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Mainzer Mittelalter-Ausstellung zeigt träumenden Martin

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Mittelalter-Ausstellung im Landesmuseum Mainz
In der Ausstellung „Avrea Magontia“ des Landesmuseums Mainz. © Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Gold und Dunkelrot sind die prägenden Farben der Ausstellung „Avrea Magontia“. Das Landesmuseum erweckt das „Goldene Mainz“ zu neuem Leben und zeigt dabei Liebe zum Detail.

Mainz - Das Landesmuseum Mainz macht in einer Ausstellung den mittelalterlichen Glanz der Stadt am Rhein neu sichtbar. Darauf nimmt der Titel Bezug: „Avrea Magontia“, in einer alten Schreibweise der lateinischen „Aurea Moguntia“, steht für das „Goldene Mainz“ und für die jahrhundertelang herausragende Bedeutung in Mitteleuropa. Die Ausstellung zeigt in zwei großen Räumen etwa 90 Exponate aus 800 Jahren Mainzer Stadtgeschichte.

Die zwischen Wänden in edlem Dunkelrot arrangierte Schau rückt bekannte Fundstücke wie die Adlerfibel, eine Nadel zum Verschließen eines Prunkgewands aus der Zeit um 980 bis 1000, in ein edles Licht. Die besondere Stellung des Erzbistums Mainz im deutschen Kaiserreich verdeutlicht der prachtvolle Kurfürstenzyklus aus dem frühen 14. Jahrhundert, dessen Skulpturen noch nie so eindrucksvoll zur Geltung kamen wie in dieser Ausstellung.

Daneben lenkt die Ausstellung auch liebevoll den Blick auf kleine Details. So zeigt ein Siegel aus dem Jahr 1300 den Stadt- und Dompatron Martin nicht in der bekannten Darstellung als Reiter, wie er einem Armen die Hälfte seines Mantels gibt, sondern schlafend, im Traum, umgeben von Engeln.

Ähnlich intime Eindrücke vermitteln zwei Paare sich umarmender Figuren, die aus Sandstein an einem Bürgerhaus angebracht waren. Entstanden in der Zeit um 1320 bis 1340 repräsentieren sie einen ähnlichen gotischen Stil wie eine lächelnde Madonna aus Eifeltuffstein, die um 1370 entstand.

Neben der wohlhabenden christlichen Bürgerschaft habe die jüdische Gemeinde in bedeutender Weise zur Entwicklung von Mainz beigetragen, sagt Museumsdirektorin Birgit Heide. Auf das Netzwerk der Schum-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz weist der älteste jüdische Grabstein aus dem Jahr 1049 hin.

Als Leihgabe aus Wiesbaden kommt eine Bronzetür, die den Historikern immer Rätsel aufgibt. „Aus stilistischen Gründen bleiben wir dabei: Dies ist für uns eine frührömische Tür“, sagt Heide. Es wird vermutet, dass sie im frühen Mittelalter im Mainzer Kloster St. Alban eine neue Verwendung fand, als „porta aurea“, als goldene Pforte. Aber gefunden wurden die Bruchstücke im 19. Jahrhundert an einer Stelle, die durch ein Tal vom Kloster getrennt ist. „Die Forschung ist spannend“, sagt Heide. „Sie wirft immer neue Fragen auf, mit denen wir die Besucher konfrontieren und über die wir mit ihnen ins Gespräch kommen wollen.“ dpa

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