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Untersuchungsausschuss fragt nach Abläufen in der Flutnacht

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Wolfram Leibe
Wolfram Leibe, (SPD) Oberbürgermeister von Trier, sitzt bei der TV-Spendengala "Ein Herz für Kinder". © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/pool/dpa/Archivbild

Vertreter aus Trier und der Eifel schildern im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe, wie sie Schlimmeres verhindern konnten. Kritik an mangelnden Warnungen oder zu wenig Unterstützung äußern sie nicht.

Mainz - Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Landrätin Julia Gieseking aus der Vulkaneifel und der Beigeordnete des Eifelkreises, Rudolf Rinnen, haben während der Flutkatastrophe eng mit ihren jeweiligen Einsatzleitungen zusammengearbeitet. Das berichteten mehrere Vertreter aus den drei Regionen, die neben dem Kreis Ahrweiler von dem verheerenden Unwetter Mitte Juli 2021 betroffen waren, am Freitag in Mainz.

Rinnen sei bei dem Hochwasser Mitte Juli „ständig vor Ort gewesen“, sagte der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Willi Schlöder, im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des Landtags. „Es war eine riesige Unterstützung, die wir von ihm erfahren haben.“ Rinnen hatte nach dem Wechsel von Landrat Joachim Streit (beide Freie Wähler) in den Landtag die Amtsgeschäfte übernommen.

Die Landrätin des Kreises Vulkaneifel, Gieseking (SPD), die zur Zeit der Katastrophe erst dreieinhalb Monate im Amt war, sagte: „Meine Aufgabe war die Einsatzleitung.“ Es sei darum gegangen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, als Kontaktperson zu den Verbandsgemeinden zu fungieren und „moralische Unterstützung“ zu leisten. Der ehrenamtliche Beigeordnete des Kreises, Alois Manstein (CDU), lobte den Einsatz der SPD-Politikerin, „obwohl ich nicht im selben Verein bin“. „Wir stehen in der Vulkaneifel eng zusammen.“

„Die Menschen haben kein Gefühl mehr für Gefahren“, konstatierte der Trierer OB Leibe (SPD), der in der Flutnacht in Trier-Ehrang an mancher Tür vergeblich Menschen aufgefordert hatte, ihre Wohnungen zu verlassen. Auch Schlöder berichtete, viele Menschen seien der Meinung gewesen, sie sähen schon, wenn es kritisch werde. „Aber dann kam es schneller, als man die Häuser verlassen kann.“ Die Einsatzleitung habe telefonisch Campingplatz-Betreiber gewarnt und Lautsprecher-Durchsagen in betroffenen Gemeinden veranlasst.

Kritik an fehlenden Wetterwarnungen oder der Unterstützung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) äußerten die Zeugen nicht. „Wir haben im Vorfeld natürlich sämtliche Warnungen gehabt“, berichtete Leibe und lobte die Berufsfeuerwehr in Trier. „Das ist die Chance für mich als OB, dass ich mich auf Profis verlassen kann. Deshalb war alles vorbereitet.“

Der SPD-Politiker betonte auch, wie wichtig die Freiwillige Feuerwehr im Stadtteil Ehrang mit ihren Ortskenntnissen etwa über befahrbare Wege gewesen sei. „Die Entscheidung muss vor Ort getroffen werden.“ Dass das Krankenhaus, das eigentlich als völlig sicher galt, evakuiert werden musste, sei auch ihm vor Ort klar geworden. „Wir haben das Wasser gerochen. Es bestand aus Heizöl und Scheiße.“

„Ortskenntnisse sind von unschätzbarem Wert“, bestätigte Schlöder - insbesondere im Eifelkreis, dem flächenmäßig größten in Rheinland-Pfalz. „Es kann sein: Bei uns in Bitburg scheint die Sonne und in Prüm haben die 15 Zentimeter Schnee“, erläuterte der ehrenamtliche Brand- und Katastropheninspekteur des Kreises, Jürgen Larisch. Am Tisch der Einsatzleitung im Kreis Bitburg-Prüm säßen Personen in verschiedenen Funktionen aus verschiedenen Verbandsgemeinden. Dazu gehöre auch die Bundeswehr und der Landesbetrieb Mobilität, „für uns ein Joker“.

Im Kreis Ahrweiler waren bei der verheerenden Sturzflut Mitte Juli 134 Menschen ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den damaligen Landrat, Jürgen Pföhler (CDU), und den ehrenamtlichen Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises. Ein weiterer Mensch starb im Kreis Bitburg-Prüm. Der Untersuchungsausschuss des Landtags will aufklären, wie es zu der Katastrophe kam. dpa

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