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Polizisten-Tötung in Kusel: Neue Details zu Verdächtigem publik

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Von: Martina Lippl

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Kusel: Mord an zwei jungen Polizisten Doppelmord Polizeiwagen und Beamte stehen an dem Tatort
Kusel: Nach dem tödlichen Schüssen auf zwei junge Polizisten laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. © Sebastian Gollnow/dpa

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei junge Polizisten sind zwei Tatverdächtige festgenommen worden. Wer hat die Waffe abgefeuert? Noch sind viele Fragen auch zum Motiv offen. Der News-Ticker.

Update vom 6. Februar, 17.30 Uhr: Nun sind weitere Details über die Tatverdächtigen im Fall Kusel publik: Beide waren der Polizei bereits in der Vergangenheit bekannt (siehe Erstmeldung): Der 32-Jährige wurde seit 2018 bereits dreimal wegen Straßenverkehrsdelikten und Betrug rechtskräftig verurteilt. Auch sein 38-jähriger Begleiter wurde in einigen Verfahren angeklagt.

Wie ein Jäger aus der Region dem Spiegel erzählte, war der 38-Jährige in Jägerkreisen dafür bekannt, in fremden Revieren auf Tiere zu schießen. Mehrere hundert Rehe und Wildschweine soll er so im Jahr geschossen haben. Der Verdächtige sei ein guter Schütze und habe sogar Turniere mit der Luftpistole gewonnen. Doch bei der Jagd war ihm der Spiegel-Informant nach eigenen Angaben lieber aus dem Weg gegangen: Der Wilderer sei leicht reizbar und habe eine „kurze Zündschnur“. Der Mann habe keine Hilfsmittel und Tricks gescheut um die Erfolgsquote seiner Raubzüge zu erhöhen.

Schützen von Kusel: Tatverdächtige bereits mehrfach der Polizei bekannt

Im September 2017 begegnete der Jäger dem 38-Jährigen dem Bericht zufolge erstmals selbst: Nachdem er ihn beim Wildern erwischte, zeigte er den Bäckermeister zusammen mit dem Pächter des Grundes an. Doch das Verfahren wurde eingestellt, weil der Beschuldigte mehrere Zeugen hatte, die ihm ein Alibi verschaffen konnten. Wie der Deutsche Jagdverband dem Nachrichtenmagazin mitteilte, wurde dem Tatverdächtigen sein Jagdschein wegen diverser Hinweise auf Unzuverlässigkeit aberkannt. Offiziell bestätigt ist dies allerdings noch nicht.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wirft dem Wilderer außerdem vor, die Insolvenz seiner Bäckerei verschleppt und Arbeitsentgelt vorenthalten zu haben. Laut Spiegel-Informationen liegt beim Amtsgericht Saarbrücken auch eine Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat und versuchten Betrugs vor. 2019 soll er einen Raubüberfall in seiner Bäckerei vorgetäuscht haben und danach einen Versicherungsschaden von 50.000 Euro geltend gemacht haben.

Polizisten-Morde in Kusel: Schmauchspuren sollen Schützen identifizieren

Erstmeldung vom 5. Februar: Kusel/Saarbrücken - Der Tod der beiden jungen Polizisten erschüttert. Eine 24-jährige Polizistin und ein 29-jähriger Polizist sind am frühen Montagmorgen (31. Januar) im Kreis Kusel durch Schüsse tödlich verletzt worden. Bei einer Verkehrskontrolle gegen 4.20 Uhr. Sie gaben noch per Funkspruch durch, dass sie totes Wild in dem kontrollierten Fahrzeug gefunden hatten. Nach Angaben der Polizei sei über Funk zu hören gewesen, dass auf sie geschossen wurde. Die Tat löste in Deutschland großes Entsetzen aus.

Zwei Tatverdächtige wurden noch am selben Tag festgenommen. Ein 38-Jähriger und ein 32-Jähriger aus dem Saarland sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Am Dienstag wurde gegen die zwei Tatverdächtigen Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes erlassen. Laut den Ermittlern wollten sie damit eine vorangegangene Wilderei verdecken. War das Vertuschen von Jagdwilderei ein Motiv für den Tod von zwei Polizisten?

Tödliche Schüsse auf Polizisten: 32-jähriger Tatverdächtiger bestreitet Verdacht

Einer der Tatverdächtigen behauptet jedoch nicht an der Tötung der Polizisten beteiligt gewesen zu sein. Der 32-jährige Verdächtige bestreitet selbst geschossen zu haben* und schob die Verantwortung auf den 38-jährigen Verdächtigen ab. Auch der Anwalt des 32-Jährigen beharrt darauf, dass dieser nicht geschossen habe.

„Er hat angegeben, dass er am Tatort zur Tatzeit war, hat aber genauso angegeben, dass er an der Tat, der Ermordung der beiden Polizeibeamten, in keinster Weise beteiligt war“, bestätigte der Verteidiger am Dienstag (1. Februar) gegenüber dem Südwestdeutschen Rundfunk (SWR). Die Vermutungen der Ermittler, wonach beide Verdächtigen geschossen haben sollen, wies er zurück. Der Strafverteidiger stellte das in einem RTL-Gespräch erneut klar.

„Mein Mandant ist zu Unrecht in Haft“, sagt Christian Kessler, der Strafverteidiger des 32-Jährigen, im RTL. „Er hat angegeben, dass er zwar am Tatort anwesend war, aber in keinster Weise an der Tat beteiligt war.“ Sein Mandant habe geholfen, das Wild zu bergen, aber keine Schüsse auf die Polizisten abgegeben. Er will niedrige Aufgaben verrichtet haben – ein Gehilfe gewesen sein.

Schmauchspuren: Winzige Partikel könnten Tatverdächtigen überführen

„Mein Mandant hat angegeben, dass er niemals in seinem Leben eine scharfe Schusswaffe abgefeuert hat“, so der Anwalt. Ein Test auf Schmauchspuren solle nun Aufschluss darüber geben. Ergebnisse würden laut dem Privatsender zunächst noch keine vorliegen.

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass beide Beschuldigten geschossen haben. Es seien zwei Waffen – eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr – verwendet worden, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen auf einer Pressekonferenz in Kaiserslautern am Dienstag (1. Februar).

Doppelmord an Polizisten: Können winzige Partikel den Todesschützen überführen?

Winzige Partikel, die beim Abfeuern einer Waffe entstehen, können auf Haut und Kleidung zurückbleiben. Sie lassen Rückschlüsse zu, wer eine Waffe abgefeuert hat. Die sogenannten Schmauchspuren könnten einen Tatverdächtigen überführen. Die Konzentration kann unterschiedlich sein.

Während der 32-Jährige wohl eher kooperativ mit der Polizei zeigt, schweigt der 38-Jähriger bislang zur Tat. Viele Fragen sind noch offen. Nach und nach wird jedoch immer mehr über die Vergangenheit der beiden Männer bekannt. Im Transporter, den die Polizisten kontrollieren wollte, lagen 22 tote Damhirsche. Bereits in der Vergangenheit ist der 38-Jährige ins Visier der Polizei geraten, auch wegen Wilderei. Dabei hat der Deutsche weder eine Waffenbesitzkarte noch einen Jagdschein. (ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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