steht für August Stieler, der 1765 aus Sachsen kam und Münzgraveur des Kurfürsten wurde. Die Münze aus Rheingold kam - ähnlich wie Medaillen - zu einem bestimmten Anlass wohl vor allem als besonderes Geschenk des Kurfürsten zum Einsatz. Insgesamt standen 150 Gramm Waschgold aus dem Rhein zur Verfügung, etwa 50 Münzen dieser Mainzer „Rheingolddukaten“ wurden damit geprägt. Ein Exemplar wurde im Oktober 2019 vom Münzauktionshaus Künker in Osnabrück für 12 000 Euro versteigert.

August Stieler war der erste einer Reihe von vier Graveuren nach der Wiederbegründung der Mainzer Münzstätte unter Kurfürst Emmerich Joseph. Der Sohn Jakob Stieler hatte es schwerer mit der Münzprägung - unter seiner Ägide wurde während der Mainzer Republik von 1792/93 Notgeld geprägt, dessen Metall zum großen Teil von konfiszierten Kirchenglocken stammte.

Pick hat die beiden Stielers und die späteren Graveure Johann Lindenschmit und Ferdinand Korn unter dem Titel „Das Mainzer Medailleursquartett“ porträtiert. Der 81-jährige Buchautor war von 1985 bis 1987 für die SPD im Landtag Rheinland-Pfalz, von 1987 bis 2002 im Bundestag. Von 1988 bis 2002 war der Jurist zudem Parlamentarischer Staatssekretär im Justizministerium. Jetzt habe der gebürtige Mainzer die neuen Freiräume im Ruhestand ein weiteres Mal für sein wissenschaftliches Steckenpferd der Numismatik genutzt, erklärte die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse bei der Buchvorstellung im Stadthaus.

Inzwischen werden Medaillen seltener geprägt. Die Stadt Mainz würdigte damit zuletzt Anlässe wie die Zweitausendjahrfeier 1962 und die Rathauseröffnung 1974. Die Numismatischen Gesellschaften Mainz-Wiesbaden und Speyer gaben 2018 eine Medaille zur Erinnerung an die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz aus, welche im vergangenen Jahr als Schum-Stätten ins Unesco-Welterbe aufgenommen wurden. dpa

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