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Matthias Maurer: „Astronaut ist genau mein Ding“

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Matthias Maurer
Astronaut Matthias Maurer. © Oliver Dietze/dpa/Archivbild

Matthias Maurer soll als nächster Deutscher zur Raumstation ISS fliegen. Für den Saarländer geht damit ein Traum in Erfüllung.

Houston/Oberthal - Als Kind wollte Matthias Maurer noch gar nicht Astronaut werden. „Es war ein Erwachsenentraum“, sagt der 51-Jährige. Er habe im Studium zwar mal geschaut, was man braucht, um Astronaut zu werden. Aber „richtig entfacht wurde der Wunsch erst“, als er hörte, dass die europäische Raumfahrtagentur Esa ein neues Auswahlverfahren starte. „Ich wusste sofort: Das ist genau mein Ding.“

Und dabei ist es geblieben. Nach jahrelangem harten Training steht der gebürtige Saarländer jetzt kurz vor seinem Start in den Weltraum. Voraussichtlich am Mittwoch (3. November) soll er mit seiner Crew vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida abheben und zur Raumstation ISS in rund 400 Kilometern Höhe fliegen. Dann wird er der zwölfte Deutsche im All sein - und der vierte Deutsche auf der ISS.

„Raumfahrt verbindet Wissenschaft, Technik, Kooperation in einem internationalen Team und natürlich eine Prise Abenteuer. Das sind alles Gründe, warum ich Astronaut geworden bin“, erzählte der am 18. März 1970 geborene Maurer der Deutschen Presse-Agentur. „Und natürlich die Neugierde.“

Maurer stammt aus dem 1300 Einwohner zählenden Ortsteil Gronig der Gemeinde Oberthal (Kreis St. Wendel) im Saarland. Schon in jungen Jahren zog es ihn in die Ferne. Er studierte Materialwissenschaft und Werkstofftechnik nicht nur an der Universität des Saarlandes, sondern auch im französischen Nancy, im britischen Leeds und im spanischen Barcelona. Später war der Ingenieur über universitäre Programme auch in Argentinien und in Südkorea.

Nach seiner Promotion über „Aluminiumschaum-Spritzschichtverbunde für den Leichtbau“ (2004) an der RWTH Aachen ging er erstmal auf Weltreise. „Meine Hobbys sind Reisen, fremde Kulturen, Fotografieren, Wandern, Sport und Sprachen“, sagt der hochgewachsene, schlanke Mann, der fließend Englisch, Französisch und Spanisch spricht - sowie „ein bisschen Italienisch“.

Für den Job als Astronaut hat er noch Russisch und Chinesisch gelernt. „Chinesisch spreche ich auch halbwegs gut. Zumindest gut genug, um ein Überlebenstraining auf See durchzuführen“, erzählt er. Sein Russisch werde er anwenden, wenn er bei einem Außenbordeinsatz in einem russischen Anzug aussteige. „Das bedeutet, dass ich auf Russisch kommunizieren muss.“ Über sein Privatleben schweigt Maurer. Er halte Privates gerne privat, sagt eine Sprecherin der Esa.

Maurer hatte sich 2008 mit mehr als 8000 Bewerbern beim Esa-Astronautenprogramm beworben - und als einer von zehn Kandidaten bestanden. Zunächst wurde er aber nicht ins Astronautenkorps berufen, er arbeitete dann unter anderem als „Astronauten-Support-Ingenieur“ für die Esa. 2015 wurde der Saarländer aber nachnominiert: Seit 2017 war er im Korps dabei, seit Herbst 2018 darf er sich nach seiner Grundausbildung offiziell Esa-Astronaut nennen.

Warum er Überlebenstraining unter Wasser und in eisiger Kälte machen musste? „Um uns in Extremsituationen hineinzuversetzen, so dass wir in einer entsprechenden Situation im Weltall einen kühlen Kopf bewahren.“ Allerdings könne man das Überleben im Weltall, also im Vakuum, auf der Erde schwer simulieren. „Allgemein ist der Beruf des Astronauten mit vielen Gefahren verbunden“, meint er.

Die Vorbereitung auf seine jetzige Mission „Cosmic Kiss“ führte ihn zum Training bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa und der privaten Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk in die USA, ins Sternenstädtchen (Swjosdny Gorodok) in Russland und auch nach Köln ans Europäische Astronautenzentrum der Esa.

„Der Lieblingsabschnitt meiner Missionsvorbereitung war, mein Essen auszuwählen. Hier musste ich einfach viele verschiedene Gerichte probieren und entscheiden, was mir am besten schmeckt“, sagt er lachend. Heimatverbunden wie er ist, freut er sich jetzt schon ganz besonders auf einige saarländische Spezialitäten im All.

Mit dabei hat er auch Fotos von Freunden und Familie. Sowie ein paar persönliche Dinge, die ihm wichtig sind. Auf der Raumstation werde er eine Fünfeinhalb-Tage-Woche haben, weil samstagvormittags auch gearbeitet werde. „Am Samstagnachmittag wird dann die Station gereinigt, sonntags haben wir dann Freizeit. Die verbringen wir dann mit Fotografieren, Videoaufnahmen - und nicht zu vergessen - mit Telefonaten mit unseren Freunden und der Familie am Boden.“ dpa

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