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Mordkommissions-Chef: Trierer Amokfahrt war geplant

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Justitia
Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Der mutmaßliche Amokfahrer von Trier hat kurz vor der Tat seinen Job gekündigt, Schlüssel zurückgegeben und sein Konto leergeräumt. Klare Zeichen dafür, dass die Todesfahrt nicht spontan passierte, sagt ein Hauptermittler im Prozess.

Trier - Die tödliche Amokfahrt in Trier ist nach Einschätzung eines Hauptermittlers vom Täter geplant gewesen. „Da bin ich mir sicher. Wir haben Anhaltspunkte, dass die Tat nicht ad hoc entstanden ist“, sagte der Leiter des Kommissariats für Kapitaldelikte bei der Kripo Trier, Christian Soulier, am Dienstag vor dem Landgericht Trier. Es habe „Vorbereitungshandlungen“ und Äußerungen des mutmaßlichen Täters gegeben, die darauf hinwiesen.

Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 waren in Trier fünf Menschen getötet und zahlreiche Menschen verletzt worden. Seit dem 19. August steht ein 52-Jähriger vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Der Deutsche soll mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Soulier sagte, der Angeklagte habe kurz vor der Tat seinen Job bei einer Elektrofirma gekündigt und seine Arbeitskleidung zurückgebracht. Zudem habe er dort eine Geldsumme bezahlt, die noch ausstand, obwohl es keine Aufforderung gab. Am Tattag selbst habe er die Haustürschlüssel an eine Bekannte zurückgegeben und ihr gesagt, sie könne sein Auto haben. Er komme in den Knast. Schließlich habe er an dem Tag „fast alles Geld“ von seinem Konto abgehoben. „Das war total untypisch“, sagte Soulier.

Der Angeklagte selbst habe in einer Vernehmung allerdings „heftig bestritten“, die Tat vorbereitet zu haben, sagte der Ermittler, der auch die damalige Sonderkommission „Fußgängerzone“ geleitet hatte. Auf die Tat selbst und Schilderungen über die Opfer habe er mit „null Empathie“ reagiert und „nicht ansatzweise Mitgefühl“ gezeigt. „Ich bezeichne ihn als starken Egoisten“, sagte Soulier.

Immer wenn es in den Vernehmungen um die persönlichen Anliegen des Angeklagten gegangen sei, sei er „euphorisch“ und „gut gelaunt“ gewesen, sagte Soulier. Der Angeklagte kämpfe seit Jahrzehnten vergeblich darum, eine hohe Summe Geld zu bekommen, die ihm angeblich aus einem Pharmaversuch zustehe. Dabei gehe es nach Ansicht des 52-Jährigen um 500.000 bis 1,6 Millionen Euro. Diese Versuchsreihe sei Teil einer wirren Gedankenwelt, in der sich der Mann bewege.

Auch vermeintliche Unregelmäßigkeiten bei Erbschaftsangelegenheiten seien bei ihm immer wieder Thema, berichtete der Mordkommissions-Chef. Der Angeklagte sei in seinen Aussagen immer wieder „sprunghaft“ gewesen. Das „Wirre“ sei seiner Ansicht nach „nicht vorgespielt“. Der Mann zeige „persönliche Auffälligkeiten“. Wie relevant diese für die Schuldfrage seien, könne er nicht sagen. „Die Amokfahrt ist der letzte Punkt bei einer Vielzahl von Auffälligkeiten, die wir festgestellt haben“, sagte Soulier.

Der Angeklagte leidet nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen an einer Psychose. Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte gesagt, er wolle keine Aussage machen. Der Prozess ist bis Ende Januar 2022 terminiert.

Die Amokfahrt in Trier sei „eine Lage gewesen, wie ich sie noch nie erlebt habe“, sagte Soulier weiter. In ersten beiden Tagen seien je 150 Polizisten im Einsatz gewesen. Später habe die Soko mehr als 300 Zeugen befragt und mehr als 140 Videos und Bilder ausgewertet. „Es hat keine Vernehmung ohne Emotionen gegeben“, sagte er am Rande. dpa

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